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Inhalt

Statt seinen hundertsten Geburtstag im Altenheim zu feiern, steigt der einstige Lebemann Allan Karlsson (Robert Gustafsson) einfach aus dem Fenster und beginnt seine letzte große Reise durch die Weltgeschichte. Die beginnt an einem nahe gelegenen Bahnsteig, wo ihm ein junger Rocker einen Koffer zur Aufsicht abstellt. "Lass den Koffer nicht los.", fährt ihn der junge Glatzkopf an, und als Allans Bus in Begriff ist abzufahren, nimmt er das Gepäckstück eben mit. Was er nicht ahnt: Der Koffer ist mit Geldscheinen gefüllt und bringt so eine Rockerbande sowie deren Auftraggeber (Alan Ford) auf den Plan...

Kritik

Wenn ein Greis einen Rollkoffer hinter sich herzieht und seelenruhig durch die Walachei schlurft, hat das durchaus etwas Groteskes an sich, aber wie sagt Vorlagengeber Jonas Jonasson in seinem Roman so übergreifend?

"Es kommt, wie es kommt."

Somit darf man als Leser und nun auch Zuseher der Richtung annehmen, die für die Geschichte folgte. Man steige einfach mal zum Fenster hinaus und schaue, wohin es einen bringt, da ist auch der erste dreistellige Geburtstag kein Bremsklotz mehr. Nach dieser Maxime lebte Allan Karlsson schon immer, auch wenn er genauer gesagt nach keiner besonderen Maxime lebt. Der selbsternannte Sprengmeister nimmt die Situation an, wie sie passiert, schert sich nicht um die Konsequenzen, weder im Voraus, noch danach. Also entscheidet er sich dafür, dem Mief des Altersheimes zu entkommen. Dass er in seiner altersbedingten Tattrigkeit für ein letztes fast Roadmovie-ähnliches Abenteuer sorgt, entfaltet sich in der Geschichte entsprechend jungfräulich.

Wer also nach unbedingter Logik aus ist, wird hier ein wenig dumm stehen gelassen - so ist das eben, wenn man das Leben so nimmt, wie es ist. Allan fällt quasi von einer Situation in die nächste, sammelt sich nebenher einige Begleiter ein und trottet weiter scheinbar nichtsahnend durch das schwedische Hinterland. Damit will die Erzählung nicht den Grad an Demenz beschreiben, sondern springt regelmäßig in Allans Vergangenheit, die im Grunde auch nichts anderes zu erzählen hat, aber sehr wohl die Struktur der Hauptfigur skizziert. Die Treppe emporgefallen sorgt er mit seinen Sprengkünsten für geschichtliche Jahrhundertereignisse, etwa vom Bau der Atombombe oder verdingt sich als Doppelagent im Dienste beider Lager jenseits des Eisernen Vorhangs. Wenn sein Lebensweg da schließlich völlig absurde Pfade erschließt, dürfte auch der letzte kapiert haben, dass man die Story höchstens in seiner Aussagekraft ernst nehmen könnte.

Ernst zu nehmen ist in diesem Film sowie der Romanvorlage eh nichts. Der zugegebenermaßen etwas holzhammermäßige Humor ist vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, aber schön trocken und schwarz wie ein starker Kaffee nach drei Wochen Sonneneinstrahlung, bis nur noch der Satz übrigbleibt. Da muss man lediglich den kleinen Racheakt an einem dickbäuchigen Geschäftsmann während der Pinkelpause zu Gemüte führen, um zu wissen, was das bedeuten könnte. Das hat ein wenig von Roadmovieplattitüden, lakonischem Wortwitz und absurdem Situationshumor, der mehr oder weniger gelungen ist, dem aber im Gegensatz zu aktuellen US-Releases nicht wirklich die Puste ausgeht. Da dürfte sich auch der Leserfreund ersichtlich zeigen, dass nicht wenige Passagen aus dem Buch deckungsgleich übernommen wurden, was in Bildform sogar etwas besser funktionieren mag. Es flutschen sogar die Drehbuchänderungen ein bisschen geschmeidiger für den Erzählfluss, so haben Straffung sowie Änderung tatsächlich etwas Gutes bewirkt.

Da muss man fast schon ein wenig traurig um die etwas lieblose Inszenierung sein. Nach etlichen gutklassigen Vertretern von den skandinavischen Inseln könnte man glatt ein richtig gut cineastisch eingefangenes Werk erwarten, aber den Gefallen tut das Filmteam dem Zuschauer hier nicht. Der Gesamteindruck dümpelt ein bisschen im Serien- und TV-Format dahin, was - wohlwollend ausgedrückt - im Nachhinein der Geschichte mehr Relevanz einräumt. Das gibt den Darstellern etwas mehr Freiraum zur Entfaltung, dessen Möglichkeiten leider nicht alle ausnutzen wollten. Zwar sind Komiker Robert Gustafsson, Iwar Iklander oder auch Alan Ford (bekannt als gelbzähniger Gangsterschmierling "Bricktop" aus "Snatch") über jeden Zweifel erhaben, doch in den Nebenrollen sind doch leider ein paar kleine Ausfälle auszumachen.

Fazit

Wer sich gerne treiben lässt und die historisch motivierten Geschichtchen nicht ganz so bierernst aufgearbeitet sehen möchte, wird mit dem "Hundertjährigen..." seine helle Freude haben. Staubtrocken und ganz und gar unsubtil nimmt der Jahrhundertler die Dinge immer noch so hin, wie sie sind und mutiert so zum toll gestalteten Gegenentwurf für jeden Pländeschmieder dieser Welt. Da nimmt man gar die inszenatorischen Macken oder schauspielerischen Qualitätsschwankungen in Kauf, denn dieser alte Greis macht den Jungen noch gewaltig was in Sachen Lebensqualität vor.

Autor: Sascha Wuttke

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