MB-Kritik

Hearing 2026

Quốc Tuấn
Ngọc Tản
Khánh Huyền
Vân Hà
Chí Linh

Inhalt

Ninh lebt bei seiner Mutter und vermisst seine Ex-Frau Ngoc und die gemeinsamen Kinder. Als Mechaniker, der Dezibelmesser in Wohnungen und öffentlichen Räumen installiert, nimmt er die Stille wahr, die Beziehungen heimsucht. 

Kritik

Bringen die dröhnenden Beats, die in Lê Bảos (Scent) zweitem Spielfilm einen surrealen Kontrast zu den Naturgeräuschen der ländlichen Provinz beschwören, den Dezibel-Messer zum blinken, erreicht die Lautstärke die Schmerzgrenze. Doch schmerzlicher als ein exzessives Level des wummernden Techno-Sounds des norwegischen Künstlers Mental Overdrive ist die geisterhafte Stille. Sie verfolgt Techniker Ninh (Nguyễn Quốc Tuấn) als physische Manifestation seiner Schuld an der eigenen Entfremdung von seiner Familie. Der Titel verweist auf die Abwesenheit, das laute Klänge und Schweigen gleichsam greifbar machen. 

In der Eingangsszene installiert Ninh einen der Dezibel-Messer, die er beruflich verkauft und anbringt, in der zum Club umfunktionierten Bar, deren Gäste sich selbstvergessen in der Klanglandschaft verlieren. Im Nebenraum sind die Angestellten eines Floristen, die mit tranceartiger Ruhe Blumenschmuck vorbereiten, so starr und lautlos wie ein tableau vivant. Klänge und deren Abwesenheit sind metaphysisch und metaphorisch angelegt in der düsteren Studie emotionalen Rückzugs und seelischer Isolation. Darunter leidet er scheinbar nicht allein, suggeriert Menge der Gäste, die das schlichte Gegenbild junger Party People sind. 

Das buchstäbliche Zudröhnen verdrängt die erdrückende Stille, in der Ninhs Stimme als hohles Echo widerhallt. Seine Frau Ngọc (Khánh Huyền) hat ihn wegen seiner Gewalttätigkeit mit den Kindern verlassen. Genauso haben die Misshandlungen seines Vaters Nhiên (Ming Hùng) dessen Beziehung zu seiner Mutter Khanh (Nsưt Ngọc Tản) zerstört. Doch hier ist es Nhiên, der die von Khanh ersehnte Versöhnung ausschließt - ebenso wie Ngọc, die mit einem neuen Partner Stabilität gefunden hat. Ninh ist ausgesperrt aus dieser Welt, wie jeder Besuch seiner Kinder sichtbar macht. 

Er bleibt draußen vor dem Haus mit ihnen, während er pragmatisch die Gründe ihrer Trennung erzählt. Das nahegelegene Haus seiner körperlich und mental geschwächten Mutter wird zum Monument der vorigen Gegenration männlicher Gewalt in der Familie. Das Muster der Misshandlungen wird weitergegeben gleich eines toxischen Erbes, dem sich die Betroffenen weder physisch noch psychisch entziehen können. Das Warnlicht des Dezibel-Messers wird zu paradoxen Party-Beleuchtung eines rhythmischen Rauschs, der zur akustischen Analogie privater und gemeinschaftlicher Kluften wird. Ein freudloser Tanz, der sich in Endlosschleife wiederholt. 

Fazit

An sein experimentelles Kino-Debüt Taste knüpft Lê Bảo assoziativ und atmosphärisch mit seinem symbolistischen Beziehungsdrama. Deren spukhafte Szenerie akzentuiert mit den finsteren Farben und harten Schatten Nguyễn Vinh Phúcs kongenialer Kamerabilder das psychische Dunkel um die Figuren. Malerische Landschaftspanoramen, denen Tier- und Naturgeräusche ihre eigene faszinierende Kulisse verleihen, atmen elegische Ruhe. Ein ähnliches Equilibrium atmen die observativen Studien handwerklicher Arbeiten, in denen die meditative Handlung fast zum Stillstand kommt. Doch die buchstäblich sinnliche Aura und das naturalistische Schauspiel fesseln bis zur hypnotischen Schlussszene. die Beziehungen heimsucht. 

Autor: Lida Bach
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