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Zwischen Arbeit, Schwimmen und anonymem Sex lebt Sandro ein recht eintöniges Leben in der Hitze und Trockenheit Goiás in Brasilien. Als Maicon, wie einem Tom-of-Finland-Comic entsprungen, in der Kleinstadt auftaucht, nimmt sein Leben eine Wendung.

Kritik

Die Eröffnung steht bereits repräsentativ für die restlichen Filmminuten von Daniel NolascosDry Wind: Während der Protagonist Sandro (Leandro Faria Lelo) beim Schwimmen ist, zeigt die Kamera in Großaufnahme den Schrittbereich der männlichen Beckenbesucher. Es ist die, mit weitem Abstand, dezenteste Darstellung von Sexualität im Film, der ansonsten Sex in stark expliziter Form zeigt, aber dennoch nimmt diese Eröffnung bereits einen der wichtigsten Aspekte in Sandros Selbstwahrnehmung vorweg. Das Verlangen scheint bei ihm omnipräsent zu sein. Egal ob beim Duschen, bei der Arbeit im Agrarwerk oder auch nur beim passieren der Straße. Ständig ist Sandro von Männerkörpern angezogen und verliert sich in Fetischfantasien, obwohl er mit seinem Kollegen Ricardo (Allan Jancito Santana) sich eigentlich relativ zum Sex im Wald trifft. Nolasco gelingt mit Dry Wind eine, vor Erotik nahezu berstende, Charakterstudie im hitzigen Brasilien. 

Ständig wird im Film die Wettervorhersage eingeblendet, in welcher die Wahrscheinlichkeit auf Regen immer stets bei 0% liegt. Dem permanent erhitzten Klima des Filmes wird jede kalte Dusche verwehrt. Andauernd brodelt die Luft und körperliches Verlangen wird nie völlig entladen. Nolasco verdeutlicht diese sexuelle Energie durch die streng gesättigten Farben und durch die scheinenden Neon Lichter in der Nacht. Die zahlreichen Sexszenen inszeniert er schonungslos, mit kompromissloser Nähe und ohne jede Explikation auszulassen. Dennoch sind diese Szenen nie reiner Selbstzweck, sondern fügen sich sehr gut in die Zeichnung von Sandros Charakter ein. Irgendetwas liegt immer in der Luft und verdeutlicht sich schließlich in pornografischen, surrealen Traumsequenzen. Da Nolasco Sexualität mit der höchsten Form von Intensität zeigt und teilweise schon fast ins pornografische driftet, wird die Anspannung Sandros glaubhaft, für den es, trotz des vielen Sex, nur wenig Zärtlichkeit gibt. 

Einen zärtlichen Moment gibt es dann schließlich, als das Objekt seiner Begierde, der Motorradfahrer Maicon (Rafael Theophilo), sich bei einer Achterbahnfahrt neben ihn setzt und seine Hand hält. Die Beziehung zu dem mysteriösen Maicon ist ein entscheidender Aspekt des Filmes. In ihm kulminiert nicht nur sein Verlangen, sondern auch die Wahrnehmung seiner eigenen Männlichkeit. Sandro, dessen Körper eher weniger den Schönheitsnormen entspricht, setzt sich in einer Szene auf das Motorrad von Maicon und fühlt sich in einem Moment der Lust scheinbar als eins mit seinem Schwarm. Auch hier gelingt Nolasco die Brücke zwischen Sexualität und Identität. Je länger der Film andauert, desto mehr kommen dem Film leider simple charakterliche Motivationen abhanden. Der Schlusspunkt des Filmes, eine reine Selbstakzeptanz, ist zwar bis zu einem gewissen Grad glaubhaft, aber dennoch schwer nachzuvollziehen.

Fazit

„Dry Wind“ ist ein gewöhnungsbedürftiger und teilweise sehr expliziter Film über Verlangen und Identität, der in seiner Kompromisslosigkeit aber dennoch schwer auszublenden ist.

Autor: Jakob Jurisch

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