Inhalt
Der ultimative Vampirjäger, Blade, hat die Kräfte eines Unsterblichen, die Seele eines Menschen und das Herz eines Helden. Es ist seine Aufgabe, mit Hilfe seiner Stärken und seiner Waffen die menschliche Rasse vor der Auslöschung zu bewahren. Denn ihnen wurde vom Anführer der blutdurstigen Vampire, Deacon Frost, der Krieg erklärt. Frost glaubt, durch einen langen vergessenen Fluch die Erde buchstäblich in die Hölle verwandeln zu können. Blade und sein Mentor Whistler haben alle Hände voll zu tun, um Frost bei seinem Vorhaben aufzuhalten.
Kritik
So verrückt und beinah irreal es aus heutiger Perspektive auch klingen mag: Es begab sich einst zu einer Zeit, als Comic-Verfilmungen noch rar gesät waren und erst recht von Marvel. Damals, in den späten 90er Jahren, hatten zwar die DC-Urgesteine wie Superman und Batman schon jeweils eine eigene Quadrologie hinter sich, vom ewigen Rivalen Marvel aber im cineastischen Kontext fast noch keine Spur. Da gab es mal die belächelte Weltraum-Ente Howard the Duck, Dolph Lundgren durfte 1989 einen kaum beachteten Auftritt als The Punisher hinlegen und Bernd Eichinger produzierte ein kuriose, da nie für einen regulären Release vorgesehene Fantastic Four-Adaption, nur damit ihm nicht die Rechte daran flöten gingen. So gesehen kann Blade 1998 als erster, ernstzunehmender Gehversuch einer Marvel-Adaption auf der großen Leinwand angesehen werden und dessen Erfolg mutmaßlich als Wegbereiter für das erst 10 Jahre wirklich folgende MCU. Der Rest ist Geschichte – und Teil dieser Geschichte auch, dass ausgerechnet dem geplanten Reboot inzwischen endgültig der Stecker gezogen wurde. Verrückt, betrachtet man nicht nur das große, bis heute nie gänzlich ausgeschöpfte Potenzial des Franchise, sondern erst recht die Tatsache, dass man damit die Chance verstreichen lässt, den vermeidlichen Türöffner des späteren Erfolges in das eigene Multiverse einfließen zu lassen.
Damals – ohne die maßlose Übersättigung von ewig dem Gleichen – wirkte Blade tatsächlich erfrischend anders. Mit Spawn hatte man ein Jahr zuvor bereits versucht, eine Comic-Adaption mit düsterem Flair und einem gewissen Härtegrad zu inszenieren, scheiterte damit aber krachend. Blade errang allein mit seiner Eröffnungssequenz blitzartig Kultcharakter. Ein illegaler Rave in den Hinterzimmern eines Schlachthofs entwickelt sich zu einem wahrhaftigen Blutbad, wenn sich plötzlich ein komplett in Schwarz gehüllter (und trotz der ganzen Sauerei seltsamerweise nie auch nur mit einem einzigen Spritzer besudelter) Vollstrecker (Wesley Snipes, The Fan) mit Schwert und Sonnenbrille durch eine Horde Vampire schnetzelt. Das wirkte damals sau-cool und schien den von jeher sehr selbstbewussten Snipes endgültig als den neuen Actionhelden in Hollywood zu etablieren, doch für Blade gilt das Gleiche wie für vieles aus der damaligen Zeit: Das war damals schon kein edler Tropfen, der mit dem Alter nur noch reift; es war mehr die Sorte, die sich viel zu schnell in Essig verwandelt.
Das der überstilisierte, unterkühlte Action-Stil bereits im Folgejahr durch Matrix quasi komplett an die Wand genagelt wurde, ist eher unglückliches Timing, doch wohingegen (der erste Teil) der Wachowski-Saga den Rewatch-Test auch heute noch locker besteht, sitzt bei Blade der Fangzahn der Zeit schon längst nur noch wackelig. Die Effekte sind natürlich nicht mehr zeitgemäß, lassen sich aber noch am ehesten im zeitlichen Kontext verschmerzen und wirken längst nicht so lächerlich wie aus vergleichbaren Werken dieser Tage. Nach einem recht interessanten Auftakt, der in einem kleinen Rahmen sogar eine rudimentäre Art von Worldbuilding betreibt, versumpft Blade schnell in seinem insgesamt völlig belanglosen Skript von David S. Goyer, dem der anfangs gekonnt anmutenden Spagat zwischen Action, Horror und Comic-Flair irgendwann zu entgleiten droht. Snipes stoisch-knurrige Spiel mag vielleicht ikonischen Wiedererkennungswert haben, wirkt aber schnell eher nervig, überkandidelt & selbstverliebt. Zudem kann ein Stephen Dorff (Alone in the Dark) als Deacon Frost kaum auf charismatischer Augenhöge agieren. Dem läuft unser ikonischer Grusel-Onkel Udo Kier (Andy Warhols Dracula) in seinen wenigen Szene so spielend den Rang ab, dass es sehr bedauerlich erscheint, dass nicht er als großer Antagonist auserkoren wurde.
Die Prämisse scheint viel Spielraum für kreativen Input zu bieten, umso erstaunlicher ist es daher, wie fantasielos Blade ab einem gewissen Punkt einfach nur abgespult wird. Es gibt ein paar nette Ansätze und Ideen, die aber mehr theoretischer Natur bleiben. Am Ende läuft es auf einen beliebigen Hybriden aus Slow-Motion-Action, Weiß-Gurt-Martial Arts und nur oberflächlichen Horrorelementen heraus, die leider schon stark an die späteren Resident Evil-Verbrechen erinnern, wenn auch noch nicht ganz so räudig. Für den britischen Regisseur Stephen Norrington war dies nach seinem kleinen B-Movie-Hit Death Machine – Monster aus Stahl die große Chance für einen Platz in Hollywood, den er nach dem Debakel Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen direkt wieder in die Tonne geworfen hat und so ehrlich muss man sein: Der Mann war nie mehr als ein reiner Auftragsregisseur. Wenn überhaupt, erkennt man hier nur die Handschrift von David S. Goyer, der alle Teile der Trilogie schreiben und deren Abschluss Blade: Trinity dann auch noch selber inszenieren sollte. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Reihe. Hier schien das noch tendenziell Potenzial zu haben (was aber eher an den theoretischen Möglichkeiten und der unverbrauchten Vorlage lag), wurde im direkten Sequel noch durch die Handwerkskunst eines Guillermo del Toro (Frankenstein) merklich kaschiert, und demaskiert sich im Finale als das, was es immer war: Viel heiße Luft, aber hier immerhin noch in einen völlig ausgekühlten Raum, in dem sich das kurzfristig und unter den gegebenen Umständen sogar ganz gut anfühlte.
Fazit
Fast schon (Deacon) frostig abgekühlter 90er Jahre-Kult, der damals beinah sowas wie ein Alleinstellungsmerkmal hatte, heute aber gnadenlos überholt und maßlos überbewertet wirkt. Als eine der damals seltenen Comic-Verfilmungen und Crossover-Acts aus Action und Horror im A-Movie-Sektor hatte das seinen Reiz, der aber ratzfatz von der Konkurrenz überholt wurde und heute eigentlich nur noch aus einem nostalgischen Gefühl heraus funktioniert. Rückwirkend für seinen Hauptdarsteller - auf dem Höhepunkt seines Egotrips - sogar als Anfang vom Ende seiner Karriere betrachtet werden kann. Aber immerhin kein „Morbius“ – das ist doch schon mal was.
Autor: Jacko Kunze