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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Nachdem sie jahrelang mit kleinen Bestechungsgeldern Geld gespart haben, bereiten sich die sechzigjährige Marina und ihr Mann Gosha aus Bulgarien auf ihre Traumreise nach St. Petersburg vor, um die Weißen Nächte zu erleben. Doch als Russland in die Ukraine einmarschiert und das Reisebüro mit all ihren Ersparnissen verschwindet, zerplatzt der Traum des Paares – und damit auch ihre Illusion, ihre moralischen Prinzipien und ihre Beziehung im Griff zu haben.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der Krieg wird ihre Flüge doch nicht betreffen, fragt die empfindsame Marina (Tanya Shahova, Triumph) in einer exemplarischen Szene Kristina Grozeva und Petar Valchanovs (Bashtata) satirischen Sittenbilds besorgt die Assistentin, der sie und Gatte Gosha (Ivan Savov) ihre Ersparnisse anvertraut haben. Die Tickets sind fest, verspricht die Agentur-Angestellte,  und wenn sie ganz sicher gehen wollen, können sie für einen Aufpreis über Belgrad fliegen. Während Menschen in der Ukraine fliehen müssen, packt das ältere Ehepaar die Koffer für eine Reise: nach Russland, um das titelgebende Naturschauspiel zu erleben. 

Dass die lange ersehnte Reise nicht beeinträchtigt, interessiert die paradigmatischen Protagonisten mehr als das Schicksal der ukrainischen Bevölkerung und der militärische Terror des Staates, den sie von seiner schönsten Seite sehen wollen. Dazu müssten sie nicht St. Petersburg fliegen. Russland-Romantik verkündet bereits ihr Heim voller spät-sowjetischer und russischer Deko sowie Marinas orthodoxe Überzeugung. Selbige meldet sich unvermittelt, dafür umso vehementer, als die herbe Realität sie einholt. Nachdem sie wie bestellt und nicht abgeholt an der Fernbus-Haltestelle stehen, dämmert ihnen, dass die Agentur ein Scam war. 

Der Titel verkündet unmissverständlich das moralische Defizit des Schaffners und der Krankenschwester, die für ihre geplatzte Traumreise mit Schwarzgeld bezahlt haben. Im Wissen, dass die Polizei ihnen ohne Zahlungsnachweis kaum zu ihren Ersparnissen verhelfen wird, engagiert Gosha kriminelle Geldeintreiber, während Marina in religiösen Buße-Wahn verfällt. Beides keine gute Idee, was sie noch tiefer in die Misere treibt. In wie fern der weltfremde Aktionismus der prototypischen Charaktere Symptom ihrer Vergangenheitsverklärung ist, lässt das bulgarische Regie-Duo offen. Moralismus, Spott und unfreiwillige Komik überlagern einander in der plakativen Parabel. 

Deren erhobener Zeigefinger deutet auf alles, was die Figuren an vergangenen Fehltritten auskramen. Sittliche Verallgemeinerung kippt in philisterhafte Dogmatik. Kinderlosigkeit scheint in dem von psychosomatischer Symbolik durchzogenen Szenario Indiz charakterlicher Verwerflichkeit. Ehebruch wiegt schwerer als elterliche Vernachlässigung, Unglück als höhere Strafe, die konservative Kernfamilie mit maximal viel Nachwuchs als Anstandsemblem. So interessant die Prämisse, so dürftig bleibt die Auseinandersetzung mit sozialpolitischer Nostalgie und ethischer Heuchelei in verschiedenen Formen. Die paradoxe Pointe bemühte eine zwiespältige Analogie von Armut und Anstand, ohne diegetische oder dramaturgische Erkenntnis. 

Fazit

Sieben Jahre, nachdem sie mit "The Father" den Crystal Globe gewannen, kehren Kristina Grozeva und Petar Valchanov zurück nach Karlovy Vary mit einem neuen Wettbewerbsbeitrag. Dessen dokumentaristische Optik mindert letztlich wenig die Unglaubwürdigkeit, in die ihre fünfte Spielfilm-Arbeit driftet. Dank der originellen Prämisse und den empathischen Darstellungen Savovs und Shahovas gelingen der stilsicheren Inszenierung einige amüsante Beobachtungen über Vergangenheitsverklärung, sozialer Korrumpierung und bürgerlicher Doppelmoral. Doch mit ihrer konzeptionellen Unentschlossenheit verschenkt die zwischen Schadenfreunde, Charakterporträt und moralischem Lehrstück changierende Story de Großteil des psychologischen und politischen Potenzials.

Kritik: Lida Bach

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