Inhalt
Die alleinerziehende Mutter Pam und ihr Sohn Jason leben in einer typisch amerikanischen Kleinstadt. Als ein tragisches Ereignis Pams Leben aus der Bahn wirft und sie von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die Crystal Lake in Angst und Schrecken versetzt.
Kritik
Die Freitag der 13. Reihe gehört zweifelsohne zu den ikonischsten Horrorreihen überhaupt. Auch wenn die Qualität der Filme nie besonders gut gewesen ist, konnte die Reihe in den letzten 40 Jahren zahlreiche Fans für sich gewinnen. Crystal Lake beschäftigt sich nun mit den Ereignissen rund um Pamela und Jason Vorhees, die zum Beginn der Horrorikone geführt haben. Wenn man aber sieht, dass eine Serie über eine stumpfe Slasher-Reihe von A24 produziert wird, darf man schon stutzig werden, für wen die Serie überhaupt gemacht wird. Werden Fans mit dem allgemeinen Anspruch von A24 Produktionen warm werden? Werden Zuschauer, die nicht Fan der Reihe, aber dafür interessiert an guten Serienstoffen sind, überhaupt durch Crystal Lake abgeholt?
Man sollte sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass die Serie versucht, sowohl auf der tiefgründigen- als auch auf der Slasher-Party zu tanzen, wodurch zwar für jeden etwas dabei sein dürfte, was aber auch zu einem tonalen Ungleichgewicht führt. Denn auf der einen Seite sind die wirklich sehr zahlreichen Kills mit guter, handgemachter Gewalt versehen und schrecken gore-technisch vor nichts zurück. Gesichtshälften werden weggeschnitten, Kiefer weggebrochen und Augäpfel aus dem Kopf rausgedrückt. Da dürfen sich Fans des Genres definitiv drauf freuen und auch die ikonischen POV- Perspektiven werden zuhauf eingesetzt und sorgen durchaus für starke, überraschende Momente. Aber auf der anderen Seite erzählt die Serie eben von einer schwer traumatisierten Mutter, die mit großer Trauer und schlimmen Erlebnissen ihrer Vergangenheit und Gegenwart zu kämpfen hat. Auch wenn die Drastik der Mittel, zu denen sie greift, vielleicht nicht rational verargumentierbar sind, ist man als Zuschauer immer auf Pamela Vorhees Seite und versteht ihre Beweggründe im Laufe der Serie immer besser. Doch irgendwie wollen die verdammt unterhaltsamen Kills in ihrer Inszenierung nie mit der gefühlvollen und im Kern tragischen Geschichte zusammenpassen, auch wenn beide Elemente gesondert voneinander funktionieren.
Dass die Geschichte und ihre Charaktere die meiste Zeit über nachvollziehbar für den Zuschauer sind, liegt vorallem am guten Schauspiel. Besonders Linda Cardellini (Dead to Me) in der Hauptrolle und William Catlett als Polizeichef und Freund und Love Interest von Pam Vorhees wissen mit Authentizität zu überzeugen.
Trotz des guten Schauspiels, der gut inszenierten Gewaltmomente und der tragischen Grundgeschichte gibt es, abgesehen von der tonalen Ungleichheit, noch ein weiteres Problem, an dem sich vielleicht nicht jeder stören wird. Denn die Grundstruktur der Serie sorgt dafür, dass man als Zuschauer zu jedem Zeitpunkt mehr weiß als die meisten Charaktere in der Serie. Der Gedanke dabei, nämlich die Widersprüchlichkeit in Pamelas Charakterzügen und ihren Kills hautnah mitzuerleben, während die anderen Menschen der Kleinstadt sich nicht erklären können, was passiert, ist verständlich. Jedoch sorgt diese Struktur aber auch dafür, dass es der Serie schwerfällt, jemals Spannung aufzubauen. Bis zur siebten Folge, in der der Zuschauer essenzielle, neue Informationen bekommt, sehen wir nur einem Mysterium zu, was für uns nie eins ist.
Fazit
"Crystal Lake" ist eine Miniserie, der trotz ihrer guten Grundelemente nie die Grandwanderung zwischen tragischem Drama und unterhaltsam brutalem Horror gelingt. Wenn man aber weiß, worauf man sich einlässt, kann man gerne einen Blick riskieren, sollte sich aber nicht wundern, von einer der beiden Seiten der Medaille der Serie enttäuscht zu werden.