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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Filip will nur eines: überleben und leben. Der Warschauer Jude entkommt dem Ghetto, gibt sich als Franzose aus und arbeitet als Zwangsarbeiter in einem Frankfurter Hotel. Zusammen mit seinem besten Freund Pierre reißt er Frauen auf. Doch immer wieder droht die Tarnung aufzufliegen. Das temporeich inszenierte Drama ist inspiriert vom Leben Leopold Tyrmands.

Kritik

Gesehen beim 29. JüdischenFilmfestival Berlin Brandenburg

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete der polnische jüdische Schriftsteller Leopold Tyrmand als Kellner in Deutschland. Es war nur möglich, weil er sich für einen Franzosen ausgab. Seine Erlebnisse verarbeitete er in der gleichnamigen Novelle Filip. Mit unbändiger Kraft berichtet das Historiendrama von den grausamen Kriegserlebnissen, die, anders als in vielen Filmen, nicht an der Front stattfinden, sondern in einem Luxushotel in Deutschland. Die Hauptfigur Filip  (Eryk Kulm, Sie sehen dich) muss der feinen deutschen Gesellschaft dienen, obwohl er kurz davor steht auszubrechen. Er ist wie ein wilder Tiger im Käfig, der sich ständig unter Kontrolle haben muss, doch in seinem Innern brodelt es. Der Hauptdarsteller Eryk Kulm ist eine Wucht, denn er spielt pointiert und exzellent. Seine Blicke sagen viel mehr als tausend Worte und er vermag seinen ganzen Körper für sein überragendes Schauspiel einzusetzen. Dabei wird immer wieder der Herzschlagsound hinzugefügt, als würde man sein Herz ganz laut schlagen hören, jedes Mal, wenn er kurz davor steht rasend vor Wut zu werden. Diese unbändige Wut, die er nicht rauslassen darf, weil er gezwungen ist unter Feinden zu leben und freundlich zu ihnen zu sein, obwohl er sich so sehr nach der Freiheit sehnt und danach endlich wieder etwas fühlen zu dürfen. Der Krieg machte ihn kalt und stumpfte ihn ab. Nun rächt er sich in seiner Gleichgültigkeit auf seine Art an den Deutschen, indem er deutsche Frauen verführt.

Kulm spielt grandios und Regisseur Michał Kwieciński (Liebe ist alles) weiß Symbole für sich einzusetzen, die für Gänsehaut sorgen. Als eine Horde Arier „Deutschland, Deutschland über alles singt“ und alle einschließlich des kleinen Mädchens den Hitlergruß machen ist es hart mitanzusehen. Es ist eine kraftvolle und traurige Abbildung der damaligen Realität. Inmitten der Menge steht Filip und hält sein Tablett mit Champagner in der Hand, umzingelt von seinen Feinden. Wenn man die Kernaussage des ganzen Films erfassen möchte, braucht man sich nur das Standbild dieser einzelnen Szene anzusehen. Sie ist unheimlich kraftvoll. Auch die Beziehung zwischen Filip und seinem besten Freund Pierre (Victor Meutelet, Veganer schmecken besser) ist von enormer Relevanz für die Entwicklung der Hauptfigur.  Immer wieder streut man humorvolle Momente in den Film ein, um zu zeigen, dass die Freunde trotz des ganzen Kummers ihre Situation durchaus mit Humor nehmen.

Wenn man den Krieg überleben will, muss man sich an etwas festhalten, was Freude bereitet: Freundschaft, Liebe, Hoffnung. Wenn man die Hoffnung auf ein besseres Leben verliert, dann stirbt man. Dabei gibt es so viel, wofür es sich zu leben lohnt. Filip zeigt immer wieder Lichtdurchblicke und Hoffnungsschimmer in einer düsteren Realität. Trotz der schlimmen Umstände, unter denen er Tag täglich leidet, trifft er die junge Frau Lisa (Caroline Hartig, Blackout), die womöglich mehr als nur ein Abenteuer für ihn werden könnte, wenn er seine Gefühle zulässt. Mit ihr kommt der entscheidende Wendepunkt für die Geschichte. Egal, was für Grausamkeiten der Zweite Krieg hervorbrachte, die Menschen träumten weiterhin vom besseren Leben, sie feierten, sie, tanzten und sangen, sogar in Angesicht des drohenden Todes. Tod und Leben liegen manchmal sehr nah beieinander und Filip erzählt davon, was in den Kriegszeiten wirklich wichtig ist: durchzuhalten, um zu überleben. Was danach kommt, wird sich zeigen ...

Fazit

Ein kraftvolles Zeugnis einer grausamen Zeit mit einem grandiosen Hauptdarsteller. "Filip" zeichnet ein authentisches Bild eines Juden, der während des Zweiten Weltkrieges für die Deutschen arbeiten musste, um zu überleben. Das Historiendrama zeigt eindrucksvoll, dass der Krieg sich nicht nur an der Front abspielt, sondern im Innern jedes einzelnen Vertriebenen und Unterdrückten. 

Kritik: Yuliya Mieland

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