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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Die Schwestern Jean und Joan teilen alles - Sprache, Liebe und Träume. Sie graben durch Berge auf der Suche nach einem Land, wo wahre Liebe existiert.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Eine einleitende Widmung „für David Lynch“ erntet bei der Pressevorführung Werner Herzogs makaberen Märchens mehr Applaus als dessen Beitrag zum Wettbewerb von Venedig. Dort präsentierte der Autorenfilmer im vergangenen Jahr außer Konkurrenz Ghost Elephants, der jüngsten einer Reihe dokumentarischer Arbeiten, nach denen Herzog zum Spielfilm zurückkehrt. Die Diskrepanz im Applaus zeigt auch die der Erwartungshaltungen an das novelleske Doppelporträts. Dessen neurotische Hauptfiguren verkörpern die Mara-Schwestern in ihrer ersten gemeinsamen Leinwanddarstellung mit einer hypnotischen Harmonie, an deren bizzere Faszination die Handlung nie heranreicht. 

Reale Vorbilder von Jean (Kate Mara, Imperfect Womenund Joan Holbrooke (Rooney Mara, La Cocina), die sich gleich kleiden, synchron sprechen und sogar die gleichen Träume teilen, sind Greta und Freda Chaplin. Vom seltsam altmodischen Kleidungsstil über die Tierliebe, die beide zum flauschigsten aller Nebencharaktere bringt, bis zur realitätsfremden Abschottung etabliert die hintergründige Inszenierung eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu den Chaplins. Sie erlangten Anfang der 80er weltweite Medienaufmerksamkeit aufgrund ihrer manischen Verliebtheit in einen Lastwagenfahrer. Orlando Blooms (Deep Cover) Gareth Mulroney glänzt als die schmierig-charmante Quintessenz des selbstverliebten Provinz-Casanovas.

Selbst ihm wird die Aufmerksamkeit seiner „Schwesterern“ schließlich Zuviel, so dass er sie sich per Gerichtsbeschluss vom Leib halten muss.  Auf der Suche nach einem anderen Zielsubjekt ihrer Doppelportion Liebe und, trotz altmodischer Kleidung, Lust, entziehen sich die Schwestern immer weiter der Realität. Archetypische Figuren bevölkern das sich mit jedem Kapitel weiter vom fiktionalisierten Biopic der zwanghaften Zwillinge in eine moderne Sage verwandelt. „Ihr seid nicht geschaffen für das Stadtleben.“, schreibt ihnen ihre fürsorgliche Tante (Marion O‘Dwyer). Tatsächlich sind sie nicht geschaffen für diese Welt. 

Ein halb gespenstischer, halb tragischer Unterton untergräbt die humorvolle Hülle, deren naiver Schein trügt. Jene Unzuverlässigkeit von Äußerlichkeiten, die in Moderne und Märchenwelt gleichermaßen als moralisches Maß fungieren, ist ein konstantes Motiv. Ein anderes ist die Übergriffigkeit gegen alles, was nicht in ein borniertes, bürgerliches Bild von Normalität passt, sei es eine Dreierbeziehung, ein zahmer Fuchs oder Jean und Joan. Derek Wallaces stimmungsvolles Produktionsdesign findet magische Facetten im Alltäglichen, das Ernst Reijsegers stimmungsvoller Soundtrack mit verspielten Folk Anklängen aufbricht, wie die Schwestern schließlich die Mauern der Wirklichkeit. 

Fazit

Märchen, Mythen und Medienberichte verschachteln sich in Werner Herzogs mokanter Allegorie. Deren in Tonalität und Rhythmus auffällig verschiedene Akte kreisen ganz um die exzentrischen Protagonistinnen. Ihre seltsame Verbundenheit illustriert die Licht- und Schattenseiten emotionaler Nähe und verunsichert zugleich durch die Auflösung der scheinbar absoluten Grenzen zwischen Individuen und Identitäten. In dem wunderbaren Cast beeindrucken Rooney und Kate Mara hervor durch ihr perfekt abgestimmtes Spiel in einem Werk, so eigenwillig und seltsam fesselnd wie die intime Welt, in die es einen Blick öffnet. 

Kritik: Lida Bach

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