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Rom im ersten Jahrhundert am Ende der Regierungszeit des Kaisers Galba: Um dessen Nachfolge entbrennen erbitterte Machtkämpfe und es zeigt sich, dass Politik nur von wenigen gemacht wird und viele beherrscht.

Voller deutscher Titel: Die Augen wollen sich nicht zu jeder Zeit schließen oder Vielleicht eines Tages wird Rom sich erlauben seinerseits zu wählen

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Bereits nach wenigen Minuten gibt sich die Theaterverfilmung Die Augen wollen sich nicht schließen oder vielleicht wird Rom sich erlauben seinerseits zu wählen (oder einfach Othon) des berühmten Filmemacherpaares Jean-Marie Straub und Danièle Huillet (Nicht versöhnt oder Es hilft nur Gewalt wo Gewalt herrscht) als sehr eigenwillig zu erkennen. Zwar adaptierten beide die Vorlage nach Pierre Corneille inhaltlich und dialogisch sehr detailgetreu, doch die, in römische Kleider gehüllten, Schauspieler stehen den gesamten Film über vor dem Hintergrund der Straßen von Rom der 1960er, direkt vor den tatsächlichen Ruinen des antiken Palastes. Das hat einen ziemlich befremdlichen Effekt, welcher die völlige Immersion in die vergangene Zeitebene verweigert und das Publikum permanent mit der Fiktionalität der Handlung konfrontiert. 

Diese, von Bertolt Brecht inspirierte, Inszenierung ist jedoch nicht das einzig, potenziell abstoßende Element des Filmes: Die Dialoge fordern uneingeschränkte Aufmerksamkeit da sie in einem rasanten Tempo von den unbeholfenen Laiendarstellern runtergerattert werden, zumal der Plot rund um die politische Intrigen des alten Roms als alles andere als zugänglich gestaltet. Man könnte fast sagen, es sei ein Film der nicht genossen oder verstanden werden will und alles andere als filmisch ist. Aber es ist zu einfach eine so alternative Art von Kino, wie Othon es darstellt, als intellektuellen Kauderwelsch abzutun. Regisseurin Marguerite Duras kommentierte die Inszenierung des Filmes einmal damit das sie es den ZuschauerInnen unmöglich mache sich direkt zu dem Geschehen direkt in Beziehung zu setzten. In der Tat ist es ein Modus permanenter Distanz, welche der Film erzeugt. Straub und Huillets Mischung aus Moderne und Antike, die jegliche historische Konnotationen verschwinden lässt, sorgt dafür das die politischen Intrigen rund um die Machtergreifung von Othon (Adriano Aprà, Moses und Aron) nicht mehr als Teil der Vergangenheit, sondern als zeitlos betrachtet werden können. 

Die Brücke zwischen den Zeitebenen machen Othon zu einer einzigen Metapher, welche darauf hindeutet, dass sich die Zeiten des antiken Roms nie geändert haben und dass die Politik in der Gegenwart genauso durchtrieben und willkürlich agiert wie damals. Die Struktur von Manipulationen, welche von allen agierenden Figuren begangen wird, manifestiert sich jedoch auf einer abstrakten Ebene, da die meiste Zeit über Personen gesprochen wird, die noch gar nicht aufgetreten sind und die Schauspieler so emotionslos wie möglich interagieren. Auch hier brechen Straub und Huillet ihren Diskurs auf die pure Materialität herunter: Der Austausch von Informationen wird zum Öl des Machtgetriebes und Intrigen zu dessen Brennfeuer. Da die Theaterinszenierung nie durchbrochen wird liegt es am Publikum die Lücken zwischen den Informationen, Personen und Bedeutungsebenen zu schließen. Das ist frustrierend und teilweise bewusst abstoßend, dennoch aber birgt Othon  in seinem Konzept genug Faszinationspotenzial.

Fazit

„Othon“ ist ein filmisches Unikat: Emotional völlig undurchdringbar, inhaltlich überfordernd aber intellektuell stimulierend, ist der erste Farbfilm von Straub und Huillet ein formreifer Diskursfilm mit interaktiver Note. Nicht leicht zu empfehlen aber für ein filmisches Wagnis gut genug.

Autor: Jakob Jurisch

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