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MB-Kritik

Die Gäste 2026

Drama, History – Germany

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Greta Fernández
Jan Bülow
Mercedes Castro
Darío Loureiro
Santi Prego
Filipe Abalde

Inhalt

Westdeutschland, 1973. Iria und Hajo sind verliebt. Als Irias Mutter im Autowerk, in dem sie arbeitet, einen schweren Unfall erleidet, beschließt Iria, sie in das kleine Dorf in den galicischen Bergen zurückzubringen, das beide vor vielen Jahren verlassen haben. Hajo, der seine Solidarität unter Beweis stellen möchte, bietet an, den Wagen zu fahren. Doch der Roadtrip, der als Akt der Hoffnung beginnt, offenbart bald die Risse in der Beziehung des jungen Paares.

Kritik

Der systemkritische Subtext Cristina Diz (Sleepless Knights) und Stefan Butzmühlens (Lichtes Meer) ambitionierten Zweitwerks manifestiert sich bereits in dessen Titel. Darin äußert sich auf mehreren Ebenen die fehlende Zugehörigkeit der jungen Protagonistin, die im Herkunftsland ihrer Eltern ebenso fremd ist wie in der BRD des Handlungsjahres 1973. Als spanische Gastarbeiterin spürt Iria (Greta Fernández, Cuckoo) die doppelte Distanz seitens ihrer neuen und der alten Heimat besonders schmerzlich, als ihre Mutter einen schweren Unfall erleidet. Der Weg zurück ins  galizische Dorf ihrer Mutter wird zur mystischen Selbstfindung. 


Jene verbindet sich nur bruchstückhaft mit den Ausgangspunkten verankert in Sozialrealismus und westdeutscher Zeitgeschichte. Je weiter sich Iria und ihr deutscher Freund Hajo (Jan Bülow, Danke für nichts) aus dem gewohnten Umfeld im urbanen Köln entfernen, desto mehr geraten sie in den Bann traditionalistischer Strukturen und archaischer Bräuche. Zwischen Leben und Tod wird die beunruhigende Präsenz Irias Mutter Maura (Mercedes Castro, Goyas Geister) zur psychosozialen Personifikation des existenziellen Schwebezustands Arbeitsmigranten. Ohne soziales Sicherheitsnetz büßen sie mit ihrer Leistungsfähigkeit auch ihre Daseinsberechtigung ein - in jeder Hinsicht.


Eine vergleichbare Dynamik scheinheiliger Solidarität verkörpert Hajo. Als linker Student definiert er sich selbst als politisch progressive und über Klassenhierarchien erhaben, doch sobald Irias Pläne von seinen abweichen, bröckelt seine Unterstützung. Sein Paternalismus enthüllt die patriarchalischen Sedimente einer Ära gesellschaftspolitischer Umbrüche. Deren Marker säumen die parabolische Tour, deren Schlussakt unvermittelt ins Übersinnlichedriftet. Okkulte Mächte ergreifen Iria, der ihre Heimat verborgene Kraft zurückzugeben scheint. Der abrupte Wandel zur Mystery-Fabel konterkariert den sozialrealistischen Anspruch des unausgegorenen Szenarios, das ähnlich seiner Hauptfigur nirgendwo ganz hingehört. 

Fazit

Rui Poças’ unruhiger Kamerablick vollzieht den Übergang von sprödem Naturalismus zur suggestiven Düsterkeit eines Schauermärchens eleganter als die holprige Handlung. Jene changiert unentschlossen zwischen Sozialstudie, Beziehungsdrama und Spukgeschichte. Obwohl für sich gesehen interessant, fügen sich die atmosphärisch und dramaturgisch gegensätzlichen Ansätze nie zu einem schlüssigen Gesamtwerk. Scheinbar unwillkürlich übertragen sich die motivischen Gegenpole auf die Inszenierung, deren dramaturgische Dissonanzen auch die engagierten darstellerischen Leistungen nur bedingt ausgleichen. Das kantige Konstrukt aus migrantischer Perspektive, Zeitkolorit und feministischer Folklore ist dennoch reizvoller als eine glattgebügelte Mainstream-Produktion. 

Autor: Lida Bach