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Im "Millionenspiel" lässt Wolfgang Menge einen Privatsender eine Menschenjagd veranstalten. Ein Freiwilliger wird von drei Mördern eine Woche lang gejagt. Wer ihn erwischt, bekommt 120.000 Mark. Schafft er es nach sieben Tagen lebend im Studio vor die Kamera, wird er Millionär. Die Kameras sind rund um die Uhr dabei, und die Zuschauer ergötzen sich an dem makabren Schauspiel. Lange vor "Big Brother", "Dschungel Camp" und den Nachmittags-Talkshows zeigt Menge eindrucksvoll die Folgen der Quotengeilheit und die Scheinheiligkeit mancher Moderatoren.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Man ist dazu geneigt, „Das Millionenspiel“ als seliges Überbleibsel einer Zeit zu behandeln, in der der deutsche Fernsehfilm noch so etwas wie Mut besaß und sein eigenes Medium mittels scharfsichtiger Subversion zu torpedieren wusste. Den Rechtsstreit im Hintergrund jedoch darf man auch nicht außer Acht lassen, aus dem schlussendlich resultierte, dass „Das Millionenspiel“ für ganze 30 Jahre aus dem Fernsehen verschwinden musste. Alles nur, weil den ansässigen Produzenten bei der Sicherung der Filmrechte ein herber Fauxpas unterlaufen ist: Der WDR hatte die Erlaubnis zur Verfilmung von Robert Sheckleys Kurzgeschichte „Der Tod spielt mit“ erteilt bekommen, doch der Goldmann-Verlag, der die Rechte aussprach, hatte diese kurioserweise nicht. Inzwischen aber gehört all das Tohuwabohu der Vergangenheit an, „Das Millionenspiel“ ist seit 2002 bereits mehrfach ausgestrahlt worden und Zugriff auf eine angemessene DVD-Veröffentlichung hat man ebenfalls unlängst. Kommen wir also lieber wieder auf den Eingangssatz zu sprechen respektive ein ganz elementares Wort darin: Mut. Der fasst hier in gar visionärer Fasson Fuß.

Die ganze Republik hat es sich vor den Fernsehgeräten gemütlich gemacht, um dem neuen Samstagabendformat „Das Millionenspiel“ gebannt zu folgen. Was vom Titel her wie eine dieser unzähligen Unterhaltungssendungen klingt, in der sich Kandidaten unter lächerlichen Bedingungen den nächsten Sommerurlaub finanzieren können, wird in Tom Toelles TV-Film pervertiert und auf die Spitze getrieben. Im „Millionenspiel“ nämlich sind es keine Herausforderungen, die vor dem Studiopublikum abgeleistet werden (bis auf das schweißtreibend inszenierte Finale), hier müssen Menschen eine Woche lang um ihr Leben kämpfen, um den Gewinn, eine Million Mark, gen Himmel strecken zu können. Im Klartext bedeutet das: Man meldet sich freiwillig in dieser Show, um dann sieben Tage vor einer dreiköpfigen Gruppe quer durch das matt-graue Deutschland zu fliehen, die dir – ebenfalls für eine gute Entlohnung – die Lichter mit ihren Maschinengewehren ausknipsen wollen. In „Das Millionenspiel“ ist das nun der Leverkusener Bernhard Lotz (Jörg Pleva), der sich von der Kölner-Bande, das sind Köhler (Dieter Hallervorden), Witte (Josef Fröhlich) und Hensel (Theo Fink), jagen lässt – Und der Rest des Landes schaut ihnen mal gefesselt, mal angewidert, schlichtweg dabei zu.

Wer die Frage stellen möchte, ob die von „Das Millionenspiel“ geäußerte Medienkritik nun subtil sei, der sollte sich vielleicht im zweiten Schritt selbst die Frage stellen, wie weit das fiktive Szenario des Films von unserer reellen privatwirtschaftlich organisierten Unterhaltungsindustrie noch entfernt ist? Die Antwort darauf fällt zwangsläufig schockierend aus. Und das quotenorientierte Denken eines politischen Systems, das kaltschnäuzig dazu bereit ist, allein für den Profit über Menschenleben zu gehen, klopft in seiner ganzen Bestialität doch schon längst an unsere medialen Pforten. „Das Millionenspiel“ stellt an die sensationalistische Gier an den Pranger und erschafft ein bedrängendes Konstrukt, dem seiner Zeit unzählige Menschen auf dem Leim gegangen sind: Die damaligen Bewerbungsschreiben sorgen letztlich dafür, dass die Satire in „Das Millionenspiel“ zur Realsatire heranwächst und die ungemeine Effizienz der umfassenden Umsetzung noch einmal vor Augen führt. Herzstück der abartigen Samstagabendzeremonie ist Thilo Uhlenhorst (famos: Dieter Thomas Heck), der seinen Beruf, wie alle Beteiligten, bar jeder Moral ansiedelt und all das gestelzte Showmastertum als Klebstoff der Geschichte fungieren lässt.

Fazit

„Wat soll man machen, Fernsehen, nä?“, stellt ein Mann während einer der Zuschauerbefragung fest. Eine Aussage, die zeigt, in welch verrohrte Dimensionen die Welt herabsteigt, um nur noch stumpf zu konsumieren, anstatt hellsichtig zu hinterfragen. „Das Millionenspiel“ ist seiner Zeit offensichtlich weit voraus gewesen und hat inhaltlich nichts an seiner besorgniserregenden Aktualität eingebüßt – Ganz im Gegenteil. Hoch lebe der Voyeurismus.

Autor: Pascal Reis

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