Bildnachweis: © Studio Hamburg

"Skins - Staffel 6 - Kritik

von Maximilian Knade

Inhalt

Die Gang genießt ihren Urlaub in Marokko. Die ausgelassene Stimmung kippt jedoch, als Frankys und Mattys Beziehungsprobleme einen gefährlichen Fremden in die Gruppe ziehen. Es kommt zu einem tragischen Autounfall, bei dem Grace schwer verletzt wird. Matty macht sich daraufhin vor den Behörden aus dem Staub.  Als die Clique nach Bristol zurückkehrt, ist nichts mehr, wie es vorher war. Jeder versucht irgendwie mit dem tragischen Ereignissen in Marokko klar zu kommen und lernt dabei immer mehr über sich selbst. Geheime Beziehungen entstehen, Freundschaften und Treue werden getestet.


Kritik

Skins ist immer dann am stärksten, wenn die Serie strukturelle Probleme aufzeigt, unter denen Jugendliche leiden. Die Serie zeigt uns alltägliche Situationen als perfide und unnatürlich auf und zeigt durch die eigene Härte wie gestört diese Gesellschaft ist, in der Jugendliche aufwachsen. So war auch die fünfte Staffel ein Appell für das subversive Potential der Jugend, sich gegen eindämmende Tendenzen wie Leistungsdruck, hegemoniale Männlichkeit und Schönheitsidealen zu brechen. Die sechste Staffel arbeitet mit derselben Generation von Jugendlichen und stellt dennoch einen enormen Qualitätsabfall zur vorigen Staffel dar. 

Wir beginnen mit der ersten Folge "Everyone", die eine der schwächsten der Serie überhaupt darstellt. Absurderweise werden ungelöste Probleme der fünften Staffel generell ignoriert und die Clique als vollständiger Freundeskreis etabliert. Darüber hinaus können sie einen Trip ins Ausland finanzieren, was gerade in Hinblick auf die Folge rundum Alo (Will Merrick, Alles eine Frage der Zeit) aus der Vorgänger-Season sehr unwahrscheinlich wirkt.  Außerdem spinnt die Folge unheimlich oberflächliche Beziehungen und Interaktionen, wodurch sein ein Abbild von der Jugend darstellt, gegen das sie eigentlich revolutionieren möchten. 

Die zweite Folge rundum Rich (Alex Arnold, The Salvation) stellt ein absolutes Highlight dar. Noch stärker als die Folgen über die Liebesbeziehung zwischen Mini (Freya Mavor, Vom Ende einer Geschichte) und Alo, unterrichtet uns diese harte Episode über die Unerträglichkeit des Liebens. Die Episode versteht das verletzende Potential und zeigt, dass es keine Garantie für die Erfüllung gibt, dass das Schicksal in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt. Die Liebe zwischen Jugendlichen wird (wie allzu oft leider nicht) als "echte" Liebe verstanden und entzieht sich jeglichem Kitsch: Auch wenn man alles perfekt zu sein scheint, kann das Glück schlagartig ein jähes Ende finden.

Franky (Dakota Blue Richards, Der Goldene Kompass)wird leider zu einem gänzlich uninteressanten Charakter degradiert. Die Serie möchte uns zeigen, dass sie sich von dem schüchternen Mädchen aus Staffel 5 zu einer wahrhaftigen Draufgängerin entwickelt hat. Diese Entwicklung wird nur durch die Erlebnisse aus der ersten Episode erklärt, was nochmals zeigt, wie missraten diese ist. Schließlich verfolgt sie ausschließlich den Zweck, Logiklücken aus den folgenden Episoden eine einigermaßen vernünftige Erklärung zu sichern. Skins hat mit besonderen Charakteren gearbeitet oder die Normalität besonders behandelt. Mit Franky bekommen wir hier eine Jugendliche, die ihren Frust im Extremen bewältigt. Das ist leider weder subversiv, noch interessant diskutiert oder umgesetzt. 

Nick (Seane Teale, The Bible)ist leider ähnlich uninspirierend ausgefallen. Aus einem Bad Boy wird ein absoluter Good Guy. Ganz nah am linksliberalen Zeitgeist zeigt uns die Serie hier, dass hinter jeder harten Fassade doch ein weicher Kern steckt und in jedem eigentlich ein guter Mensch. Das ist eine solcher Allaussagen, die eine möglichst breite Masse treffen möchte, weil wir doch alle den Glauben an das Gute im Menschen haben möchten. Die maskulinistische Hülle war hier jedoch das eigentlich Interessante. So entsteht ein Charakter ohne Ecken und Kanten und vor allem auch ohne wirkliche Bedeutung. 

Liv (Laya Lewis, Jekyll & Hyde) war schon in der vorigen Staffel ein eher problematischer Charakter, der sich praktisch nur durch die Beziehungen zu anderen Charakteren definiert. Auch hier bereichert sie die Staffel nur um eine weitere niedergedrückte Geschichte, die die Ausuferungen restlicher Geschichten manifestiert. Generell fühlt sich die sechste Staffel zwanghaft deprimierend an und eher wie eine konzeptlose Weiterentwicklung der vorigen Staffel. 


Technischer Part

Die DVD von Studio Hamburg Enterprises (VÖ: 13. 07. 18) kommt mit gewohnt solider Bild- und Tonqualität daher. Die Bilder wirken sowohl im Nahen als auch in der Totale scharf, der Ton wirkt klar und die Farbgebung sehr angenehm. Leider wurde auf Bonusmaterial verzichtet, weshalb sich die Veröffentlichung wohl nur als durchschnittlich bezeichnen lässt.




Fazit

Die fünfte Staffel verstand es, eine kollektive Kritik zu verkörpern. Die sechste Staffel ist nun nur noch an Einzelschicksalen interessiert und nicht mehr an strukturellen Problemen, die auf einer gesamten Generation lasten. So entsteht eine banale Aneinanderreihung von individualistischen Geschichten, die zu keinem subversiven Befreiungsschlag mehr reichen.

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