Bildnachweis: © Bethesda / Avalanche Studios / id Software

Videospiel "Rage 2" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

Wir schreiben das Jahr 2165: Walker, letzter Ranger des Vinelands, muss in einer gefährlichen, von Mutanten  und übler Gangs bewohnten Welt überleben, nachdem diese von einem Asteroiden getroffen wurde. Die letzten Überlebenden schlossen sich zu diversen Fraktionen zusammen, darunter auch eine Gruppe namens Authority, die sich zur neuen Militärmacht erklärte und ihre Diktatur festigen möchte.  Dem Anführer der skrupellosen Bande,  General Cross, gilt es das Handwerk zu legen.  

Kritik

Mit Rage versuchte sich id Software 2011 an etwas Neuem, gemessen zumindest am bisherigen Weg, den der texanische Entwickler zuvor mit Spielen wie Doom oder Quake gegangen ist. Die Welt wurde etwas offener, Fahrzeuge wurde ins Spiel integriert, NPCs vergaben Quests und Waffen ließen sich nach und nach upgraden, all das in einem postapokalyptischen Ödland. Klang auf dem Papier interessant, litt aber unter zahlreichen Problemen, technischer und auch inhaltlicher Natur. Knapp 8 Jahre später gibt es mit Rage 2 nun einen Nachfolger, entstanden in Kooperation zwischen id Software und den Avalanche Studios aus Schweden, die zuvor mit Spielen wie Mad Max oder der Just Cause-Reihe auf sich aufmerksam machten. Shooter- und Open World-Experten arbeiten also Hand in Hand an einem Projekt, das nach beiden Elementen verlangt, was kann da noch schiefgehen? Nun, leider doch einiges. 

Nachdem wir uns für das Geschlecht unseres Spielcharakters entschieden haben, was zwar keine spielerischen Auswirkungen mit sich bringt, wohl aber unterschiedlich (und gut) vertont wurde, schmeißt uns Rage 2 auch sogleich ins Kampfgetümmel. Im Prolog, der vor allem dazu dient, uns schnell mit den wichtigsten Mechaniken und Akteuren bekanntzumachen, geht sogleich mächtig die Post ab. Es gilt einen Angriff auf unsere Basis abzuwehren, die Obrigkeit, bekannt aus dem Vorgänger, ist für das Blutbad verantwortlich. Angeführt wird sie vom fiesen General Cross, an welchem wir uns in der rund 5- bis 10-stündigen Kampagne rächen wollen. Rage 2 inszeniert sein Abenteuer mit reichlich Trash, Blödsinn und einer großen Portion unverfrorener Selbstironie, schafft es aber weder mit seiner Story, noch mit seinen schrägen Charakteren, unser Interesse zu gewinnen. Das zeichnet sich bereits nach wenigen Minuten im Prolog ab und ändert sich im späteren Verlauf leider nie. 

Spiele aus dem Hause id Software waren noch nie für gutes Storytelling bekannt, in früheren Werken spielte es aber keine große Rolle, da das Gameplay immer an oberster Stelle stand. In Rage 2 ist das schwerer zu verzeihen, zum einen bietet sich das postapokalyptische Szenario mit all seinen durchgeknallten Figuren und an vielen Stellen durchblitzenden, witzigen Ideen dafür geradezu an, zum anderen rückt das Game mit zahlreichen Ruhephasen und Cutscenes seine Handlung selbst immer wieder in den Fokus. Wenn diese so präsent, aber auch zugleich so platt erzählt wird, stellt sich schnell Desinteresse ein. Zum Glück lassen sich die Sequenzen bei Bedarf alle überspringen. 

Daher ruht die ganze Hoffnung auf dem Gameplay, das jedoch nur zum Teil das einhält, was es verspricht. Positiv hervorzuheben sind hier ganz klar die Shootouts, das flotte Run-and-Gun-Prinzip geht gut von der Hand und lässt reichlich Stimmung aufkommen. Je mehr Waffen und Fähigkeiten wir freigeschaltet haben, umso spaßiger werden die Gefechte mit der Zeit: Per Shatter stoßen wir beispielsweise eine gewaltige kinetische Druckwelle von uns, die Gegner wegschleudert oder zum Zerplatzen bringt, während wir sie per Vortex ansaugen und hilflos im Raum schweben lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig, das Kombinieren fällt sehr reizvoll aus. Daher lohnt es sich, sich schon früh auf die Suche nach Waffen und Kräften zu machen, um die Gefechte in vollen Zügen spielen zu können. 

