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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Nach Einbruch der Dunkelheit bewegen sich sechs Frauen durch ein Paris, das ihnen Angst macht. Eine Filmemacherin ringt mit ihrem Film. Eine Dichterin, eine alleinerziehende Schwarze Mutter, eine Filmemacherin und eine ehemalige Sexarbeiterin diskutieren das Leben. In einer Nacht fließen Traum, Fiktion und Realität ineinander.

Kritik

„It’s always more about the process.“, sagt ein nur als Stimme am Telefon präsenter Freund zu Beatrice Gibson in einem Gespräch über die Herausforderungen ihres jüngsten Projekts. Womöglich ist es das semi-fiktionale Spielfilm-Debüt der britischen Künstlerin und Regisseurin, die erneut die Kamera auf sich selbst richtet sowie auf befreundete Kunstschaffenden und persönliche Vertraute. Gemeinsam mit ihnen entwickelten sich organisch die narrativen Fäden der somnambulen Charakterstudie, die sechs Frauen auf ihren sich überschneidenden Wegen durch das nächtliche Paris folgt. 

Autofiktion und Abstraktion, Improvisation und Imagination überlagern einander in dem von dokumentarische Stadtansichten durchzogenen Experimentalfilm. Seine mäandernde Handlung beginnt mit der Regisseurin selbst, die in einer Sprachnachricht ihr neues Werk einer potenziellen Mitwirkenden beschreibt. Beider letzte Kollaboration war offenbar konfliktreich und belastend für die Kandidatin, die gegenwärtig mit eigenen Problemen zu kämpfen hat. Die alleinstehende Schwarze Mutter (Diocouda Diaoune) lebt mit ihrer demenzkranken Mutter und den Kindern in einer Notunterkunft, unter einem rigiden Regelsystem und ständiger Überwachung. 

Eine zufällige Begegnung mit Gibson unter kuriosen Umständen, die beide festhalten, führt zu einer enthüllenden Diskussion über soziale Marginalisierung und systemische Benachteiligung. Der selbstkritische Ansatz ist integraler Teil der Reflexion sozialer Strukturen, die in den nächtlichen Stunden so deutlich hervortreten wie das harsche Reklamelicht. Nacht- und Schichtarbeitende der Stadtreinigung, öffentlichen Verkehrsmittel sowie in Imbiss-Buden und 24/7-Stores halten die Stadt am Laufen, während in queeren Lokalen und auf Off-Bühnen Musiker*innen und Dichterinnen ihre Kreationen vortragen. 

Eine berührende Szene zeigt US-amerikanische Dichterin Alice Notley bei der Rezitation eines ihrer Gedichte in einer Szene, wenige Wochen vor ihrem Tod im Mai 2025 gedreht. Der multidisziplinäre Künstler Adam Christensen gib in einer schummerigen Bar ein emotionales Akkordeon-Konzert. Ein zufälliges Gespräch bringt einen hoffnungsvollen Schimmer in das Dunkel bringt. Kameramann Ben Rivers und Cutter Liyo Gong evozieren mit den körnigen Handkamera-Aufnahmen die raue Ästhetik eines vergessenen Video-Films, voll surrealer Suggestionskraft. 

Fazit

Kinematische Kartographie, Stimmungsbild und Sozialskizze verschwimmen in Beatrice Gibsons faszinierender Nocturne. Das dichte Geflecht aus Begegnungen, Beobachtungen und assoziativen Bezügen lebt von seinen eindringlichen Darstellungen und prägnanten Diskussionen zeitloser Themen. Die traumwandlerische Ästhetik eröffnet die nächtliche Metropole als eine verborgene Parallelwelt der Ruhelosen und Randfiguren. Palimpsest und Poem verdichten sich zu einer experimentellen Exkursion von düsterer Ästhetik und hypnotischer Atmosphäre.

Kritik: Lida Bach

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