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Videospiel "Rhythm Paradise Groove" im Test

OnealRedux

Von OnealRedux in "Rhythm Paradise Groove" - Videospiel - Test / Review

Videospiel "Rhythm Paradise Groove" im Test Bildnachweis: © Nintendo

Wer Nintendo nur mit Mario, Zelda oder Pokémon verbindet, übersieht seit Jahren eine der ungewöhnlichsten Reihen des Unternehmens: Rhythm Paradise war nie Blockbuster, nie System-Seller und wahrscheinlich genau deshalb immer ein wenig unterschätzt. Umso schöner ist es, dass Nintendo dieser kleinen Kultserie nach über einem Jahrzehnt endlich einen neuen Ableger spendiert. Und schon nach den ersten Minuten wird deutlich, warum Fans so lange auf diese Rückkehr gehofft haben. Kaum ein anderes Spiel besitzt einen vergleichbaren Ideenreichtum, wenn es darum geht, aus einfachen Rhythmusübungen immer neue, herrlich absurde Spielsituationen entstehen zu lassen.

Wer Rhythm Paradise bislang nie gespielt hat, könnte den minimalistischen Stil schnell unterschätzen. Ein paar Knöpfe im Takt drücken – viel mehr scheint das Spiel auf den ersten Blick nicht zu sein. Doch genau wie bei den Vorgängern steckt hinter dieser simplen Fassade eine erstaunlich raffinierte Spielidee, die Kreativität, Humor und Rhythmusgefühl zu einem der eigenständigsten Erlebnisse im Nintendo-Portfolio verbindet.

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Gameplay: Ein Takt, unzählige Ideen

Das Grundprinzip bleibt auch im neuesten Teil angenehm unkompliziert. Jede Aufgabe verlangt lediglich, Eingaben möglichst präzise im Rhythmus der Musik auszuführen. Mal wird ein Fußball mit der Brust angenommen, im nächsten Moment regnet es Herzen, die ein kleiner Dino möglichst punktgenau verschlingen muss. Kurz darauf hämmert man Dosen platt, zieht einer Zwiebel blitzschnell Barthaare aus oder produziert einen Werbespot für ein Auto.

Das Faszinierende daran ist, wie konsequent Nintendo jede Idee nach wenigen Minuten wieder verwirft. Über 80 Minispiele sorgen dafür, dass kaum Langeweile aufkommt. Sobald man glaubt, das Spiel verstanden zu haben, folgt bereits der nächste völlig absurde Einfall. Gerade diese permanente Abwechslung macht einen Großteil des Reizes aus. Man spielt nicht, weil man unbedingt das nächste Level sehen möchte, sondern weil man schlicht neugierig darauf ist, welchen Unsinn sich die Entwickler als Nächstes ausgedacht haben.

Jedes Minispiel beginnt mit einer kurzen Einführung, die das benötigte Rhythmusgefühl vermittelt. Danach folgt die eigentliche Herausforderung, an deren Ende eine Bewertung wartet. Wer besonders sauber spielt, erhält Medaillen, die wiederum weitere Inhalte freischalten. Nach jeweils vier abgeschlossenen Aufgaben wartet außerdem ein Remix, der sämtliche zuvor gelernte Mechaniken in einem komplett neuen Musikstück miteinander kombiniert. Gerade diese Remix-Stages gehören zu den absoluten Höhepunkten des Spiels und beweisen eindrucksvoll, wie clever Nintendo seine Ideen immer wieder neu zusammensetzt.

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Zwischen Groove und Perfektion

Gerade weil sich Rhythm Paradise Groove zunächst so zugänglich präsentiert, überrascht es mit seinem Anspruch. Anfangs genügt ein gutes Rhythmusgefühl, später verlangen viele Aufgaben jedoch höchste Präzision. Zwei Tasten mögen simpel wirken, tatsächlich entstehen daraus überraschend komplexe Eingabefolgen, die Konzentration und Timing gleichermaßen fordern.

Besonders gelungen ist dabei, wie das Spiel seine musikalischen und visuellen Hinweise miteinander verbindet. Zwar funktioniert vieles allein über den Takt, gleichzeitig liefern Animationen, Bewegungen und kleine Gesten der Figuren zusätzliche Orientierung. Manche Charaktere hüpfen passend zum Beat, andere geben kurze Signale oder reagieren unmittelbar auf gelungene beziehungsweise misslungene Aktionen. Dadurch entsteht ein Spielfluss, der fast intuitiv wirkt.

Indes erzählen genau diese Animationen gleichzeitig kleine Geschichten. Ein schlecht getroffener Fußball trudelt unbeholfen davon, statt elegant im Tor zu landen. Ein Gemüse fällt zu Boden und wird von einer Katze gestohlen. Zwei Flusskrebse quittieren den verpassten Einsatz mit einem missbilligenden Blick. Es sind winzige Details, die spielerisch kaum Bedeutung besitzen, dem gesamten Erlebnis aber einen enormen Charme verleihen. Immer wieder musste ich während des Spielens schmunzeln, weil Rhythm Paradise selbst kleinste Fehlschläge in humorvolle Situationen verwandelt.

