Bildnachweis: © Ubisoft Montreal

Videospiel "Far Cry 5" im Test

von Sebastian Stumbek

Story

Willkommen in Hope County, Montana, Heimat einer fanatischen Weltuntergangssekte, auch bekannt als The Project at Eden's Gate, die die Freiheit der Gemeinde bedroht. Während eines polizeilichen Einsatzes, bei welchem der berüchtigte Sektenführer Joseph Seed festgenommen werden soll, kommt es zu erheblichem Widerstand. Das Einsatzteam wird als Geisel genommen und die Sektenbande macht nun Jagd auf den letzten Flüchtigen aus dem Team, in dessen Rolle man fortan schlüpft. 

Kritik

Bereits seit 2004 existiert die erfolgreiche Far Cry-Reihe schon, zuletzt ging es für Spieler im Jahre 2016 in Primal in die Steinzeit. Mit Far Cry 5, welches von Ubisoft Montreal entwickelt wurde, erschien nun der neueste Ableger der Hauptreihe. Während es zuvor in Afrika, der Karibik oder im Himalaya eher exotisch zuging, verschlägt es uns diesmal in den fiktiven Staat Hope County der USA. Dort hat sich eine fanatische Sekte niedergelassen, die weite Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht hat und jeden aus den Weg räumt, der sich ihnen nicht unterwirft.

Als namenloser Held, den wir zumindest grob in einem Editor entwerfen, stürzen wir uns in das besetzte Gebiet, müssen unsere entführten Begleiter befreien, dem örtlichen Widerstand zu neuer Stärke verhelfen und Hope Country von seinem Geschwür befreien. Doch eins nach dem anderen: Zu Beginn sind wir noch auf der Flucht und werden von einem Widerstandskämpfer gerettet, der unsere ersten Schritte in der Welt von Far Cry 5 begleitet. Wir werden mit den Grundmechaniken vertraut gemacht und lernen schnell und verständlich, was über die nächsten rund 25 Stunden hinweg unsere Aufgabe sein wird. 

Bevor wir Joseph Seed, den Anführer der Sekte, zur Strecke bringen, müssen wir uns zunächst um seine drei wahnsinnigen Geschwister kümmern, denen jeweils ein großes Gebiet von Hope Country gehört. Wen wir uns als Erstes vorknöpfen bleibt uns überlassen, wir können uns in der riesigen Open World nach Belieben austoben. Wie bei Ubisoft gängig, werden uns eine Vielzahl an zu absolvierenden Aufgaben an den Kopf geworfen. Wir können Geiseln aus den Fängen der Sekte befreien, ihre Besitztümer zerstören, Außenposten befreien oder für die vielen NPCs diverse Quests erfüllen. Alles dient dabei einem Zweck: Innerhalb der drei Areale für so viel Ärger und Schaden zu sorgen, sodass der jeweilige Anführer aus seinem Versteck gelockt wird. 

Das passiert vorher schon einige Male und dient der Dramaturgie der sonst eher simpel gehaltenen Geschichte: Wenn die Anführer verärgert sind, so entsenden sie ihr Spezialteam, das uns festnehmen soll. Dagegen ist es auch beinahe unmöglich sich zu wehren, sodass wir einige Male in Gefangenschaft geraten, nur um uns dann nach einigen Zwischensequenzen auf Rambo-Manier wieder befreien. Auch wenn der Ausgang dieser Passagen stets vorhersehbar bleibt, so bilden sie immerhin eine gelungene und nett inszenierte Abwechslung. Sind wir wieder auf freiem Fuß, so stiften wir erneut weiter Unruhe, bis wir auf diese Weise genügend Punkte gesammelt haben, die uns zum kleinen Showdown führt.

