{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org
Ltvlqneb5wxsit5zeax9mkuttk4

Inhalt

In einer der ärmsten Gegenden Paraguays liegt Caazapá, „die Stadt der Zauber und Legenden“. Zwei junge paraguayische Studierende suchen hier Glück, Gold und einen magischen Vogel. Hinter dem bewachten Zaun einer Siedlung suchen europäische Aussteiger*innen währenddessen Freiheit, Heilung und Rettung vor dem Weltuntergang – für sich und ihre Ersparnisse. Zwischen ihnen liegen zwölf Kilometer Straße aus roter Erde, die sich zu Regenzeiten in einen Sumpf verwandelt. Um sie herum schweben feuchte Hitze und Zikadenchöre. 

Kritik

“Die Stadt der Mythen und Legenden” nennt man angeblich den entlegenen Schauplatz Yulia Lokshinas (Active Vocabulary) dokumentarischen Doppelporträts, das im Panorama der 76. Berlinale Premiere feiert. Doch diese klangvolle Bezeichnung für Caazapá ist womöglich auch nur eines der modernen Märchen, die Touristen in den statistisch ärmsten Ort der Region locken sollen. Bei der Gruppe überwiegend aus der Schweiz, Deutschland und Österreich angereister Aussteiger, die hier eine Gated Community gegründet haben, haben die Geschichten von einem idealen Ort offenbar funktioniert. 

Der unkomplizierte Einbürgerungsprozess und die niedrigen Lebenskosten haben wohl auch dazu beigetragen. Sie ermöglichen den überwiegend mittelständischen Einwanderern an dem von malerischer Natur umgebenen Flecken im Südosten Paraguays ein Leben in Wohlstand sowie die lokale Einflussnahme, die mit diesem Kapital einhergeht. El Paraíso Verde, “Grünes Paradies”, nennen die Bewohnenden den von den ehemaligen Sciencetologen Erwin Annau und seiner Gattin Sylvia Annau gegründete Anlaufpunkt für Anhänger*innen von Verschwörungstheorien, Esoterik, Aberglaube und Pseudo-Wissenschaften. Kritisch reflektiert werden weder die abstrusen Anschauungen noch die materiellen Hierarchien. 

Die Regisseurin lauscht bereitwillig den Gesprächen von mentaler Dämonenabwehr (geht auch per Zoom-Call), Auren, Alien-Besuchen und Vorsehung. Nicht alles ist Phantasterei. Diskussionsfetzen um Geldinvestitionen und ausbleibenden Renditen verweisen vage auf materielle Motive hinter der idyllischen Fassade. Außerhalb deren abgesteckter Grenzen liegt eine andere Welt, in der die jungen Studierenden Yoha und Will sich als lokale Guides durchschlagen. Auch sie erzählen potenzieller Kundschaft Märchen, doch dieser tägliche Existenzkampf ist dramaturgisch und ökonomisch unendlich weit weg vom neo-kolonialistischen Nirwana. 

Fazit

Umzäunte Utopien und gescheiterte Träume, Neo-Kolonialismus und esoterische Eliten, alte Sagen und zeitgenössische Sehnsüchte: All diese spannenden Themen streift Yulia Lokshinas ziellose Doku, ohne sie zu vertiefen. Tatsächlich kreist die observative Gegenüberstellung zweier verschiedener Welten und Weltsichten am gleichen Ort um die Mechanismen, Motive und Methodik von Mythen und deren Entstehung. Doch auch zu dieser Thematik finden die träumerischen Kameraaufnahmen und ausschweifenden Interviews keinen Zugang. Die Reproduktion kolonialistischen Machtstrukturen, kapitalistische Kluften und die Überschreibung lokaler Legenden durch Geschwurbel übergeht die ziellose Tour durch ein ästhetisches Niemandsland. 

Kritik: Lida Bach

Wird geladen...

×