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Road to "Spectre" - Unsere große James Bond Retrospektive: Teil 9

von Pascal Reis

Mit ganzen sechs (unfreiwilligen) Jahren kreativer Pause im Rücken kehrt er zurück, der stetig (durch-)geladene Agent, dem Großbritannien vertraut und die Frauenwelt zu Füßen liegt, auch wenn das einige gebrochene Herzen kostet: James Bond. Und tatsächlich gibt „James Bond 007 – GoldenEye“ in der aufwändigen Pre-Titel-Sequence direkt mal einen Fingerzeig dahingehend, wie gerne die Reihe den Zuschauer doch in das schiere Staunen versetzt – und wie gerne wir uns ebenfalls vor der Mattscheibe in diesen eskapistischen Bann ziehen lassen. Danach aber herrscht (mal wieder) Stillstand, der kalte Krieg ist vorbei, die Nachwehen dessen lassen dennoch gehörig Alarmschlagen und die Russen machen Stunk, wollen nicht nur den Finanzmarkt sabotieren, sondern schnappen sich auch das titelgebende, mit einer Atombombe beladene Satelliten-System, um persönliche Rachegelüste im Notfall mit einem ordentliche Bumm auszuleben. Das mag durchaus nach James Bond aussehen, ist aber größtenteils ohne echte Zugkraft in Szene gegossen und den fetzigen ersten Minuten gnadenlos unterlegen (bis auf die Panzer-Aktion in Sankt Petersburg, da traut sich „James Bond 007 – GoldenEye“ noch einmal, die großen Kaliber aufzufahren). An vorderster Stelle dann natürlich der Personalwechsel, der eigentlich schon 1987 erfolgen sollte: Pierce Brosnan trägt den Doppelnullstatus und damit auch das tonangebende Zepter, wird dann aber auch in der wohl besten Szene direkt von Judi Dench, die nun M geben darf, zusammengefaltet. Sein James Bond mag die äußerlichen Attribute für die Rolle mitbringen, ist athletisch und disponibel, aber ohne ansprechende Akzente konturiert worden. Allgemein ist „James Bond 007 – GoldenEye“ ein maximal netter, formelhafter 90s-Action-Happen, antiquiert, selten wirkungsvoll, Eric Serra scheint ab und zu gedacht haben, „Beverly Hills Cop“ vor der Nase zu haben, aber eben auch – das muss man berücksichtigen - der schwierige Startschuss einer neuen Ära. Da geht noch was.

von Pascal Reis

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