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Alle Jahre wieder wird eine kleine mexikanische Provinzgemeinde von der durchreisenden Räuberbande des Banditen Calvera zur Kasse gebeten. Darauf beschließen die Dorfoberen, das Geld lieber in eine Hilfstruppe von Revolverhelden zu investieren, um Calvera für immer vom Hals zu haben. Das Unterfangen erweist sich zunächst als Fehlschlag, da die Reserven der Bauern ebenso begrenzt sind wie der Idealismus ihrer Helfer. Als dann aber einige Gringos doch noch ihr Herz für die Landbevölkerung entdecken und die Söldnermentalität über Bord werfen, geht es den Banditen an den Kragen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es hätte der künstlerische Genickbruch John Sturges' werden können, denn für eine Adaption asiatischer Werte in ein westliches Territorium, war das amerikanische Publikum seiner Zeit nur wenig zuneigt, was sich auch harsch am müden Erfolg der anfänglichen Kinoauswertung von „Die glorreichen Sieben“ in den Staaten abzeichnen sollte. Und ausgerechnet Akira Kurosawas als filmisches Monument gefeierter Klassiker „Die sieben Samurai“ sollte neu interpretierter Pate für Sturges' Western stehen: Größenwahn oder doch ein verständlicher Schritt, der zwei Kulturen in ihrer Thematik aneinanderreiht und durch die differenten Sehgewohnheiten ihrer Nationen – logischerweise – formal wieder trennt? In jedem Fall ist „Die glorreichen Sieben“ nicht im Ansatz das Desaster geworden, welches man bei einem solchen Projekt in der heutigen Tagen erwarten würde. Ganz im Gegenteil: Obgleich die meditative Tiefe von Kurosawas Epos nicht erreicht wird, ging auch Sturges hiermit vollkommen zu Recht in die Annalen der Filmhistorik ein – Und durfte sich, ein Ritterschlag wäre nicht minder ehrenhaft, dazu sogar noch das Lob des visionären Japaners genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

Die große Kunst von „Die glorreichen Sieben“ liegt in seiner Metaphorik. Wir bekommen es mit drei Gattungen zu tun, die sich alle strikt voneinander getrennt in klare Bereiche klassifizieren lassen: Die Outlaws, die Zivilisation und die mexikanischen Bauern; das bedeutet Ungebundenheit, Anpassung an gesellschaftliche Normen und der letzte Bezug zur Naturverbundenheit. Während sich die Outlaws, zu denen nicht nur die Cowboys gehörigen, die schließlich zu den ikonischen glorreichen Sieben werden, sondern auch die Banditen unter Calvera, die sich von ihrem zivilisierten Leben – aus ganz eigenen Motivationen heraus - trennen möchten. Die Stadt selber ist mit diesem Rückzug gewiss nicht unzufrieden und für den Outlaws zu gern aus eigenen Stücken die Tür vor der Nase versperren, denn alles, was sich nicht mit den Konventionen ihrer Zeit arrangieren kann, stellt eine Gefahr für die Moral und die Tüchtigkeit Bürger dar. Es lassen sich also sowohl beide Seiten der Outlaws, als auch die mexikanischen Bauern darin vergleichen, dass sie sich der Zivilisation entzogen haben und eine Existenz nach eigenen Regeln führen. So möchte man jedenfalls meinen. Im Laufe der Zeit kristallisiert sich jedoch heraus, dass sich alle Parteien hier gegenseitig ausnutzen und instrumentalisieren.

Im Endeffekt sind es die glorreichen Sieben, die einen Idealismus an den Tag legen, der nicht nur für sich allein spricht, aber auch ganz klar höheren individuellen Zielen nachjagt. Ausschlaggebend um sich in dieser Konstellation bewähren zu können, ist es, dass alle Beteiligten der Sieben keine Heldenfiguren sind. Dass sie zwar kämpfen, aber dann doch größtenteils mit leeren Händen zurückbleiben und erkennen, dass, trotz ihres Muts, ihrer resistenten Hartnäckigkeit, jedes Gefecht ihre Opfer einfordern wird – Manche bleiben stehen, andere fallen in den Staub. Wer nun wirklich besser dran ist, steht noch in den Sternen, doch die Freiheit der eh schon desillusionierten Outlaws und ihre Wünsche, ein besseres Leben führen zu dürfen, zeigen sich als Trugschluss und unerreichbar. „Die glorreichen Sieben“ begräbt das Klischee es Heldenmythos nicht, er schlägt die lockere Erde oberhalb der Gräber allenfalls nachträglich fest. Die Guten und die Bösen gibt es hier irgendwann nicht mehr und auch wenn das Sprichwort reichlich abgedroschen an dieser Stelle erscheint, ist es doch umso treffender: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. Und dieser Dritte ist das mexikanische Dorf, dass die Hilfe der Outlaws angenommen hat, damit diese sich gegen die Banditen wehrt, die ihnen eigentlich gar nicht so fremd sind.

„Die glorreichen Sieben“ ist ein nachdrücklicher Abgesang auf längst gescheiterte Helden in einer von Gewalt prägten Gesellschaft und entrückt das Motiv der standhaften, vorbildlichen Einzelkämpfer, die sich ein letztes Mal zusammenraufen, um im Kollektiv für eine Sache einzustehen, die ihrem müden Dasein wieder einen Sinn zusprechen könnte. Dem ist nicht so. Fakt ist, dass die Sieben am Ende nicht einmal mehr sieben sind, sondern noch ärmer dastehen, als sie es sich von Anfang an erträumt haben. Bis auf den aufbrausenden, unerfahrenen Jüngling Chico (Horst Buchholz), der sich zwischendurch auf die Suche nach seinem rechten Platz innerhalb der Formation begibt und schließlich seinen Wurzeln nachgibt. Und wenn wir jetzt schon einen Charakter spezifizieren, dann soll der gesamte Cast von „Die glorreichen Sieben“ nicht unerwähnt bleiben. Während also der noch unverbrauchte Horst Buchholz, der bereits in der Filmwelt etablierte Yul Brynner und der hierdurch zum Superstar avancierte Steve McQueen den markanten Spielraum für sich ergattern, bleiben Gesichter wie Charles Bronson, James Coburn, Robert Vaughn und Brad Dexter leider etwas auf der Strecke: Ein altbekanntes Problem dieser Ensemblefilme, welches den Gesamteindruck aber nur minimal abschwächt. Der brillante Score von Elmer Bernstein hätte sowieso jedes Defizit ein stückweit gepuffert.

Fazit

Sicherlich leidet auch „Die glorreichen Sieben“ an der altbekannten Krankheit, die (so gut wie) jeden Ensemblefilm heimsucht: Er schafft es einfach nicht, jedem Charakter die ihm rechtmäßige Screentime zur Verfügung zu stellen und kommt hinsichtlich dieses Aspekts etwas ins Wanken. Nichtsdestotrotz ist „Die glorreichen Sieben“ aber vollkommen zu Recht einer großen Klassiker des amerikanischen Western, der sich nicht darauf ausruht, Heldenfiguren vom Reißbrett zu etablieren, sondern ambivalente Charaktere formt, die in ein Genre-Gewand fließen, welches sich nicht mehr als Abgesang beschreiben lassen kann – es schlägt vielmehr die lockere Erde oberhalb des Gräber eindrücklich fest.

Autor: Pascal Reis

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