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Der Film folgt der jungen Jüdin Anne Frank in ihren letzten Jahren. Sie und ihre Familie müssen vor den Nazis fliehen und verstecken sich in den Niederlanden in einem Hinterhaus. In der Zeit schreibt Anne Frank in ihr Tagebuch - ein Dokument, das heute als das Standardwerk für die Beschäftigung mit der Judenverfolgung im Dritten Reich gilt.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Eigentlich erübrigt sich eine Einleitung zu diesem Film. Die weltberühmten Tagebücher der Anne Frank gehören wohl weltweit zum Grundrepertoir für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte, für das Auseinandersetzen mit der Judenverfolgung, dem Holocaust und nicht zuletzt mit einer Kindheit, die zur Zeit des Nationalsozialismus stattfand, ohne jedoch ein Teil dessen zu werden. Die Werke bieten einen einzigartigen Blick auf eine Welt und Gesellschaft, die die deutsche Bevölkerung dazu zwingt, sich an sie zu erinnern - und gleichzeitig nach vorn zu blicken. Wahrscheinlich hat die absolute Mehrheit der Deutschen bereits einmal Kontakt zu den Tagebüchern aufgenommen, ob in der Schule oder anderswo. Und mag doch die Rückbesinnung auf Werte, die man in einer modernen Gesellschaft wie der heutigen eigentlich als „gegeben“ betrachtet, besonders heutzutage sinnvoll erscheinen. Natürlich im Hinblick auf die rechtsgerichteten Ausbrüche, die die Gesellschaft nerven.

Es heißt, man müsse die Welt hin und wieder „durch die Augen eines Kindes“ sehen, um sich aus bestimmten Situationen herauszuhelfen. Durch die Augen eines Kindes ist nämlich vieles leichter, unkomplizierter, weil weniger beeinflusst von den Geschehnissen um die Welt herum. Man könnte auch sagen; weniger zynisch. Zynismus ist ein Phänomen, das man in der Pubertät kennenlernt und als eine Art Selbstschutz anwendet, als Schutz vor der Welt. Dabei darf man dieses Vorgehen auch als Schwäche des Menschen ansehen, Zynismus kann schließlich jeder, Optimismus hingegen nicht. Diesen Gedanken sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man die Aufzeichnungen, die Anne Frank in ihrem Tagebuch „Kitty“ festgehalten hat, liest. Denn eines der ersten Dinge, das einem auffallen wird, ist die Tatsache, wie überraschend reif und erwachsen, gewitzt und charakterstark Anne Frank schreiben konnte. Sie war dreizehn Jahre alt, als sie zu schreiben begann.

Wie das Presseheft zum Film bemerkt, handelt es sich bei „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Hans Steinbichler um die erste deutsche Adaption des historischen Dokumentes. Um Sinn oder Unsinn einer erneuten Adaption soll es gar nicht gehen, das wäre eine müßige Diskussion, die nie Mehrwert mit sich bringt - schließlich ist der Film unumkehrbar produziert worden. Also muss man mit dem arbeiten, was man hat. Zunächst zum offensichtlichen: Die junge Lea van Ancken, die bereits in Dietrich Brüggemanns „Kreuzweg“ überzeugen konnte, ist eine ziemlich gute Wahl für die Protagonistin. Die pure Lebensfreude, der kindliche Optimismus, der strahlende Witz, was man aus den Büchern herauslesen kann, wird von van Ancken gut verkörpert. Die Gegenpole aus dem menschlichen Sonnenschein und dem todtraurigen weil „ungeliebten“ Kind meistert die junge Schauspielerin mit Bravour - die Facetten dazwischen hingegen scheinen eher unwichtig gewesen zu sein.

