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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Während einer Klassenfahrt nach dem Selbstmord eines Schülers suchen dieselben Schläger nach neuen Opfern, während der Geist des verstorbenen Schülers die Gruppe heimsucht.

Kritik

Flammen schlagen in der unheilvollen Eröffnungsszene Miroslav Terzićs beklemmenden Jugenddramas aus einer Plattenbau-Wohnung. Vor dem brennenden Gebäude sitzt Teenager Tzotza (Jovan Ginić) und beobachtet emotionslos den Brand. Dann macht er sich auf den Weg zum Busbahnhof, von wo die Klassenfahrt nach Serbien losgeht. Das Gespür des Regisseurs und Co-Drehbuchautors für hintergründige Bilder zeigt sich in dem verstörenden Moment, der die universellen Kernthemen bündelt: Zerstörung inmitten kleinbürgerlicher Tristesse, emotionale Abstumpfung und die Apathie des sozialen Umfelds angesichts eines Desasters. 

Obwohl ein solches in der streng strukturierten Handlung nur die titelgebende Zeitspanne zurückliegt, bahnt sich bereits das Nächste an. Ein Teufelskreis, der sich unablässig fortsetzt, suggeriert die elliptische Struktur, deren Anfang das Ende implizit vorwegnimmt. Bis dahin führt die visuell und narrativ gleichsam düster-kalte Story die Zuschauenden auf eines sadistischen Höllentrips. Dessen antizipiertes Schlussbild, dem ein ekstatischer Tanz in dämonischer Rot-Ausleuchtung vorangeht, scheint in seiner infernalischen Assoziation beklemmend angemessen. Bereits Tzotzas Erscheinen am Abfahrtspunkt irritiert die anderen Schüler*innen.

Deren Gehässigkeit und Gewalt begleiten den verschlossenen Außenseiter, dessen einziger Kontakt die unter den Mädchen ebenfalls ausgegrenzte Darija (Andjela Alavirević) ist. Die Reaktionen der Klassenlehrerin Viktorija (Tihana Lazović, Peter Hase) und ihres Kollegen Markuš (Branislav Trifunović, Crna Zorika) enthüllen sukzessive neben dem tragischen Ereignis, von dem die Titelzeitspanne ausgeht, die erschreckende Gleichgültigkeit der Erwachsenen. Ihre Tatenlosigkeit und stupiden Phrasen machen den Freitod Tzotzas besten Freundes umso bedrückender. „Wir müssen zusammenhalten“, sagt Markuš zu Tzotza, dessen „Warum?“ er nicht beantworten kann. 

Tatenlosigkeit und stupide Phrasen der erwachsenen Autoritätsfiguren sind auf eigene Weise ebenso bedrückend wie der Tzotzas treffende gewohnheitsmäßige Sadismus. Er eskaliert, als sich der von der Fahrt ausgeschlossenen Miloš (Andrija Marković) mit Hilfe seiner kaltblütigen Freundin, Milica (Klara Karaulić), heimlich anschließt. Eine Panne zwingt die Gruppe zur Übernachtung in einem menschenleeren Spa Hotel, dessen gespenstische Stimmung die Geister der unmittelbaren Vergangenheit weckt. Während die Lehrkräfte alles sehen, aber wegschauen, kulminiert Miloš Brutalität in bestialischen Extremen. 

Parallel zur Gewalt steigert sich die alptraumhafte Atmosphäre des im zweiten Akt formal an einem Horrorfilm entsprechenden Szenarios. Der abgelegenen Schauplatz mit dem seltsam leeren Hotel, umgeben von dichtem Wald und labyrinthinen Höhlen. Tzotas Flucht in die unterirdischen Gängen ist ein allegorischer Abstieg in sein Unterbewusstsein, wo seine eigenen destruktiven Impulse lauern. Das nihilistische Ende spiegelt in seiner unerbittlichen Konsequenz Terzićs pessimistische Perspektive auf junge Generationen, deren jede laut Victorija stets “schlimmer als die vorherige” ist. 

Fazit

Formale und ästhetische Stärke Miroslav Terzićs abgründiger Studie der abgründigen Auswirkungen eines unstillbaren heranwachsenden Hungers nach Gewalt sowie der diese lancierenden gesellschaftlichen Gleichgültigkeit stehen in paradoxer Polarität zur narrativen Konvention. Den inszenatorischen Blick leitet eine autoritäre Arroganz gegenüber den jugendlichen Charakteren. Sie alle sind eindimensionale Stereotypen, vom ohnmächtigen Opfer über die passiven Pädagogen bis zum soziopathischen Schurken-Paar. Dass deren Sexualität als Indiz moralischen Verfalls dient, ist Teil der omnipräsenten konservativen Klischees des ebenso radikalen wie reaktionären Teenie-Torture-Trips. 

Kritik: Lida Bach

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