Weckt die offene Spielwelt zunächst den Entdeckerdrang, stellt sich hier schnell Ernüchterung bereit: Die Welt ist nahezu leer, zu sichten gibt es hier kaum etwas. Das verwundert vor allem deswegen, da die Avalanche Studios in ihren vorigen Werken bewiesen haben, dass sie diesen Punkt eigentlich besser beherrschen. Per Fahrzeug bewegt man sich von A nach B, bereist schnell die markierten Orte auf seiner Karte und ist froh, wenn die Reise nicht allzu lange dauert. Unterwegs trifft man gelegentlich auf einen fahrenden Händler oder auch auf einen feindlichen Konvoi, darüber hinaus passiert hier aber herzlich wenig, sich von Straßen zu entfernen lohnt sich nicht. Auch das Handling unseres Fahrzeugs verläuft lange nicht so gut, wie man es beispielsweise aus Mad Max gewohnt war. Kurzum: Die offene Spielwelt taugt nicht viel und hätte lieber gar nicht erst integriert werden sollen. Als gradliniger Shooter hätte Rage 2 besser funktioniert. 

Ein wenig interessanter fallen die einzelnen Ortschaften auf, allen voran die Handelsstädte, in welchen wir von NPCs Quests abholen oder verschiedene Händler aufsuchen. Zwar geben uns auch diese Areale nur bedingt Handlungsspielraum und nutzen die Möglichkeit zum Ausbau der Erzählung kaum aus, zumindest aber schafft das hübsche Artwork der Umgebung ein wenig Atmosphäre. Neben Städten besuchen wir ansonsten verschiedene Mutantennester und Banditenlager, die wir ausradieren müssen, Wachtürme, die zerstört werden wollen oder verborgene Archen, in welchen wir neue Waffen oder Nanotritfähigkeiten erhalten. Gelegentlich wird es auch ein wenig ausgefallener, wenn man beispielsweise an einer tödlichen Reality-Show teilnimmt, Running Man lässt grüßen. Mit Ausnahme der Städte knallt es im Grunde an jedem Schauplatz, was durch die guten Shooter-Mechaniken stets Spaß macht, der Weg zwischen den Ortschaften ist nur leider ziemlich öde. 

In Rage 2 gibt es ein umfangreiches Fortschrittssystem, das uns das aufleveln unserer Waffen und Fähigkeiten in mehreren Stufen und Ausführungen erlaubt. Auch verschiedene Projekte können vorangetrieben werden und werden in jeweiligen Bäumen mit Projektpunkten ausgebaut, wodurch wir weitere Vorteile erhalten. Darüber hinaus werten wir unseren Körper mit diversen Augmentierungen auf. Rage 2 erlaubt uns viel Feintuning, erschlägt mit der Masse aber auch zunächst ein wenig, da der Aufbau der Menüs etwas unübersichtlich ausfällt. Wer sich aber erst in das System hineingefummelt hat, findet hier einen funktionierenden Motivator für das Sammeln von Ressourcen und das Erledigen von Aufgaben. 

Technisch macht Rage 2 einen weitestgehend sauberen Eindruck, läuft auf der getesteten PS4 Pro flüssig und zaubert mit der eingesetzten Apex-Engine vor allem in den Gefechten hübsche Effekte auf den Bildschirm. Lediglich von Nahem sind einzelne Schönheitsfehler erkennbar, Charaktere zeigen sich hier etwas detailarm, was hölzerne Gesichter zur Folge hat, während Texturen ein wenig matschig werden. Mit seinem Artwork kann das Spiel vor allem in den atmosphärisch hübsch gestalteten Städten punkten, wo es auch stets lustige Details zu entdecken gibt. Schade, dass davon in der Außenwelt so wenig zu sehen ist. 

Fazit

Als Shooter funktioniert "Rage 2" richtig gut, die Feuergefechte werden flott und wild inszeniert und halten ordentlich bei Laune. Mit besserem Storytelling und lebendigerer Open World hätte man aber auch gern das Drumherum aufregender formen können.

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