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Der Mittzwanziger Jong-soo hält sich mit Auslieferungsjobs über Wasser, während er eigentlich viel lieber an einem Roman schreiben würde. Als er durch Zufall seine ehemalige Klassenkameradin Hae-mi trifft, freunden sich die beiden wieder an und landen gemeinsam im Bett. Als Hae-mi anschließend eine Reise nach Kenia antritt, bittet sie Jong-soo, einmal am Tag ihre Katze in ihrem kleinen Apartment zu füttern, was dieser auch gewissenhaft erledigt. Die Freude über Hae-mis Rückkehr aus Afrika wird allerdings getrübt, denn am Flughafen steht sie plötzlich mit Ben, einem reichen Yuppie aus dem nahegelegenen Seoul, den sie auf ihrer Reise kennengelernt hat. In der Folge unternimmt das Trio immer wieder Dinge gemeinsam, während Hae-mi und Ben sich immer näher zu kommen scheinen und Jong-soo sich auf die ländliche Farm seines streitbaren Vaters zurückzieht, der im Gefängnis sitzt. Plötzlich verschwindet Hae-mi spurlos und Jong-soo hat einen grausamen Verdacht...

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Kritik

Burning von Lee Chang-dong (Poetry) ist ein Film der rätselhaften Einschübe, der seine kleinen und großen Mysterien wie Brotkrumen auf dem Pfad in die Unerklärlichkeit des Lebens verteilt. Alles beginnt mit dem Protagonisten Jong-soo, der in der ersten Szene des Films eigentlich nur wieder einen seiner bedeutungslosen Arbeitstage als Lieferjunge hinter sich bringen will. Diesmal ist jedoch etwas anders, denn Jong-soo begegnet Hae-mi, die ihn von früher kennt. Damals habe er sie als hässlich beschimpft, doch nach einer Schönheitsoperation, von der an der völlig natürlich wirkenden Hae-mi nichts zu erkennen ist, würde sie jetzt ein neues Leben führen. Es ist eine dieser Begegnungen, an die sich nach dem ersten Austausch von Worten eine gemeinsame Zigarettenpause in einer Gasse anschließt, bevor Jong-soo und Hae-mi wenig später in ihrer kleinen Wohnung im Bett landen.

Bereits hier machen sich in der sorgfältig ausgebreiteten, dem Prinzip des Slow-Burn folgenden Handlung von Burning erste kleine Risse bemerkbar, die aus subtilen Widersprüchen bestehen und die vorherrschende Realität des Protagonisten trotzdem (noch) nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Und doch erscheint gerade Hae-mi aus der Perspektive von Jong-soo wie ein erstes Enigma, diese junge Frau, die innerhalb von Sekunden an Ort und Stelle einschläft, wo sie ihm eben noch sitzend und essend gegenüber saß, und die sich in ihrer kleinen Wohnung eine Katze hält, die Jong-soo nie zu Gesicht bekommt. Plötzlich verschwindet Hae-mi, es wird nicht das einzige Mal in diesem Film sein, bevor sie aus Afrika mit einem neuen Mann an ihrer Seite zurückkehrt. Während Jong-soo selbst noch dabei ist, seine Gefühle für Hae-mi einzuordnen, so wie er sein ganzes Leben als einsam auf dem Landsitz seines im Gefängnis sitzenden Vaters lebender Universitätsabsolvent ordnen muss, tritt zusätzlich Ben in sein Leben. 

