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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine in Norwegen lebende rumänische Einwandererfamilie wird untersucht und steht unter Beobachtung der örtlichen Justiz.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Lawinen gibt es zahlreiche in s (R.M.N.) zwiespältiger Konfliktstudie, und die am wenigsten beunruhigenden sind aus Schnee. Eine davon stürzt in einer frühen Szene von dem verschneiten Bergpanorama um den malerischen Schauplatz in der norwegischen Provinz. Es ist das neue Zuhause des rumänischen Familienvaters Mihai (Sebastian Stan, Avengers: Secret Wars), seiner norwegischen Gattin, Krankenpflegerin Lisbet (Renate Reinsve, Backrooms), und ihrer fünf Kindern: zwei Geschwister im Grundschulalter, ein Baby, sowie die Teenager  Elia (Vanessa Ceban) und Emmanuel (Jonathan Ciprian Breazu). Eine zweite Lawine gen Ende bildet den allegorischen Rahmen des diffizilen Konflikts. 

Jener verbindet religiöse, rechtliche und familiäre Glaubenssätze zu einem - bisweilen allzu - exemplarischen Rechtsstreit mit provokanten soziologischen Implikationen. Die Lawinen symbolisieren neben den gravierenden juristischen Eingriffen, die unvermittelt die fundamentalistischen Neuankömmlinge treffen, gegensätzliche Handlungsansätze bei einem möglichen Bedrohungsszenario. Das erste Mal ignoriert Elias baldige beste Freundin und Nachbarin Noora (Heinrikke Lund-Olsen) das Geschehen; beim nächsten Mal folgen die Lehrkräfte bei einer Schulveranstaltung streng dem Sicherheitsprotokoll. Letztes tun sie ebenfalls beim Verdacht, dass Lisbet und Mihai ihre Kinder misshandeln. Indizien gibt es genug, doch die Wahrheit bleibt ebenso ungeklärt.

Genauso die Frage nach dem idealen Vorgehen in einer derartigen Situation und den Motiven der Involvierten. Bestätigen Elia und Emmanuel beim Lehrergespräch körperliche Gewalt seitens der Eltern aufgrund Sprachbarrieren? Oder verharmlosen sie aus Angst, und wenn ja, wovor: Verlust ihres Familienumfelds, einziger vertrauter Bezugspunkt in der Fremde, aus Angst vor elterlicher Strafe oder gar göttlicher? Wo Religionsfreiheit aufhört und Kindesmisshandlung beginnt, ist ein impliziter Streitpunkt, der wie die diffuse Grenze zwischen kulturellen Unterschieden und Fehlverhalten nie überzeugend ergründet wird. Ähnlich unscharf bleiben die psychologischen Profile der Figuren.

Sie solle zugeben, wenn sie sich geirrt hat, ermahnt Mihai Elia nach einer undefinierten Auseinandersetzung. Er selbst scheint jedoch unfähig, genau das zu tun. Ambivalent bleibt auch die Position der Jugendfürsorge, die sich womöglich mehr am religiösen Extremismus der Familie stört. Hält Noora Elias Eltern für unschuldig, will sie die neue Freundin, in die sie heimlich verliebt ist, nur bei sich haben, oder akzeptiert sie familiäre Gewalt so desinteressiert wie zu Beginn die Schneelawine? Und signalisiert ihr Verhalten rationale Nüchternheit gegenüber einem einschüchternden, doch meist folgenlosen Ereignis oder gefährliche Bagatellisierung? 

Fazit

In seinem fünften und ersten fremdsprachigen Wettbewerbsbeitrag in Cannes bearbeitet Cristian Mungiu erneut seine dominanten Motive kultureller Konfrontationen, familiärer Brüche und moralischer Widersprüche. Fahle, unterkühlte Farben und distanzierende Einstellungen vermitteln ein harsches soziales Klima, in dem Fürsorge und Mitgefühl performative Pflichten sind. Reinsve agiert merklich überzeugender als zerbrechlich wirkende Mutter gegenüber Stan, dessen rumänischer Patriarch seltsam aufgesetzt wirkt. Die drückende Atmosphäre fortgesetzter Ungewissheit wird zur juristischen Analogie der befürchteten charakterlichen Abgründe. Dramaturgisch unausgegoren, doch thematisch fesselnd, überzeugt die grimmige Mischung aus Prozesschronik und Familiendrama mehr als Diskussionsmaterial denn Sozialanalyse.

Kritik: Lida Bach

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