6.0

MB-Kritik

Frankensteins Haus 1944

Sci-Fi, Horror, Fantasy – USA

6.0

Boris Karloff
Lon Chaney Jr.
J. Carrol Naish
John Carradine
Anne Gwynne
Peter Coe
Lionel Atwill
George Zucco
Elena Verdugo
Sig Ruman
William Edmunds
Charles Miller
Philip Van Zandt
Julius Tannen
Hans Herbert
Dick Dickinson

Inhalt

In einer stürmischen Nacht gelingt Dr. Gustav Niemann die Flucht aus dem Gefängnis von Neustadt, wo er als Anhänger der Lehren des berüchtigten Dr. Frankenstein über ein Jahrzehnt einsaß, und mit ihm sein getreuer Zellengenosse Daniel, den ein schwerer Buckel verunstaltet

Kritik

Nachdem es bei Frankenstein trifft den Wolfsmenschen zum ersten Crossover bekannter Universal-Monster kam, setzt das Studio mit dem direkten Nachfolger Frankensteins Haus noch mal einen drauf. Diesmal darf sich sogar Graf Dracula in diese illustre Runde einreihen, was für ihn der erste Auftritt seit Dracula aus dem Jahr 1931 war (ausgenommen die damals zeitgleich gedrehte, inhaltlich völlig identische spanischsprachige Fassung). Während Lon Chaney Jr. zum dritten Mal in der Rolle des melancholisch-unglücklichen Wolfsmenschen Lawrence Talbot zu sehen ist, dreht sich das restliche Besetzungskarussell munter weiter und bringt dabei einige verblüffende Konstellationen mit sich.

Die größte Überraschung ist mit Sicherheit das Fehlen von Bela Lugosi, der in den letzten drei Frankenstein-Filmen mit an Bord war. In Frankensteins Sohn & Frankenstein kehrt wieder in der Rolle des verschlagenen Dieners Ygor und im letzten Teil gar als das Monster selbst. Genau das soll aber der Grund dafür gewesen sein, warum er diesmal nicht sogar seine Paraderolle des Grafen Dracula einnehmen durfte. Die Produzenten waren derart unzufrieden mit seinem sehr unglücklichen Auftritt im Vorgänger, dass sie lieber komplett auf ihn verzichteten. So schnell ist man plötzlich weg vom Fenster. Zumindest vorrübergehend, vier Jahre später durfte er bei Abbott und Costello treffen Frankenstein dann doch noch mal die Fangzähne und den schwarzen Umhang anlegen. Stattdessen durfte sich John Carradine (Früchte des Zorns) erstmals in der Rolle ausprobieren. Auf seine Leistung kommen wir noch zu sprechen - da besteht durchaus Redebedarf. Die spektakulärste Personalie ist aber ohne Frage die Rückkehr von Boris Karloff (Narbengesicht) zu dem Franchise, dass ihn einst zum Star machte. Allerdings NICHT in der Rolle der Kreatur. Die übernahm Glenn Strange (Zwei rechnen ab), den trotz über 300 (!) Auftritten in Film und Fernsehen wohl die Wenigsten kennen werden.

Karloff tritt als Doktor Niemann auf, dem neuen Mad Scientist in einem Frankenstein-Film ohne einen Frankenstein. Tatsache, zum ersten Mal taucht niemand mit diesem Familiennamen auf. Niemann ist nur ein glühender Anhänger dessen Forschungen und landete deshalb auch in der Irrenanstalt. Nachdem ihm und seinem Knecht Daniel (J. Carrol Naish, Rio Grande) die Flucht gelingt, sinnt er auf Rache an den Leuten, die ihn einst dorthin brachten. Aus diesem Zwecke tötet er zunächst der Schausteller Lampini, in dessen Besitz sich das echte Skelett von Dracula befindet. Niemann erweckt den Grafen zu neuem Leben und setzt ihn als Bluthund ein, was eher suboptimal funktioniert. Aber Gott sei Dank liegen in den Frankenstein-Ruinen in Vasaria noch zwei tiefgekühlte Prachtexemplare rum. Die Kreatur und der Wolfsmensch werden aufgetaut und für die eigenen Zwecke vor den Karren gespannt, was einige Tote, zahlreiche Gehirn-OPs und den unumgänglichen Fackel-und-Mistgabel-Mob zur Folge hat. Ja, das ist ein echter Frankenstein – auch ohne einen Frankenstein.

