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Nach dem Unfalltod seiner Mutter, bricht für den 12-Jährigen T.J. (Devin Brochu) eine Welt zusammen. Fortan ist das Leben ungerecht, trist, hart und bietet kaum noch glückliche Momente. Auch sein Vater hat mit den Folgen der Ereignisse zu kämpfen. Doch anstatt nach vorn zu blicken, schüttet er sich lieber mit Pillen zu, vegetiert vor sich hin und vernachlässigt seinen Sohn immer mehr. Nur die leicht demente Großmutter (Piper Laurie) scheint den Haussegen noch vor dem Kippen zu bewahren. Dennoch ist für T.J. jede Sekunde eine Qual, in der er nicht das Unfallauto vom örtlichen Schrottplatz nach Hause bringen kann. Für ihn ist dies die einzige Hoffnung auf Erlösung, der Weg hin zu einem besseren Leben. Nur so kann er die Trauer schlussendlich besiegen. Ohne Geld oder Führerschein ist er jedoch auf sich allein gestellt. Gerade als alles nicht mehr schlimmer werden kann, taucht auch noch Hesher auf. Ein fluchender, aggressiver, vulgärer Vollprolet, dessen Motive anfangs noch im Dunkeln bleiben…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Was Regisseur Spencer Susser mit seinem Langfilmdebüt auf die Leinwand bringt, lässt sich in erster Linie als Mutig bezeichnen. Denn vornehmlich ist Hesher ein gewagtes Experiment, welches sich gekonnt dem Thema Kindheit annimmt, ohne dafür jemals die Realität verlassen zu müssen. Anders als Filme wie Wo die wilden Kerle wohnen, Der Sohn von Rambow oder Pans Labyrinth, bleibt so das Leben von T.J. stets bodenständig, rau, hart und eben in einem realistischen Setting verankert, wodurch besonders die dramatischen Szenen um ein vielfaches verstärkt werden. Ganz auf Risiko geht Susser, der auch das Drehbuch schrieb sowie als Produzent auftritt, dann aber doch nicht. Denn woher der Heavy Metal liebende Hesher schlussendlich kommt, bleibt ein Geheimnis. Ob er nun tatsächlich ein normaler Mensch ist, eine personifizierte Antwort des Schicksals, ein Wink Gottes oder doch eher die fantasievolle Einbildung von T.J., bleibt ungeklärt. So ist es dem Zuschauer überlassen, hierauf eine Antwort zu finden. Doch während diese Ungewissheit für einen gewissen Reiz sorgt, dürfte die unentschlossene Haltung von Regisseur Spencer Susser für ein paar kontroverse Diskussionen sorgen. Denn bei allen Motiven die er in seinem Werk über Erlösung und Frieden anspricht, bleibt diese Haltung bestehen. Die Welt von Hesher ist so zum einen ein starkes Drama, ein wenig Komödie, eine harte dialogträchtige Satire, aber auch ein besonnener Kinderfilm. Das Zusammentreffen aller verschiedenen Stimmungen gelingt hierbei aber nicht immer.