Das folgt in seiner Grundstruktur zwar einem gewissen monotonen Ablauf, lässt uns aber weitestgehend die Wahl, wie wir unser Ziel erreichen. Und da das Waffenarsenal sehr vielfältig ausfällt und das Handling gelungen umgesetzt wurde, wir Begleiter rekrutieren können, von Menschen bis hin zu Tieren, sowie zahlreiche Fahrzeuge zur Verfügung stehen, ist das Action-Abenteuer insgesamt auch sehr spaßig ausgefallen, da immer etwas los ist. Manchmal übertreibt es Far Cry 5 aber in der Hinsicht auch und schickt uns innerhalb kürzester Zeit Gegner in mehreren Wellen auf den Hals, wodurch sich vor uns, aufgrund der etwas dürftigen KI, die absurdesten Szenen abspielen können. Das kann man natürlich mit Humor nehmen, davon gibt es hier so einigen, es zerstört aber auch ein Stück weit die bedrohliche Atmosphäre, die das Setting eigentlich mit sich bringen könnte.

Was in einem Ubisoft-Spiel nicht fehlen darf: die Entwicklung unseres Charakters. Durch absolvierte Herausforderungen oder gefundene Comichefte sammeln wir Punkte, die wir in diverse Fähigkeiten investieren dürfen. Dadurch tragen wir mehr Munition bei uns, laden schneller nach, halten uns wilde Tiere vom Leib, schalten Enterhaken und Paraglider frei oder lernen das Knacken von Schlössern. Insgesamt 50 Perks gibt es in Far Cry 5, unterteilt in 5 Kategorien. Das Freischalten motiviert, auch wenn nicht jedes davon wirklich brauchbar ist. 

Eine nette Besonderheit an Far Cry 5 ist die Möglichkeit, das Game zusammen mit einem menschlichen Spieler im Koop zu absolvieren. Dieser kann jederzeit ein- oder aussteigen, der Fortschritt wird jedoch nur dem Hauptspieler gutgeschrieben. Zusammen machen die Gefechte in jedem Fall Spaß, wer darauf verzichten will oder muss, greift bei Bedarf auf die oben genannten KI-Begleiter zu, denen man gezielte Angriffs- oder Positionsbefehle geben kann. Einige von ihnen schaltet man durch besondere Storymissionen frei, sie bringen dann ganz spezielle Eigenschaften mit sich. So können wir beispielsweise auf Luftunterstützung bis hin zum begleitenden Scharfschützen zugreifen, um uns einen Vorteil zu verschaffen.

Technisch gibt es im Grunde nichts zu beanstanden, Far Cry 5 sieht erwartungsgemäß sehr schick aus. Die Dunia Engine, eine modifizierte Version der CryEngine, leistet ganze Arbeit darin hübsche Umgebungslandschaften, gelungene Effekte und Animationen auf die Bildschirme zu zaubern. Auf der getesteten PS4 Pro läuft das Ganze auch angenehm flüssig ab. Und auch die Vertonung zeigt sich insgesamt von ihrer guten Seite, vor allem in der Originalversion.

Neben der umfangreichen Hauptkampagne kann mit dem eingebauten Arcade Modus übrigens noch eine Menge Freude an Far Cry 5 haben. Dabei handelt es sich um einen Level-Editor, der es der Community erlaubt, selbst Karten und Spielmodi zu erstellen. Und dass dabei eine Menge abgefahrener Dinge entstehen, zeigen bereits die ersten Tage nach Release. So lassen sich beispielsweise das Baker-Haus aus Resident Evil 7 besuchen, diverse Counter Strike-Maps nachspielen oder der momentan so beliebte Battle-Royale-Modus, wie man ihn aus Fortnite oder PUBG kennt. Und ein Ende ist hier noch lange nicht in Sicht. 


Fazit

Auch "Far Cry 5" liefert nach bewährtem Serienkonzept mit seiner Fülle an Aufgaben und Möglichkeiten in einer riesigen, hübsch entworfenen Spielwelt eine Menge Spaß. Einschränkungen gibt es zwar im durchschnittlichen Storytelling und bei gelegentlichen KI-Aussetzern, wer sich daran aber nicht allzu sehr stört, macht mit dem Griff zum fünften Serienteil gewiss nichts falsch.

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