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Beatspell überrascht

Neben der eigentlichen Minispielsammlung spendiert Nintendo dem neuen Teil mit Beatspell einen eigenständigen Story-Modus, der sich überraschend umfangreich präsentiert. Statt lediglich einzelne Rhythmusübungen aneinanderzureihen, bewegt man sich hier durch eine Fantasy-Welt, kämpft gegen Monster und setzt Zauber mithilfe bestimmter Tastenkombinationen im Takt ein.

Was zunächst wie eine nette Dreingabe klingt, entwickelt sich schnell zu einer der größten Überraschungen des Spiels. Neue Zauber, Ausrüstung sowie unterschiedliche Gegner mit individuellen Stärken und Schwächen sorgen dafür, dass Beatspell weit mehr ist als nur ein verlängertes Tutorial. Natürlich ersetzt dieser Modus kein vollwertiges Rollenspiel, dennoch bringt er genügend eigene Ideen mit, um dauerhaft zu motivieren und das Gesamtpaket sinnvoll zu erweitern.

Auch abseits davon bietet Rhythm Paradise Groove reichlich Beschäftigung. Der lokale Multiplayer liefert zahlreiche zusätzliche Minispiele für gemeinsame Abende auf der Couch und erinnert dabei angenehm an WarioWare oder Mario Party. Gerade hier entfaltet der besondere Humor des Spiels seine ganze Stärke.

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Wenn das Spiel sich selbst im Weg steht

So viel Kreativität Rhythm Paradise Groove auch besitzt, ganz ohne Stolpersteine bleibt die Rückkehr leider nicht.

Ausgerechnet ein Spiel, das an einer Stelle selbst verkündet, dass der Spaß im Mittelpunkt stehen soll, zeigt sich später überraschend kompromisslos. Neue Minispiele werden nur freigeschaltet, wenn vorherige Aufgaben bestanden wurden. Einen Schwierigkeitsgrad sucht man ebenso vergeblich wie die Möglichkeit, besonders knifflige Passagen einfach zu überspringen. Wer an einer bestimmten Rhythmusfolge scheitert, muss üben – und zwar so lange, bis es klappt.

Noch irritierender wirkt allerdings, dass das Spiel gleichzeitig kaum Rückmeldung über die eigene Leistung gibt. Weder Präzision noch Fehlerquote werden angezeigt. Man weiß zwar, dass etwas nicht gestimmt hat, erfährt aber nicht, warum genau die Bewertung schlechter ausgefallen ist. Gerade für ein Rhythmusspiel wirkt diese Entscheidung ungewöhnlich.

Auch Beatspell koppelt seinen Fortschritt teilweise an Medaillen. Wer den Story-Modus vollständig erleben möchte, muss also regelmäßig besonders gute Ergebnisse erzielen. Das sorgt stellenweise für unnötigen Frust, weil der Spielfluss künstlich ausgebremst wird.

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Zwischen Kunstprojekt und Techniklabor

Optisch bleibt Rhythm Paradise Groove seiner Linie treu. Cartoon-Figuren treffen auf echte Fotografien, minimalistische Zeichnungen wechseln sich mit völlig absurden Szenerien ab und nahezu jedes Minispiel besitzt einen eigenen Stil. Diese Mischung wirkt manchmal beinahe wie ein experimentelles Kunstprojekt und passt hervorragend zur gesamten Identität der Reihe.

Weniger gelungen präsentiert sich hingegen alles außerhalb der eigentlichen Spielabschnitte. Das Hauptmenü fällt überraschend schlicht aus und wirkt fast schon unfertig. Hinzu kommt die konsequente Nutzung einer Text-to-Speech-Sprachausgabe. Zwar erfüllt diese ihren Zweck und verbessert sogar die Barrierefreiheit erheblich, da sich Rhythm Paradise Groove dadurch nahezu vollständig ohne Bild spielen lässt, dennoch hätte eine optionale klassische Vertonung dem Spiel gutgetan.

Indes gelingt Rhythm Paradise Groove etwas, woran viele Genrevertreter scheitern. Trotz seiner Eigenheiten verliert es nie seinen unverwechselbaren Charakter. Jede Animation, jeder Song und jedes Minispiel wirken mit einer solchen Liebe zum Detail gestaltet, dass kleinere Schwächen immer wieder in den Hintergrund rücken.


Fazit

Rhythm Paradise Groove ist die Rückkehr einer Nintendo-Reihe, die viel zu lange in Vergessenheit geraten war. Die enorme Ideenvielfalt, der feine Humor und die hervorragend umgesetzten Rhythmusmechaniken machen das Spiel zu einem der kreativsten Titel des Jahres. Besonders Beatspell und die großartigen Remix-Stages erweitern das klassische Konzept sinnvoll.

Schade nur, dass ausgerechnet Komfortfunktionen, Transparenz bei den Wertungen und technische Optionen nicht auf demselben Niveau liegen. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält jedoch ein herrlich schräges Rhythmusspiel, das mit jedem neuen Beat beweist, warum Rhythm Paradise zu den außergewöhnlichsten Serien gehört, die Nintendo jemals hervorgebracht hat. Als Party-Spiel einfach der Kracher für Daheim. 

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