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Im Paris des 19. Jahrhunderts lernt die junge Camille Claudel den berühmten Bildhauer Auguste Rodin kennen. Sie wird zu seiner Muse und talentiertesten Schülerin und verstrickt sich mit ihm in eine tragische Liebesaffäre. Ihr Talent wird von der Gesellschaft jedoch nicht anerkannt, und auch Rodin lässt sie immer wieder fallen. Sie bricht mit ihm und zieht sich in eine Kellerwohnung zurück. In der Isolation verfällt sie immer mehr dem Wahnsinn, der auch vor ihren eigenen Werken nicht Halt macht.

Kritik

Camille Claudel (hier wunderbar dargestellt von Isabelle Adjani, Possession) war eine grandiose Bildhauerin und Künstlerin aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihrem Werk ruht oft eine Zerrissenheit inne, die man an ihrer Biographie immer wieder auffinden und nachvollziehen kann. Noch heute sind ihre Werke in Museen wie dem Musée Rodin oder dem erst 2017 eröffeneten und nach ihr benannten Musée Camille Claudel in Paris ausgestellt. In seinem knapp dreistündigen Debüt widmet sich Regisseur Bruno Nuyten (Reise in die Polarnacht) der tragischen wie emanzipatorischen Geschichte der Künstlerin, die sich zu Beginn noch im Schatten ihres Meisters und Geliebten Rodin (Gérard Depardieu, Les Misérables) befindet, sich nach einer Trennung jedoch emanzipieren kann, was sie zu einem größeren Schöpfungsdrang, aber auch in die Selbstzerstörung führt. 

Rodin ist ein herrischer Künstler, der nahezu diktatorisch von seiner Arbeit überzeugt ist und gerade zu Anfang ihrer gemeinsamen Beziehung immer ein Haar in der Suppe findet. Er schätzt Claudel, doch begegnet ihr immer wieder auf abfällige Art und Weise, lässt sie seine vermeintliche Überlegenheit spüren. Letztlich reicht seine übersteigerte Selbstwahrnehmung so weit, dass er eine Affäre eingeht, die bald darauf das Ende der Liebesbeziehung und eine weitere Belastung der Protagonistin bedeutet. Nuyten gelingt es dabei, das richtige Gleichgewicht zwischen der ambivalentem Liebesbeziehung und der Entwicklung zur großen Künstlerin zu finden. Beides gelingt nur aufgrund der langsamen und detailreichen Erzählweise, die sich für die kleinen und dennoch wichtigen Momente Zeit nimmt. 

Gemeint sind Szenen, in denen sich Camille und Rodin leidenschaftlich küssen, nachdem dieser vor ihren Verwandten kundgegeben hat, dass er sie mit nach Paris nehmen würde. Oder Momente, in denen Skulpturen entstehen, beschrieben werden und dem künstlerischen Schaffensprozess eine eigene Stimmung verliehen wird. Es gelingt dem Film, eine schön ausgestattete Atmosphäre zu schaffen. die nicht nur der Zeit gerecht wird, sondern auch der Chemie des ungleichen Künstlerpaares, die toxisch und inspirierend zugleich erscheint. Der große Umfang des Werkes gestattet es auch, familiäre und soziale Probleme aus Camilles Leben einfließen zu lassen, ohne den Eindruck zu erwecken, man wolle ledigich eine Biopic-Konvention erfüllen. 

Dennoch lässt sich kaum abstreiten, dass Camille Claudel nicht frei von langwierigen Passagen ist, die allzu theatralisch und teils redundant wirken, so dass sich die Intensität des stets erhaben inszenierten Werkes über die Lauflänge hinweg abnutzt. Dieser Eindruck wird durch die oftmals episodisch anmutende und wenig stringente Erzählweise verstärkt, die zwar viele Räume eröffnen, sie aber oftmals nicht zu gänzlicher Befriedigung wieder auflösen kann. So schweben einige ästhetisch interessante Szenen lose und wirken nicht ordentlich verankert. Nichtsdestotrotz ist eine umfassende, durchgängig überzeugende Aufarbeitung und Würdigung dieser großartigen Künstlerin und ihrer eigenen Tragödie geglückt. 

Fazit

"Camille Claudel" ist nicht frei von Mängeln, fühlt sich oftmals allzu langwierig, übermäßig theatralisch und zu lose in seiner Erzählweise an, aber erfüllt seine Aufgabe als Biopic in voller Gänze: Es gelingt dem Film, ein umfassendes Bild der Künstlerin zu zeichnen, das ihr kreatives Schaffen, ihre persönliche Tragödie und ihre leidenschaftliche Liebesgeschichte zu Rodin zu gleichermaßen zu vermitteln versteht. 

Autor: Maximilian Knade

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