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Inhalt

Wo ist nur das Glück geblieben? In jeder ihrer schlaflosen Vorstadtnächte stellt sich Helene Brindel (Martina Gedeck) die gleiche Frage. Gefangen in der scheiternden Ehe mit ihrem Mann Christoph (Johannes Krisch), scheint selbst ihr geheimer Komplize Gott sie verlassen zu haben. Bis sie im Radio den Ratgeberautoren Eduard E. Gluck (Ulrich Tukur) hört, der Helene mit seiner kurzweiligen Theorie über das Glück fasziniert. Am nächsten Tag liest sie sein Buch, schreibt ihm einen Brief und besucht ihn schließlich bei einem seiner Vorträge. Dem ersten Treffen folgt ein Abendessen und schnell fühlen sich die zwei sehr unterschiedlichen Menschen zueinander hingezogen. Doch hinter seiner humorigen Fassade kämpft Gluck mit seinen eigenen Dämonen – und die Begegnung mit Helene macht ihm das auf drastische Weise bewusst. Trotzdem keimt Hoffnung auf, denn ganz entfernt erblicken beide unverhofft den Schimmer eines gleißenden Glücks...

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Woran glauben die Menschen heutzutage noch? Zumindest in der westlichen Welt ist die Frage nach dem Glauben schon lange nicht mehr von rein religiöser Natur. Selbstverständlich gibt es nach wie vor Menschen, die Kraft aus dem Glauben an Gott ziehen. Doch ein beachtlicher Teil lehnt es ab, sich in Glaubensdingen auf die Religion festnageln zu lassen. Anstelle der Religion gewinnt die Wissenschaft, insbesondere die Hirnforschung, immer mehr an Bedeutung für viele Menschen. So glaubwürdig sie im Einzelnen auch sein mag, sobald jemand mit empirischen Ergebnissen aus der Hirnforschung um die Ecke kommt, zeigt sich der unverwüstliche Glaube an jene Wissenschaft, die sich das menschliche Gehirn zum Forschungsobjekt erkoren hat. In dem Filmdrama Gleißendes Glück von Regisseur Sven Taddicken geraten zwei Menschen aneinander, die diesen unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören. Helene Brindel (Martina Gedeck) befindet sich in einer spirituellen Krise und hadert mit sich und ihrer Beziehung zu Gott. In dieser Lage trifft sie auf den renommierten Hirnforscher Eduard Gluck (Ulrich Tukur), der sein Forscherdasein dem menschlichen Glück widmet.

In erhabenen, eleganten Bildern versprüht der Film zu Beginn eine Atmosphäre, die von verheißungsvoller Aktualität nur so pulsiert. Die Distanz zwischen Helene und ihrem gewaltsamen Ehemann (Johannes Krisch) sowie ihre daraus resultierende hoffnungslose Einsamkeit transportiert der Film mit erschreckender Leichtigkeit. Durchwachte Nächte vor dem Fernseher, die routinierte Zubereitung des Frühstücks für den Ehemann und ein ständiger Mangel an Zärtlichkeit und Zuneigung. Helene zieht sich in ihre Welt zurück und findet in den Selbsthilfe-Ratgebern und -CDs eines gewissen Eduard Gluck den rettenden Strohhalm. Während die ruhige Stimme des Akademikers vom menschlichen Glück schwadroniert, schwebt die Kamera aus dem Wohnzimmerfenster und lässt die moderne Frau einen entscheidenden Entschluss fassen. Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand und fährt mit ihrer Schwester ein paar Tage in die Großstadt.

Dort trifft Helene ihren rettenden Strohhalm in Person. Sie nähert sich Eduard auf privater Ebene an und gemeinsam beginnen sie eine Art Selbsthilfe-Therapie, die sie vom gleißenden Glück kosten lässt. Während Helene auf der Suche nach ihrem inneren Gleichgewicht ist und in den Arbeiten Eduards einen spirituellen Kern entdeckt zu haben glaubt, offenbart auch der Hirnforscher seine ungeahnten menschlichen Makel. Auf erfrischende Weise betont der Film an dieser Stelle die Autonomie des Individuums, das sich selbstständig mit seinen Problemen auseinandersetzt und keinen Fachmann zu Rate zieht. In diesem Selbstbewusstsein des Individuums liegt dann auch die Ablehnung des Gottesglaubens begründet, der bei Helene ins Wanken gekommen ist und bei Eduard durch die Wissenschaft abgelöst wurde. Obwohl Eduard nichts mit der Spiritualität der einsamen Frau anfangen kann und Helene aufgrund ihres Glaubens ihrem Mann treu zu bleiben gedenkt, beginnt zwischen den beiden eine faszinierende Anziehungskraft ihre Wirkung zu entfalten. Das gegenseitige Geschenk ist dabei so wenig offensichtlich wie die psychologische Tragweite des gesamten Films.

Getragen von der gravitätischen Präsenz von Martina Gedeck und Ulrich Tukur trägt Gleißendes Glück seine Botschaften tief unter Andeutungen vergraben. So spielt sich das Ringen um den Glauben und die befreiende Autonomie gegenüber dem Ehemann bei Helene in erster Linie in ihrer Mimik ab. Die Dialoge deuten lediglich an und bewegen sich auf der Oberfläche der tiefen Tragik der Figuren. Ob der subtile Fingerzeig am Rande bemühter Dialoge dem Seelenleben der Figuren gerecht wird, bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Denn spätestens am Ende entgleitet dem Film das gewiefte Versteckspiel bedeutungsschwerer Botschaften, indem der Schlüssel zum gleißenden Glück den Suchenden in den Schoß fällt. Das hätten sie auch einfacher haben können.

Fazit

Das Selbsthilfe-Drama „Gleißendes Glück“ greift mit der Suche des autonomen Individuums nach dem inneren Gleichgewicht ein mehr als aktuelles Thema auf. Getragen von kräftigen, atmosphärischen Bildern und der elegant-erhabenen Ausstrahlung von Martina Gedeck und Ulrich Tukur entwickelt sich ein vielschichtiges Psychogramm mit Hang zu gewaltigen emotionalen Ausbrüchen. Was für den einen subtile Andeutung tiefgreifender Themen ist, kann hier für den anderen ein unbeholfenes Stochern in tiefen Gewässern sein. Das Ende ist dann allemal enttäuschend.

Autor: Jonas Göken

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