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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Ein Weg, tausend Schicksale. Lebens- und Leidensgeschichten, Familien und Aussteiger, Hoffnungsvolle und Verzweifelte: Der "Camino de Santiago" lockt jedes Jahr unzählige Menschen auf eine Reise zu sich selbst. Einige suchen die Entspannung, andere das Abenteuer oder eine spirituelle Erfahrung. An einem bestimmten Punkt kreuzen sich die Wege dieser Menschen. Der Dokumentarfilm "Camino de Santiago" zeigt, dass es auf dem Jakobsweg um weit mehr als um eine Pilgerreise geht. Zwischen schönen Landschaften, kulinarischen Erlebnissen und viel Musik prallen Welten aufeinander dabei bahnen sich neue Freundschaften an. Hier treffen glückliche und tragische Lebensgeschichten aufeinander und verschmelzen zu dem Weg, der längst selbst zur Legende geworden ist.

Kritik

Der Camino de Santiago oder Jakobswegs, wie er hierzulande heißt, erfreut sich seit einigen Jahren anhaltender Beliebtheit. Hape Kerkeling landete mit seinem Pilgertagebuch „Ich bin dann mal weg“ einen Überraschungserfolg, der uns pünktlich zu Weihnachten im Kino erneut heimsuchen wird. Coline Serreau verpackte den Pilgerweg 2005 mit „Saint Jaques: Pilgern auf Französisch“ ins Comedy-Gewand und 2011 gab es „Dein Weg“ von Emilio Estevez mit Martin Sheen in der Hauptrolle. Und in diesem Sommer konnten wir mit „Camino de Santiago“ im Kino erneut auf Reisen gehen, dieses Mal im Gewand des Dokumentationsfilms.

Für „Camino de Santiago“ ist ein kleines Filmteam aus der Schweiz, angeführt von Jonas Frei und Manuel Schweizer, mit dem Fahrrad vom schweizerischen Wattwil über den französischen Grenzort St. Jean Pied-de-Port bis ans galizische Meer in Finisterra gefahren. Unterwegs sprechen sie immer wieder verschiedene Pilger an und lassen diese ein paar wenige Worte über ihre Motivation in die Kamera sprechen. Nun ist mittlerweile klar dass die wenigsten der Pilger aus wirklich religiösen Gründen unterwegs sind. Einige wollen sich selbst finden, andere brauchen Ablenkung vom Alltag und wieder andere wollen ein Abenteuer erleben. So wird vor allem deutlich dass es unheimlich entspannend sein kann, sich einfach mal treiben zu lassen und in einem doch relativ gesicherten Umfeld mal etwas Neues ausprobieren kann.

Leider wird dann aber zu wenig auf die einzelnen Motive eingegangen. Für gewöhnlich hetzt das Kamerateam zu schnell weiter und wer gerne mehr über die einzelnen Pilger, von denen immerhin rund 50 zu Wort kommen, gewusst hätte bleibt im Regen stehen. Ein Wiedersehen gibt es ebenfalls nicht. Außerdem werden zahlreiche außergewöhnliche Aspekte angesprochen, egal ob es sich dabei um andere Essgewohnheiten oder die Kommunikation mit anderen Pilgern handelt. Aber auch hier wird aufgehört bevor es richtig spannend werden kann. Was schade ist, denn Menschen mit einer interessanten Geschichte abseits von „ich wollte mal günstigen Abenteuerurlaub machen“ gibt es am Camino nun wahrlich genug. Erfreulich ist das dezente Aufkommen von Kritik am Ende. Dort wird, wenn auch kurz, auf die Problematik der Event-Pilger eingegangen die nachts in den Herbergen für Unruhe sorgen und tagsüber ihr Gepäck von Bussen fahren lassen. Leider ist es nicht gelungen, ein Exemplar dieser Spezies vor die Kamera zu bringen.

Dank der vorgegebenen Linearität des Weges, von der auch nicht abgewichen wird, kriegt man einen recht guten Eindruck über den Weg an sich. Der großzügige Einsatz von Drohnen, die jede noch so kleine Kirche am Wegesrand von oben filmen und mittels passend epischer Musik ein Gefühl von Erhabenheit erzeugt ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Der Kommentar aus dem Off, gerne gemeinsam mit einer Landkarte eingeblendet die genau erklärt, wo man sich nun gerade auf dem Weg befindet wirkt streckenweise als ob man den Unschlüssigen die Strapazen des Weges ersparen wollte. Wer bereits auf dem Camino unterwegs war dürfte aber wenigstens zeitweise seine Freude haben, wenn er markante Wegpunkte wiedersehen darf oder sich gemeinsam mit den Herbergsbetreibern über die All-Inclusive-Pilger ärgern darf, die einem mal wieder den Schlafplatz geklaut haben.

Fazit

Die Bilder sind eindrucksvoll und größtenteils absolut postkartentauglich. Wer sich gerne inspirieren lassen will kann hier einen Anfang wagen. Die Idee, Pilger unterwegs nach ihren Motiven zu befragen ist an sich sehr gut. Leider sind die Interviews mit den einzelnen Pilgern aber viel zu kurz und abgehackt, und so wandert "Camino de Santiago" sehr gemächlich in der Sonne dahin, Tempo kommt dabei nicht wirklich auf.  Wem Dokumentationen mit einem leichten Hang zum pathetischen aber liegen, der darf hier gerne zugreifen und ein bisschen vom wandern unter der spanischen Sonne träumen.

Kritik: Sandra Scholz

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