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"Ihr könnt mich mal!": Interview mit Uwe Boll

von Sebastian Stumbek

Er ist Amerikas meistgehasster Regisseur: Über 30 Filme produzierte der Deutsche Uwe Boll im Laufe seiner Karriere, die meisten davon schrieb und inszenierte er selbst. Er ist einer der produktivsten, aber auch einer der umstrittensten Autoren und Regisseure, die jenseits des Atlantiks Karriere gemacht haben. Er machte das Genre der Videospiel-Verfilmung populär, legte vier der erfolgreichsten Filmfonds auf, bekam die Goldene Himbeere für sein Lebenswerk. Seine Filme sind Gewaltorgien und überschreiten Grenzen, nicht erst seit "Postal", seiner Farce über die Attentate von 9/11. Seine Fans lieben seine Arbeit, seine Kritiker verachten ihn. Hassmails und Morddrohungen füllen sein E-Mail-Postfach. Jetzt, nach 30 Jahren im Filmgeschäft, blickt Uwe Boll zurück. Ohne Rücksicht auf sich und auf andere. 

Seit dem 25. August ist Uwe Bolls Autobiographie "Ihr könnt mich mal!: Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas" im Handel erhältlich. Wir nahmen den Release zum Anlass, Uwe Boll einige Fragen zum Buch, zu seiner Karriere und über das Leben zu stellen. 


Moviebreak: "Ihr Könnt mich mal!" lautet der Titel deines Buches. Wer darf sich hier angesprochen fühlen?
Uwe Boll: Die Filmbranche und Kritiker.

Moviebreak: Wie genau lief die Arbeit zu "Ihr könnt mich mal!" ab? War es einfach für dich, über dein Leben und deine Arbeit zu schreiben?
Uwe Boll: Nein, es dauerte 2,5 Jahre um die 240 Seiten vollzupacken, aber das war es wert und im Nachhinein auch nicht verkehrt sich Zeit zu lassen und viele Kapitel immer wieder umzuschreiben bzw. zu ergänzen.

Moviebreak: Was erfährt man in deinem Buch an Neuem? Gerade für Leute, die deine vielen Videos, Kommentaren und Interviews aufmerksam verfolgt haben.
Uwe Boll: Sehr viele Insiderinfos über die Branche und vor allem über meine Kindheit und Jugend und die ersten 10 Jahre meines Regieschaffens. Davon habe ich in den Kommentaren nie geredet.

Moviebreak: Kannst du dir vorstellen, in Zukunft weiterhin als Autor tätig zu sein? Möglicherweise als Drehbuchautor, oder als Romanautor?
Uwe Boll: Nein.

Moviebreak: Kleines Gedankenspiel: Dein Buch wird verfilmt. Wer sollte Regie führen?
Uwe Boll: Werner Herzog.
Moviebreak: Wer dagegen wäre dein Albtraum?

Uwe Boll: Wim Wenders. Oder schlimmer Terrence Malick.

Moviebreak: Während deiner Karriere hast du mit einer Vielzahl von Schauspielern zusammengearbeitet. Vom ehemaligen „Lindenstraße“-Darsteller bis hin zum Hollywood-Actionstar war alles dabei. Lernt man die Menschen während des Drehs wirklich kennen, oder bleiben es letztlich Fremde?
Uwe Boll: Man hat eine kurze intensive Zeit, da sieht man sich täglich 12 Stunden und zwischen den Takes redet man oft …. man geht essen etc.!  Aber sobald der letzte Take im Kasten ist, ist alles vorbei und alle hauen ab und man sitzt alleine im Schneideraum oder der Vertonung. Dann bei der Nachsynchro sieht man sich nochmal und gfs. bei der Premiere. Zu manchen hält man E-Mail Kontakt, wie ich zu Brendan Fletcher, Michael Paré, Clint Howard, Dominic Purcell und Til Schweiger

Moviebreak: Du warst immer dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Du hast dich immer wieder sehr klar geäußert, etwa zu Leistungen deiner Darsteller und Dingen, die hinter der Kamera passiert sind. Tut es dir manchmal leid, wenn du schlecht über bestimmte Personen redest? Gab es von Leuten wie Tara Reid oder Michael Madsen eine Reaktion auf deine Äußerungen?
Uwe Boll: Es kam nie eine Reaktion. Ich war immer offen und ehrlich und habe gute Leistungen auch gelobt.  Da ich von ca. 5 Mio. Leuten gebasht und bedroht wurde, braucht mir keiner von denen leid zu tun, die hoch bezahlt werden und einfach scheisse sind oder sich scheisse verhalten. 