Der bezeichnet sich selbst nur als Spieler, ist aber offensichtlich Millionär. Als eine Art Great Gatsby wird dieser von Jong-soo kurz darauf beschrieben, was die eigenartige Aura des zuvorkommenden, höflichen Ben nur allzu gut beschreibt, wenn dieser in unauffälligen kurzen Hosen durch den wohlhabenden Gangnam-Bezirk von Korea schlendert und in seinem edlen Apartment für Jong-soo und Hae-mi Pasta zu Jazz-Musik kocht. Ohne die Stimmung zwischen den drei zentralen Hauptfiguren explizit zu benennen, herrscht in den regelmäßigen Treffen zwischen Jong-soo, Hae-mi und Ben in Bars oder Restaurants ein Gefühl der leisen Unbehaglichkeit, ein unsichtbarer und doch anschwellender Konkurrenzkampf zwischen beiden Männern, deren soziale Klassenunterschiede kaum größer sein könnten. Irgendwann kurz vor der Mitte des Films ertönt sie schließlich erneut, die Jazz-Musik, als Ben und Hae-mi Jong-soo einen Besuch auf seinem ländlich gelegenen Grundstück abstatten. Ein Joint macht die Runde zwischen Jong-soo, den der Zuschauer nicht so recht einschätzen kann, obwohl er eigentlich der Protagonist des Films ist, zwischen Hae-mi, der schönen Lichtgestalt, die von einer Sekunde auf die andere in Tränen ausbrechen kann, und zwischen Ben, der laut eigener Aussage noch nie in seinem Leben eine Träne vergossen hat. 

Und dann steht Hae-mi auf, gibt sich der Musik von Miles Davis hin und bewegt ihren Körper zu den Trompeten-Klängen der Jazz-Legende, bis sie oberkörperfrei mit der untergehenden Sonne zu verschmelzen scheint. Irgendwann schweift die Kamera von Hong Kyung-pyo ab, vom Körper und den Bewegungen der jungen Frau hin zu den Details der Naturkulisse, die das erneute Treffen dieser drei Figuren rahmt. Spätestens ab dieser unvergesslichen Schlüsselszene entwickelt sich Burning zu einem unaufhörlichen Fluss an charakterlichen Nuancen, bei denen ein müdes Gähnen, auf das ein mildes Lächeln folgt, ebenso große Bände spricht wie die weiterhin dezent surrealen Details dieser Geschichte, die Lee Chang-dong aus einer knapp 20-seitigen Kurzgeschichte von Haruki Murakami zu einem zweieinhalbstündigen Film adaptiert hat. Dabei wirkt keine Sekunde dieses Werks fehl am Platz, wenn sich die herausragend ausgearbeiteten Figuren unter den vagen Einflüssen zwischen Liebesdreieck, Charakterdrama, Mystery-Thriller und Gesellschaftsstudie verändern oder verschwinden. 

Burning selbst erweist sich hierbei als Geschichte über Geschichten selbst. Nach seinem Studium des kreativen Schreibens will Jong-soo Autor werden, ohne bislang das erste Wort eines Romans hervorgebracht zu haben, während die anderen Figuren Geschichten erzählen, die sich als fragwürdig oder wahrhaftig herausstellen. Ein seltsamer Vorfall aus dem Mund von Hae-mi, die angeblich früher einmal in einen stillgelegten Brunnen gefallen ist und von Jong-soo gerettet wurde, deckt sich nicht mit dessen Erinnerungen, und die Worte von Ben, der in seiner Freizeit gerne alle paar Monate ein Gewächshaus anzündet, werden in Lee Chang-dongs Meisterwerk zur flammenden Wirklichkeit der wachsenden Verunsicherung, die schließlich im irritierenden Chaos enden muss.

Fazit

Irgendwo zwischen Mystery-Thriller, Charakterdrama, Gesellschaftsstudie und Liebesdreieck angesiedelt, hat Lee Chang-dong mit "Burning" ein furioses Meisterwerk geschaffen, das sich über die zweieinhalb Stunden der Laufzeit hinweg langsam beim Zuschauer anschleicht und nach dem Abspann lange Zeit nicht mehr loslassen wird. Die mit dezent surrealen Entwicklungen gespickte Geschichte des Films ist mit schauspielerischen Nuancen und Bildern gespickt, die mitunter unvergesslich sind und ein Geflecht aus Eifersucht, Frustration, Einsamkeit und Begierde entfalten, das den Film passend zum Titel irgendwann in Flammen aufgehen lässt. 

Autor: Patrick Reinbott

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