Familienfotos, TV-Ausschnitte und Zeitungsartikel, die visuell vorführen, wie Polgar Geschichte (um)schrieb, geben Rory Kennedys historischer Heldinnen-Saga Dynamik und Zeitkolorit. Während Grundzüge des Schachspiels sich in der routinierten Kombination kinematischer Bildsprache und dokumentarischer Sachlichkeit beiläufig erschließen, haben kritische Zwischentöne kaum Platz. Die gegenwartspolitische Relevanz Polgars Entschlusses statt gegen die männliche Weltelite anzutreten, wird beflissen ignoriert. Statt binäre Gender-Konstrukt zu dekonstruieren, wird Chancengleichheit als erreicht dargestellt. Die Überschneidung sportlicher und gesellschaftlicher Kämpfe bleibt in einer historischen Bubble, losgelöst von Gegenwartspolitik und globalem Kontext.