Ja, die Schauspieler um Ulrich Noethen, Martina Gedeck und Lea van Ancken überzeugen allesamt mit geerdeten Leistungen, die die Qualität des Drehbuches zum Teil deutlich überschreiten. In dem Skript von Fred Breinersdorfer und der Inszenierung von Hans Steinbichler lassen sich einige Baustellen erkennen, die mal klein, mal aber so eklatant sind, dass sie dem Film schaden. Angefangen bei einer Nichtigkeit, die wohl von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich wahrgenommen wird. So wurde nämlich versucht, die Dialoge mit Anne Frank an ihrer Sprache aus den Tagebüchern anzupassen - mit Erfolg. Ja, Anne spricht hier so wie sie damals schrieb und das stört. Denn Menschen, die so sprechen wie sie schreiben, kann man irgendwann nicht mehr zuhören. Dafür sind die Eigenheiten zwischen verbaler und schriftlicher Sprache einfach zu verschieden. Aber das soll nicht zu sehr ins Gewicht fallen, da durchaus möglich ist, dass die Allgemeinheit dies nicht als störend empfindet.

Was jedoch sehr ins Gewicht fällt, ist die Art und Weise, wie der Film mit dem Dokument der Tagebücher umgeht. Wie in der Einleitung erwähnt, handelt es sich bei der Schrift um ein äußerst wichtiges, wenn nicht gar um das Schreiben schlechthin, das sich dieser unvergesslichen Zeit auf ebenso unvergessliche Art nähert. Anne Franks Niederschreibungen sind fest im heutigen Weltgedächtnis verankert und werden es für immer bleiben, die Signifikanz der Schriften sind schlicht nicht zu überschauen. Da ist es schlicht unverständlich, dass der Film sich um eben diese Wirkung des Werkes, auf dem er beruht, gar nicht kümmert. Die Vorlage wird weitestgehend trivialisiert. Das Interesse an der Wichtigkeit des Werkes geht gegen Null, ebenso wird nie deutlich, was für eine immense Bedeutung das Schreiben für Anne Frank selbst hatte.

Stattdessen ist der Film eher daran interessiert, auf plakativste Art Mitgefühl zu schinden. Dass dem Zuschauer die Figurenkonstellationen bereits vor dem Sehen des Films glasklar sind, scheint keiner der Beteiligten zu wissen. Deshalb muss man Zeuge von Momenten werden, in denen Hitlerjungen sie grundlos als „Judenschlampe“ bezeichnen. Diese Szenen der widerlichen Entmenschlichung sind das eine Extrem, das andere hingegen tritt viel häufiger auf; Einstellungen, in denen Anne mit großen verweinten Kulleraugen direkt in die Kamera guckt. Was will der Film einem da beweisen? Dass die Nazis doof und Anne Frank ein unschuldiges junges Mädchen war? Sonstigen Mehrwert haben diese Szenen nicht.

Durch diese krassen Verfehlungen wird ein Gefühl, dass der Film zuvor in einem anderen Kontext aufbaut, schnell auf den Film selbst weitergeleitet. Was „Das Tagebuch der Anne Frank“ nämlich (vor allem dank Lea van Ancken) bravourös gelingt, ist es, den Zuschauer eines fühlen und denken zu lassen: Was für eine Vergeudung von genialem Leben die Nazis in Kauf genommen haben. Dem Film gelingt in dieser Hinsicht der Effekt, den auch die Tagebücher selbst haben. Man möchte Anne Frank kennenlernen, man wünscht sich, dass sie nicht mit fünfzehn gestorben, sondern entkommen ist. Man möchte wissen, wo ihre Reise hingegangen wäre. Leider verspielt der Film diese Emotionalität schnell durch erwähnte Unzulänglichkeiten, sodass dieser Vorwurf der vergeudeten Brillanz auch an den Film selbst zu richten ist. Die Tagebücher sind eine derart wichtige und reiche Quelle von allerlei Information und Wissen, der Film verspielt es leichtfertig und erzählt eine eher wackelige Geschichte.

Fazit

Was das große Ziel von „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist, wird bis zum Ende nicht deutlich. Die Vorlage wird verschenkt, indem sie zwar laut Titel die Hauptzutat des Films sein soll, aber nur fahrlässig behandelt und vor allem anscheinend in ihrer Wirkung nicht richtig wahrgenommen wird. Das ist das größte Problem bei einem Film, der knapp durchschnittlich geschrieben und inszeniert wurde, bei allen Baustellen und der stets ermüdenden Brecheisen-Methodik jedoch gut aussieht und vor allem überzeugend gespielt ist. Was allerdings bleibt, ist der Geschmack verpasster Chancen und der Wunsch, die Schriften von Anne Frank noch einmal zu lesen.

Autor: Levin Günther

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