Bildnachweis: © Level-5 / Bandai Namco Entertainment

Videospiel "Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

Ein Putsch zwingt König Evan und sein Katzenvolk ins Exil, sodass er nun auf die Unterstützung seiner Freunde angewiesen ist, um mit ihrer Hilfe ein neues Königreich zu errichten, das Reich wieder zu vereinen und gemeinsam gegen einen Dämon, der die ganze Welt ins Chaos stürzen will, in den Kampf zu ziehen.

Kritik

Mit Filmen wie Das wandelnde Schloss oder Chihiros Reise ins Zauberland hat sich Studio Ghibli einen besonderen Platz im Herzen vieler Anime-Fans verdient. Was war die Freude nicht groß, als das Kultstudio vor einigen Jahren mit dem Entwicklerteam Level-5 zusammenarbeitete, woraus das zauberhafte Videospiel Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin für die PS3 entstand. So hübsch das Spiel auch anzusehen war, litt es dennoch an einigen Problemen, die vor allem die Langzeitmotivation beeinträchtigten. Mit Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs ist nun für die PS4 und den PC der langersehnte Nachfolger erschienen, der mit neuen Konzepten frischen Wind in die Reihe bringen möchte. Gelungen ist das in mehrerer, wenn auch nicht jeder, Hinsicht.

Eine Kooperation mit Studio Ghibli gab es diesmal zwar nicht, dafür aber mit Chefdesigner Yoshiyuki Momose und Komponist Joe Hisaishi, die an zahlreichen Filmen des Studios mitgearbeitet haben und ihre Expertise auf das neue Spiel übertragen haben. Das Ergebnis ist visuell erneut umwerfend, Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs wirkt wie ein wunderschöner, gezeichneter Anime zum selber spielen. Und auch musikalisch ist das Abenteuer sehr stimmungsvoll unterlegt. So weit, so gut.

Die Geschichte, die übrigens keine Vorkenntnisse voraussetzt, versetzt uns in eine märchenhafte Welt, in der ein Machtkampf unter den Völkern ausgebrochen ist und ein Putsch uns ins Exil treibt, aus welchem wir als König einen Neuanfang starten. Stilistisch ist das Ganze sehr niedlich gehalten, befasst sich mit Themen wie Krieg, Unterdrückung, Rassentrennung, Verlust und Verrat aber auch mit anspruchsvolleren Stoff, sodass Ni No Kuni 2 im Grunde jede Altersgruppe auf seine Weise anspricht. Auch wenn die Geschichte im RPG-Genre letztendlich nicht herausragend ist, so erfüllt sie durch ihren enormen Charme und den liebenswürdigen Charakteren sehr zufriedenstellend ihren Zweck.

Hauptsächlich handelt es sich bei Ni No Kuni 2 um ein Rollenspiel, in welchem wir verschiedene Orte bereisen, für die vielen NPCs Quests erfüllen, unsere Charaktere passend ausrüsten und skillen sowie zahlreiche Kämpfe absolvieren. Jedoch ist das Ganze angereichert mit Elementen anderer Genres, sodass insgesamt ein sehr ungewöhnlicher Mix entsteht. Denn Ni No Kuni 2 setzt darüber hinaus in diversen Passagen auch Echtzeitstrategie und auf Aufbausimulation. Hin und wieder ist es so beispielsweise nötig, seine Truppen gegen den Feind in den Krieg zu führen, wobei wir vorher die passenden Einheiten wählen, von Bogenschützen, Schwertkämpfern bis hin zu Magiern, diese im Kampf passend positionieren müssen und mit ihnen in die Schlacht ziehen. Sorgt gewiss für Abwechslung, kann jedoch lästig ausfallen, wenn man daran keinen Gefallen findet.

Mehr zu gefallen weiß da der Aufbaupart, in welchem wir von Grund auf ein neues Königreich errichten. Je nach verfügbaren Budget werden Gebäude aufgebaut und von uns mit Personal besetzt, was uns diverse Vorteile verschafft oder gar die Story vorantreibt. Alles was wir hier tun hat spürbare Auswirkungen auf unser Abenteuer, daher motiviert dieser Part durch seine geschickte Verzahnung auch ungemein. Wir erforschen hier beispielsweise neue Zaubersprüche für unsere Heldentruppe, trainieren unsere kleinen Helfer, die sogenannten Gnuffis, entwickeln neue Waffen und vieles mehr. Und mit der Erfüllung von Quests in der Welt von Ni No Kuni 2 gewinnen wir auch stets neue Einwohner für unser Königreich hinzu, die wir passend zu ihren Fähigkeiten mit Aufgaben versehen.

Während wir uns im Vorgänger in Kämpfen eher passiv verhalten haben und aus einer Liste lediglich Kommandos für unsere Begleiter auswählten, wird in Ni No Kuni 2 nun in Echtzeit gekämpft. Zum Einsatz kommen Schlag-, Block- und Ausweichtechniken, zudem setzen wir hier zahlreiche Zaubersprüche und Spezialfähigkeiten ein. Auch können wir stets zwischen unseren drei Kämpfern hin und her wechseln, die KI übernimmt währenddessen die Kontrolle der anderen beiden. Das klappt ausgesprochen gut, die Gefechte sind flott und spaßig inszeniert und beeindrucken zudem mit schönen Animationen und starkem Effektgewitter. Es dauert jedoch eine Weile, bis die Kämpfe fordernd werden, zu Beginn ist der Schwierigkeitsgrad äußerst niedrig ausgefallen. Spätestens ab der Hälfte des Spiels zieht dieser glücklicherweise aber an. 

Rund 40 Stunden sollte man für das Absolvieren des Abenteuers einplanen. Wer jedoch alle Nebenquests erfüllt, sein Königreich komplett ausbauen möchte und sich mit dem Endgame weiter beschäftigt, kann noch einiges an Zeit hinzurechnen. Mit dem Umfang eines Skyrim wird man hier zwar nicht erschlagen, muss es aber auch nicht, denn Ni No Kuni 2 fühlt sich so, wie es ist genau richtig an.

Fazit

Wer in spielerischer Form in einen wunderschön gestalteten Anime eintauchen will, ist bei "Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs" genau an der richtigen Adresse. Das Japano-RPG punktet darüber hinaus mit seinem interessanten Aufbaupart, gut von der Hand gehenden Kämpfen, liebevollen Charakteren und sehr viel Charme. Mit einer etwas fordernderen ersten Hälfte und einer Auswahlmöglichkeit der Teilnahme am aufgezwungenen Strategiepart wäre der Gesamteindruck zwar noch etwas runder, doch auch so ist "Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs" ein absolut bezauberndes Spiel.

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