Dies liegt zum Teil daran, dass der eigentliche Fokus auf dem Leidensweg von T.J. liegt, die Figur des Hesher anfangs aber so stark ist, dass er alle anderen Figuren überstrahlt. So ist Hesher das personifizierte Böse, ohne jemals wirklich Böse zu sein. Vielmehr geht er einfach anders mit seiner Umwelt um. Er ist aggressiv, offen, kennt keine Regeln, pöbelt, erzählt gerne als Parabeln sexistische oder vulgäre Anekdoten, schert sich einen Dreck um die Gefühle anderer (zumindest anfangs) und taucht meistens dann auf, wenn er ziemlich unerwünscht ist. Doch letztlich ist die Art wie Hesher auftritt eine Befreiung für T.J. und seinen Vater. Nur durch einen starken Weckruf, können sie aus ihrer Lethargie zurückgeholt werden. Dennoch geht der ständige Wechsel zwischen Humor und Dramatik nicht ohne Verlust über die Bühne. Nicht jeder gebrachte Witz von Regisseur Spencer Susser zündet an der richtigen Stelle, aber auch nicht jede Szene will sich so recht ins Gesamtbild einfügen. T.J. währenddessen, hat eine Menge eigener Probleme, bei denen nicht mal sein schräger Freund Hesher helfen kann. Der brutale Schläger der ihn ständig drangsaliert oder der versuchte Rückkauf des Unfallautos, bleiben Dinge, mit der der kämpferische Junge alleine zurechtkommen muss. Es bleibt das Gefühl, dass Susser sich hätte für einen Weg entscheiden müssen. Entweder den Fokus komplett auf Hesher zu legen, oder auf den Kampf von T.J. gegen seine mehr als verkorkste Welt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die stärksten Momente von Hesher die sind, in der das düstere Kinomärchen seine emotionale Seite zeigt. Perfekt untermalt durch eine schauderhafte Bildsprache sowie einem melancholischen Score, können die gezeigten Emotionen auf das Publikum hervorragend übertragen werden. Umso irritierender wirkt es dann, wenn plötzlich Hesher saufender wie rauchender Weise versucht sich über das gezeigte lustig zu machen. Erst zum Finale hin, rückt Hesher angenehm in den Hintergrund und unterstützt so T.J. bei der Trauerbewältigung. Der Schlussakt selbst, zeigt indes einmal mehr die Stärke von Regisseur Spencer Susser, die eindeutig eher im dramatischen wie tragischen Bereich liegt, als beim Humor.

Dies zeigt sich auch in den vielen Beziehungen der einzelnen Figuren. Zwar kann Paul Forney als Vater von T.J. anfangs kaum etwas von seinen Gefühlen zeigen, dafür wird aber die Vater-Sohn-Beziehung Richtung Ende ein wesentlicher Faktor. Überraschend ist hingegen die Einbeziehung von Natalie Portman als biedere Verkäuferin Nicole. Zwar kann die Figur für ein paar wichtige Anstöße sorgen, doch so recht einfügen will sich ihr Part nicht. Überhaupt bleibt die Rolle seltsamer Weise sehr klein, wodurch die Besetzung von Portman mit ein paar Fragezeichen zurückbleibt. Perfekt besetzt ist hingegen Joseph Gordon-Levitt. Mit langen Haaren ausgestattet, einer prächtigen Slacker-Slang-Sprache sowie reichlich nicht jugendfreier Reden, ist  Gordon-Levitt der personifizierte Antichrist (was die Heavy Metal Musik noch passend unterstreicht). Ihm macht es sichtlich Spaß, sich keinem Gesetz beugen zu müssen, um so einfach mal die Sau raus zulassen. Doch wie anfangs schon beschrieben, drängt er so leicht alle anderen Figuren in den Hintergrund. Dennoch können alle Darsteller mit einer grandiosen Performance überzeugen und machen so Hesher zu einer gelungenen Casting-Sensation. Vor allem Jungdarsteller Devin Brochu, kann als verlorener T.J. eine unglaubliche Leistung abliefern. Zu jeder Zeit wirkt die Darstellung natürlich, wodurch der Zuschauer ohne Schwierigkeiten in die Welt von ihm hineingezogen wird.

Fazit

Im Kern ist "Hesher" ein dramatisches wie tragisches Erlebnis, dass durch die hervorragenden Darsteller zu jeder Zeit sehr authentisch wirkt. Auch die Figur des Hesher ist gelungen und kann durch seine Einzigartigkeit punkten. Dennoch gelingt es Regisseur Spencer Susser nicht, alle seine Elemente über die komplette Filmlänge in Einklang zu bringen. Zu oft wirkt der humoristische Ansatz fehl am Platz oder die Figur des Hesher zu stark, wodurch die Geschichte viel an Tragik verliert. Was bleibt ist ein düsteres Abenteuer rund um den jungen T.J., welches eine interessante Erfahrung bietet, mehr jedoch auch nicht.

Autor: Thomas Repenning

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