Sein wir ganz ehrlich: Selbstverständlich ist das pure Geldschneiderei und hat mit dem Anspruch an einen halbwegs „seriösen“ Horrorfilm natürlich rein gar nichts mehr zu tun. Das gleicht mehr nerdiger Fan-Fiction, die nach ein paar Kästen Bier aus Jux entstanden ist und aus irgendeinem Grund plötzlich in die Tat umgesetzt werden durfte. Im Gegensatz zu dem schon ähnlich gelagerten Frankenstein trifft den Wolfsmenschen lässt man sich diesmal aber wenigstens voll auf diese schräge Prämisse ein und zieht das konsequent durch. Wirkte der Vorgänger noch wie ein aus der Not geborener Rettungsversuch eines auf halben Weg verhungerten Wolfsmensch-Sequels, ist man hier gleich knietief im unvermeidbaren Nonsens. Ursprünglich sollte tatsächlich noch die Mumie mitmischen, was aus Kostengründen schlussendlich verworfen wurde. Das Resultat ist zwar nicht gut im eigentlichen Sinne, hat aber durchaus spaßige Momente. Schräg ist besonders die Performance von John Carradine, der einen ziemlich lächerlichen Dracula hinlegt. Was muss Lugosi gedacht haben, dass man ihn hierfür ausgebotet hat. Unfassbar. Dagegen steht der völlige Ernst, mit dem Lon Chaney Jr. mal wieder seinen inzwischen liebgewonnenen Trauerkloß-Werwolf präsentiert. Gut, dass die beiden keine gemeinsame Szene haben, dass würde in seiner kompletten Gegensätzlichkeit bestimmt das Raum-Zeit-Kontinuum zum Zerbersten bringen.

Und was macht eigentlich unser neuer Kreatur-Darsteller Glenn Strange? Nichts. Wirklich rein gar nichts. Bis auf die letzten fünf Minuten, davor hätte er bei seinen wenigen Szenen auch ein gepflegtes Nickerchen halten können, Hauptsache das Make Up sitzt und er fällt nicht um. Das kann nun wirklich jeder. Wofür ihm natürlich kein Vorwurf gemacht werden kann, aber ist eben so. Irgendwie schön ist es aber, wenn er am Ende Boris Karloff in seinen starken Armen hält und mit ihm vor den wütenden Nachbarn flüchtet. Das ist schon fast so ein kleiner Magic Moment. Karloff wird von seiner größten Rolle auf Händen getragen. Wohlgemerkt: Fast. Aber Boris Karloff ist es eindeutig, der hier ein bisschen Glanz in die Hütte bringt. Seine Rückkehr macht diesen Film schon ganz alleine besser, als er es vermutlich verdient hat. So seltsam und stellenweise albern auch dieses Crossover ist, es macht deutlich mehr Spaß als noch im direkten Vorgänger. Und so viel soll verraten werden: Besser wird es beim nächsten Mal definitiv nicht. Aber dazu zu gegebenen Zeitpunkt…

Fazit

Tja, was soll man sagen? Schon nach „Frankenstein kehrt wieder“ war die eigentliche Serie endgültig durch, alles weitere ist eben sportlich zu nehmen. Das gelingt bei „Frankensteins Haus“ wenigstens besser als bei „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“, der sich noch nicht auf diese unvermeidliche Schnapsidee einlassen konnte oder wollte. Gerade weil hier einiges total gaga ist (John Carradine allein würde da schon reichen) und im Gegensatz mit Boris Karloff wieder DER Star der Reihe sein durchaus gelungenes Comeback gibt. Es ist alles so absurd. Wenn schon, denn schon.

Autor: Jacko Kunze
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