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Auf dem Weg zu seiner entfremdeten Tochter gibt ein gealterter Komiker einige Auftritte in der Mojave-Wüste.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Entertainment ist die Geschichte eines Komikers und dennoch so weit wie möglich von einer Komödie entfernt. Vereinzelt mögen Lacher aufgrund der schieren Merkwürdigkeit eines Moments entstehen, doch selbst die bleiben nach wenigen Sekunden im Hals stecken. Das ist erstaunlich, schließlich verbringt der Film einen nicht unerheblichen Teil seiner Laufzeit damit Ausschnitte aus den Vorstellungen eines Stand-up-Comedian zu zeigen. Dieser namenlose Komiker (Gregg Turkington) zieht auf der vermeintlichen Suche nach seiner Tochter durch die Mojave-Wüste und gibt hin und wieder in kleineren Bars und auf Privatfeten seine Show zum Besten. In einer seltsamen Aufmachung, mit verstellter Stimme und drei Drinks in der Hand fängt er an geschmackslose Witze mit merkwürdigen Pointen zu erzählen und im weiteren Verlauf dann die Zuschauer wegen ihres respektlosen Auftretens zu beschimpfen. Was zunächst schlichtweg seltsam anmutet, entpuppt sich bald als einziger Lebensinhalt eines bemitleidenswerten Individuums.

Dramaturgische Gesetze scheinen bei Entertainment nicht zu gelten. Ohne Spannungsaufbau, ja selbst ohne wirkliche Charakterentwicklung dürfte Rick Alversons (The Comedy) Werk viele Zuschauer vor den Kopf zu stoßen. Selbst dem versöhnlichen Schlussakkord, dem man in vielen Roadmovies begegnet, verweigert sich der Film konsequent. In seiner statischen Bildsprache herrscht Stillstand, derselbe Stillstand, welcher auch den lethargischen Protagonisten fest in seinen Klauen hält. Bewusst erfahren wir nichts über dessen Vergangenheit, lediglich die Existenz seiner Tochter steht als allgegenwertige Konstante im Raum. Verzweifelt bildet er sich ein sie würde am Ende seiner Reise warten, doch alle Kommunikationsversuche sind einseitiger Natur, wenn er ihr niedergeschmettert Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlässt. Nicht zuletzt deswegen bleibt seine Psyche schwer greifbar, in ihm herrscht eine Leere, die weniger verstanden als vielmehr gefühlt werden sollte.

Letztlich versucht Entertainment ganz bewusst seine Zuschauer von sich zu stoßen. Durch zähneknirschende Momente voller Fremdscham und unangenehme Konversationen schwingt von Beginn an eine sehr schwerfällige Attitüde mit. Die zum Teil surreal anmutenden Einstellungen tun ihr übriges und oftmals entsteht der Eindruck die Kulisse selbst wäre nur eine Visualisierung für die innere Leere der Hauptfigur. Angefangen mit der Wüstenlandschaft im Hintergrund bis hin zu unbewegten und nutzlosen Objekten wie kaputte Flugzeuge und einer Ölpumpe im Vordergrund erinnert alles an ihn. Sein leerer Blick auf diese Gegenstände ist gleichermaßen ein Blick in sich selbst, voller Unverständnis und Ziellosigkeit. Der Versuch einer Psychologisierung findet gar nicht erst statt, vielmehr scheint seine innere Leere eine allgegenwärtige und unumkehrbare Tatsache zu sein. Eine Tatsache, die es zu erforschen sich lohnt.  

Fazit

Als würden sich Roy Andersson und Quentin Dupieux die Hand reichen. Liebhaber von surrealem, andersartigem und befremdlichem Kino sollten die schlechten Wertungen im Netz getrost ignorieren und dürfen dann einen der Höhepunkte des bisherigen Filmjahrs genießen. Wer klare, dramaturgische Linien braucht, der bleibt „Entertainment“ besser fern, alle anderen folgen Rick Alverson in den bisher groteskesten Selbstfindungstrip des Jahres.

Autor: Dominic Hochholzer

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