MB-Kritik

Which Way Africa? 2024

Documentary

Samuel Fosso
Joseph Ki-zerbo
Imam Souleymane
Simon Njami

Inhalt

Die Menschen im Wald schlagen ihre Trommeln, um ihre Gesänge am Leben zu halten. Die in der Stadt kreischen: „Fortschritt!“ Und es kommen immer mehr, um sich der Schätze des Landes zu bemächtigen. Doch sie werden von neuen Stimmen des Widerstands empfangen.

Kritik

„For me, it‘s mainly about filming absence …“, sagt David-Pierre Fila im Regiekommentar zu seinem zweiten Langfilm, deren Titelfrage sich auch auf den Inhalt beziehen könnte. Wohin will die essayistische Doku und was sind die verbindenden Motive der Porträts, Experteninterviews, Alltagsszenen, Archivmaterial, Fotos und akustischen Ausschnitten, in die sich Gespräche mit Bekannten und persönliche Erinnerungen des Regisseurs und Drehbuchautors mischen? Es beginnt mit einem knappen Bericht über die sogenannte Kongokonferenz. 

Bei dem Treffen der Staatsmächte, die Otto von Bismarck vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 nach Berlin geladen hatte, wurde deren Handelsfreiheit und -wege auf dem Kontinent geregelt und die Grundlage dessen Aufteilung in Kolonien geschaffen. Von dieser historischen Basis ausgehend wird das auf eurozentrischen Konzepten von Fortschritt geprägte Ziel ökonomischer Entwicklung hinterfragt. Doch sowohl die konkrete Form dieses trügerischen Fortschritts als auch dessen Alternative bleiben vage.

Statt diese Thematik zu vertiefen, schwenkt der Fokus zu einem gänzlich anderen Motiv: dem in Kamerun geborenen Fotografen und Künstler Samuel Fosso. Seine Aufnahmen, insbesondere die schillernden Selbstporträts, machten ihn schon in jungen Jahren zu einem Star seines Metiers und einem der bedeutendsten Foto-Künstler der Gegenwart. Vor dem winzigen Studio, in dem er bis heute arbeitet, spricht Fosso über sein Schaffen. Doch auch dies bleibt ein Fragment ohne übergreifenden Kontext.

Fazit

Es mangelt David-Pierre Filas disparatem Diskurs nicht an komplexen Konfliktthemen und faszinierenden Figuren. Im Gegenteil wirkt die dokumentarische Erkundung richtungslos zwischen all den inszenatorischen und inhaltlichen Möglichkeiten, die sich im Laufe der unebenen Kapitel über Afrikas Historie, Kunst, Kultur und Philosophie auftun. Diese Unbeständigkeit, die sich auch auf visueller Ebene niederschlägt, ist erschöpfend und untergräbt die durchaus interessante Debatte um Entwicklung und Entfremdung. Abwesenheit ist hier auch die einer klaren Struktur.

Autor: Lida Bach
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