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England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst. Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet. Aber trotz Emmas unbegrenztem Vertrauen in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.

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Kritik

Herzschmerz, Sehnsucht und tiefes Verlangen – die Romane und Geschichten der britischen Schriftstellerin Jane Austen (Stolz und Vorurteil) sind auch 200 Jahre nach ihrem Tod echte Dauerbrenner – auch in Filmform. Bereits sechs Mal wurde allein Emma verfilmt. 2020 gesellt sich eine weitere Adaption für die große Leinwand hinzu – und setzt tonal vor allem auf Humor und ein dickes Augenzwinkern.

Sei es das farbintensive, perfektionistisch durchkomponierte Szenenbild des Films, die prägnanten Kostüme und Sets oder die Tatsache, dass in Emma.‘s Welt keine Armut und keine realen Probleme existieren: Emma. wirkt (nicht unabsichtlich) wie ein naives kleines Märchen voller von Hybris gespeister Adelsleute mit Luxusproblemen – und entzieht sich so jeder Realität. Die Geschichte Austens ist auch in dieser 2020-Version weder progressiv noch unerwartet. Für jede Figur in der Welt gibt es den perfekten Partner, Heirat und Familie sind sowohl für Männlein als auch Weiblein A und O und die Partnersuche das einzig merkliche Problem einer Welt in den Wolken der Ignoranz.

Altbacken ist Emma. deshalb aber ebenfalls nicht. Anstatt inhaltlich etwas an Austens Geschichte zu ändern und die narzisstische Protagonistin eventuell in einen realistischeren Abgrund zu schicken, modernisiert Fotografin und Neu-Regisseurin Autumn de Wilde die Geschichte lieber mit einem enormen Augenzwinkern und transformiert die in Zügen bereits humoristische Vorlage zur waschechten, überstilisierten Satire. Da wird auf jede Form der Subtilität gepfiffen. Emma. kommt gerade inszenatorisch so abgehoben und selbstdarstellerisch daher wie die eigene Hauptfigur – und ist somit tonal absolut konsequent.

Das setzt sich auch darstellerisch fort: Anya Taylor-Joy (Glass) verpasst ihrer Emma ein solch unsympathisches und egozentrisches Auftreten, das man ihr als Zuschauer bereits nach ein paar Szenen jede Menschlichkeit absprechen möchte. Mit einem geradezu penetrant offengelegten Mienenspiel wirkt Taylor-Joy schon fast als wäre sie Teil eines Spoof-Movies. Das macht auch bei den anderen Darstellern nicht halt. Vor allem Mia Goth (Suspiria) und Josh O’Connor (The Crown) geben sich einem kindlich angehauchten Over-Acting hin. Das darf immer wieder zu komischen Momenten führen, überspannt ab und zu aber auch das Nervenkostüm des Zuschauers.

All diese demonstrativ plakativen Darstellungsformen sind nämlich zurecht kritisierbar – und dennoch Hauptargument für De Wildes Neuverfilmung. Gerade aufgrund der eigenwilligen Präsentation entwirft Emma. eine immersive Welt – sowohl inszenatorisch als auch darstellerisch – die nach ersten Anlaufschwierigkeiten einen ganz eigenen, wirksamen Sog entwickelt. Als Zuschauerin oder Zuschauer sollte man dem gemeinen Kostümfilm zwar zugewandt sein, aber auch weniger genreaffine Zuschauer könnten an Emma. ihre Freunde finden.

Abseits des satirischen Tons schafft es Emma. nämlich auch als Romanze zu funktionieren. Wie spürbar der Film die unterschwelligen Emotionen der Figuren auf den Zuschauer überträgt und wie gelungen der Film die Figuren gerade im zweiten Akt aus ihren kalte Hüllen ausbrechen und sie in einer sowohl oberflächlich wie unterschwellig unheimlich mitreißenden Tanzsequenz aufeinandertreffen lässt – so sehr geht die Mischung aus lauter Satire und sensorischer Dramatik zum Schluss tatsächlich auf. Ein eigenwilliges Projekt, das gerade aufgrund dieser Eigenwilligkeit ein wenig problematisch, im Großen und Ganzen aber sehr sehenswert ist.

Fazit

Regisseurin Autumn de Wilde verpasst "Emma.“ keine inhaltlichen Neuausrichtungen, sondern verwandelt Jane Austens Vorlage in eine plakative Satire, die vor allem inszenatorisch und darstellerisch auf leise Momente pfeift und dennoch einen beeindruckend guten Drahtseilakt zwischen Einfältigkeit und emotionaler Dramatik vollbringt. Unter all der schönen, aber kalten Oberfläche brodelt eben doch pures, emotionales Verlangen, das sowohl Figuren als auch Film spürbar durchzieht. Und das ist, kurz gesagt, einfach ganz schön sexy.

Autor: Thomas Söcker

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