6.5

MB-Kritik

Hex 2026

Music, Documentary

6.5

Inhalt

Drei junge Frauen gründen die Band Witch Club Satan, ohne überhaupt zu wissen, wie man Instrumente spielt. Durch einen dreijährigen Pakt sind sie dazu verpflichtet, Hexen und Musikerinnen zu werden. Mit Black Metal entfesseln sie ihre rohe, weibliche Kraft.

"Hex" wird im Rahmen des 40. Fantasy Filmfest gezeigt. Weitere Infos hier

Kritik

„Frauen und Metal passen nicht zusammen …“ Oder etwa doch? Das Zitat stammt von einem der „Witch Club Satan“-Hater und steht für einen der wichtigsten Kritikpunkte an der Band. Mit der Kritik geht diese Band übrigens sehr offensiv um und inszeniert ihre eigene Doku wie einen Gerichtsprozess gegen drei Hexen, denen eine Verurteilung droht. Der ungewöhnliche Aufbau der Doku passt perfekt zum ungewöhnlichen Stil der Band, die bewusst provozieren möchte und sich als von der Öffentlichkeit angeklagt und vorverurteilt sieht. Die alten Geschichten über Hexenverbrennungen vermischen sich mit der gegenwärtigen Realität, mit der sich die Band konfrontiert sieht. Die Frauen wagen sich ins fast ausschließlich männliche Terrain der Heavy-Metal-Musik und schaffen es, in dieser düsteren und lauten Welt zu bestehen. Dabei hatten sie nicht gerade die besten Voraussetzungen, um eine Band zu gründen. Sie gründeten die Band, ohne überhaupt zu wissen, wie man Instrumente spielt, und schlossen einen Pakt, mit dem sie sich verpflichteten, drei Jahre lang ein Teil dieser Band zu sein.

Interessanterweise hatte diese ungewöhnliche Taktik Erfolg und sie wurden zu Festivals eingeladen, ohne dass sie zuvor ein Album herausgebracht hatten. Das muss man erst mal als eine Newcomer-Band ohne vorherige Instrumentenkenntnis schaffen und allein das ist schon bewundernswert und eine großartige Leistung. Ob die Musik, die sie da spielen, gut oder schlecht ist, muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden. Zumindest sollte man fairerweise sagen, dass das Geschlecht der Bandmitglieder im Hinblick auf die Beurteilung der Musik überhaupt keine Rolle spielt, und wenn man darauf steht, von der Bühne aus angebrüllt zu werden, dann wird man sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass es Frauen tun und nicht wie gewohnt Männer. Eins kann man „Witch Club Satan“ definitiv lassen: Sie haben viel Energie und viel Kraft und sie wirken bei ihren Auftritten sehr authentisch. Außerdem verstehen sie ihre Musik als einen Akt des Feminismus. Sie tragen freizügige Outfits und nehmen viel Raum auf der Bühne ein, während sie sich diesem Akt der Befreiung hingeben.

Die ganze Doku ist nur so durchströmt von ihrer düsteren Energie, von ihrer Kreativität und auch in gewisser Weise von ihrer Theatralik. Sie tragen perfekt abgestimmte Gothic-Kostüme und schminken sich im typischen schwarz-weißen Heavy-Metal-Stil. Sie sprechen über menschliche Natur und Schönheit. Ihre Band bedeutet für sie den Ausbruch aus ihrem normalen Leben und das Streben nach Freiheit. Obwohl sie all das offen sagen, werden immer wieder die Bilder des stürmischen Meeres eingeblendet, um ihren Worten noch mehr Ausdruck zu verleihen. Wenn sie auf der Bühne sind, dann sind sie frei, so wie das Meer. Wer sich dieser außergewöhnlichen Erfahrung hingeben möchte, könnte sich diese Doku ansehen. Man sollte allerdings im Hinterkopf behalten, dass es hier nicht nur um die Musik an sich, sondern um Kunst und den Ausdruck dieser Kunst geht.

Man wird den Eindruck nicht los, dass es bei dieser Band mehr oder weniger um ein expressionistisches Experiment geht als um bloßes Dasein als eine Band. Wie dem auch sei, das Experiment ist auf jeden Fall gelungen und diese Dokumentation zeigt die drei Frauen unter anderem  in ihrer natürlichen Umgebung, wenn sie nicht gerade geschminkt sind und auf der Bühne stehen. Man lernt ein wenig ihre Familien kennen und erfährt auch ein paar persönliche Dinge, wie Gedanken und Gefühle, ohne jedoch auf biographische Aspekte einzugehen. Es geht viel mehr um den Zusammenhalt zwischen den drei Frauen und um ihre starke Verbundenheit, die sie zu einer geschlossenen Einheit macht.

Fazit

„Hex“ ist ein experimentelles, expressionistisches und feministisches „Heavy-Metal-Kunstwerk“. Die Doku erzählt von einer recht unerfahrenen Band, die mehr durch ihre Individualität und Authentizität als durch ihre Musik überzeugt und trotzdem ihre Daseinsberechtigung verdient.

Autor: Yuliya Mieland
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.