Moviebreak: Wie gehst du mit all der Kritik und Hasskommentaren um? Prallt alles an dir ab, oder nimmst du dir bestimmte Dinge zu Herzen? Hast du darin vielleicht sogar eine Chance gesehen, deine Filme zu vermarkten?
Uwe Boll: Am Anfang ging es mir sehr nah, dann wurde es egal. Ich habe auch von negativen Kritiken gelernt und Dinge verändert.  All das Zeug hat beim Verkauf der Filme nicht wirklich geholfen.

Moviebreak: Mit wem würdest du heute gerne in den Ring steigen?
Uwe Boll: Donald Trump.  Friede seiner Asche bzw. seine Toupets …

Moviebreak: Wie bewertest du selbst rückblickend deine Arbeit als Regisseur? Auf welche Filme bist du besonders stolz, welche siehst du selbst kritisch?
Uwe Boll: Bei 32 Filmen ist keiner dabei, den ich jetzt hasse, aber viele, die eben simple Genreware waren und sicherlich keine filmhistorischen Meilensteine. Aber Darfur, die Rampage-Reihe, Tunnel Rats, Assault on Wall Street, Siegburg (aka. Stoic) und Postal sind super Filme und auch wichtige Filme.  

Moviebreak: Vor 10 Jahren erschien "Postal". Für viele gilt die Satire als eines deiner besten Werke. Unabhängig von deinem Rücktritt im Regiefach: Würde dich ein zweiter Teil nicht reizen? Waren es früher u.a. George W. Bush und Al-Qaida, über die du dich lustig gemacht hast, würden sich heute doch Donald Trump und der IS anbieten. Oder wäre ein "Postal 2" für dich letztlich nur eine Wiederholung und daher uninteressant?
Uwe Boll: Doch! Sogar eine Postal TV-Serie wäre super, aber wer hätte die Eier sowas im TV zu zeigen?  Wir leben in einer Welt der Selbstzensur, um ja keinem auf den Schlips zu treten. Wie soll da Postal 2 gehen?  Postal 1 ist meiner Meinung nach unerreicht.

Moviebreak: An welchen Filmen hättest du gern noch gearbeitet? Gibt es Projekte und Ideen, die du in deiner Karriere gern verwirklicht hättest, es aber nie dazu kam?
Uwe Boll: Hatte ein Wikinger Projekt und einen Thriller:  12 HOURS ….das wären gute Filme, wenn man sie richtig macht. Geht aber mit 500.000 Euro nicht - und mehr kann man im Moment weltweit nicht recoupen.

Moviebreak: Trotz Großproduktionen wie "Assassin's Creed" oder "Warcraft" haben es Videospielverfilmungen immer noch schwer beim Publikum und an den Kinokassen. Woran hapert es in dem Bereich?
Uwe Boll: Die Fans sind auch alle illigale Downloader und die Filme kamen auch nie an die Marvel Filme etc. ran. 

Moviebreak: Wie sieht dein heutiger Alltag aus, fernab vom Filmgeschäft? Gibt es Dinge, die du an deiner damaligen Arbeit vermisst, oder genießt du dein neues Leben in vollen Zügen?
Uwe Boll: Ich bin täglich beschäftigt mit dem Verkauf von Filmen, Interviews, Familie, Hunden und dem Restaurant in Vancouver: www.bauhaus-restaurant.com

Moviebreak: Dürfen wir irgendwann mit einem Comeback rechnen? Was müsste geschehen, um dich dazu zu bewegen?
Uwe Boll: Wenn ich mit Filmen wieder zumindest kein Geld verliere, dann komme ich zurück. 


Vielen Dank an Uwe Boll für das Interview.
Das Interview führten siBBe und Stu für Moviebreak.

"Ihr könnt mich mal!: Vom Kurzfilmer in Burscheid zum meistgehassten Regisseur Amerikas" ist seit dem 25. August im Handel erhältlich. Auf Moviebreak könnt ihr aktuell auch drei Exemplare gewinnen.

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