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Das Feuerschiff unter dem Kommando von Captain Miller nimmt drei Schiffbrüchige auf, die sich als gesuchte Verbrecher herausstellen. Sie nehmen die Besatzung mehr oder weniger als Geiseln. Intern kommt es zu massiven Unstimmigkeiten, wie man der Situation begegnen soll.

Kritik

Das Feuerschiff beruht auf der deutschen Novelle von Siegfried Lenz, die 1960 veröffentlicht und bereits 1963 erstmals gleichnamig unter der Regie von Ladislao Vajda (Es geschah am hellichten Tag) nach einem Skript von Curt Siodmak (Ich folgte einem Zombie) filmisch adaptiert wurde. 1985 entstand diese US-Version, die jedoch einen sehr europäischen Anstrich beibehält. Regie führte der polnische Goldenen Bären-Gewinner Jerzy Skolimowski (Deep End), eine der Hauptrollen übernahm der in den USA bereits etablierte Österreicher Klaus Maria Brandauer (Mephisto) und gedreht wurde nicht etwa in Hollywood, sondern vor Sylt. Allerdings wird die Handlung dennoch über den großen Teich verlegt, genau genommen von der Nordsee vor die Küste von Virginia, Mitte der 50er Jahre.

Dort kommandiert Captain Miller (Brandauer) die vierköpfige Crew eines Feuerschiffes. Eine Art schwimmender, festverankerter Leuchtturm, das mit seinen Lichtsignalen herannahende Schiffe vor dem Riff und noch vereinzelt dort herumtreibenden Miene aus dem Zweiten Weltkrieg warnen soll. Eines Tages – ausgerechnet als Miller’s 17jähriger Sohn Alex (Michael Skolimowski, Sohn des Regisseurs unter dem Künstlernamen Michael Lyndon) mit an Bord ist – werden drei Männer von einem beschädigten Boot gerettet. Das grobe, einfach gestrickte Brüderpaar Gene (William Forsythe, Das Leben nach dem Tod in Denver) und Eddie (Arliss Howard, Full Metal Jacket), sowie ihr umgehend als Mentor und Befehlshaber ausgemachte, eloquente und seinen Intellekt ausgiebig in den Vordergrund stellende Mr. Caspary (Robert Duvall, Apocalypse Now). Das Trio entlarvt sich schnell als flüchtige Raubmörder, die wenig Wert auf eine Rückkehr zum Festland legen. Captain Miller versucht jede Form der Eskalation zu vermeiden und den Gangstern soweit ihren Willen zu ermöglichen, wie es nicht direkt seine Crew oder seine Aufgabe gefährdet. Während seine Männer, und auch sein Sohn, lieber die zahlenmäßige Überlegenheit ausnutzen würden und einen Gegenschlag präferieren.

Die literarische Vorlage von Siegfried Lenz gilt als ein Klassiker der deutschen Novelle. Als eine Parabel über Gewalt, Verantwortung und Widerstand und die damit einhergehenden Konflikte, die nicht immer eine klare, einheitlich als korrekt zu bezeichnende Vorgehensweise bestätigen. Im Groben behält diese Verfilmung jene essenzielle Diskussion natürlich bei, ebenso wie die auf beiden Seiten entscheidende Vater-Sohn-Beziehung, verwendet es aber nur sehr fahrig, oberflächlich und merkwürdig teilnahmslos. Es werden sogar ohne Not wichtige Details der Vorlage völlig sinnbefreit abgeändert, ohne dass dies irgendeinen Nutzen auch nur erkennen ließe. Außer das die Geschichte nicht mehr so funktioniert wie mal angedacht. Smart. Lieber wird am Ende versucht etwas mehr über schlichte Spannungsmomente das Publikum auf seine Seite zu ziehen, was selbst ohne das Ignorieren der eigentlich interessanten Punkte keine Wirkung zeigt. Dafür ist man als Zuschauer zu wenig interessiert an dem plump vorgeführten Treiben, ebenso wie der Film bemerkenswert wenig an einer schlüssigen, intensiven Vertiefung der eigentlichen Aussage seiner Geschichte. Es ist so grob umrissen und mit eindeutigen Metaphern zugenagelt, dass sich kaum dagegen währen lässt, aber wird dieses tatsächlich große Potenzial denn mal richtig angepackt? Die Antwort lautet im Großen und Ganzen leider ganz klar: Nein.  

Selbst die namenhafte Besetzung hat viel zu wenig zu bieten. Klaus Maria Brandauer wirkt bemüht, aber trotz einer theoretisch spannenden Rolle total unterfordert und dahingehend beinah gelangweilt. Bizarr, aber leider Tatsache. Das Gegenstück bietet der frisch gebackene Oscarpreisträger Robert Duvall, der sehr viel investiert, aber mehr wie eine überkandidelte Karikatur erscheint. Ein exzentrischer James Bond-Bösewicht mit intellektueller Meise und Comic-Schurke-Auftritt in einem als ernst veranlagten Gleichnis über Gewalt, Macht und Verantwortung. Mutig…aber völlig deplatziert.

Fazit

Die ursprüngliche Aussage der Novelle lässt auch diese verunglückte Adaption zwar noch erkennen, verkauft sie jedoch äußert ungelenk und nur häppchenweise vor die Füße geworfen. Dabei stimmen die Voraussetzungen auf dem Papier absolut, was dieses Scheitern nur noch verwunderlicher macht. Sehr bedauerlich und an der Grenze zur Veruntreuung.

Autor: Jacko Kunze

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