Bildnachweis: © Concorde Home Entertainment

"Bellevue" - Kritik - Staffel 1

von Thomas Repenning

Eine ruhige mysteriöse Kleinstadt-Idylle, eine taffe Ermittlerin mit viel psychologischem Gepäck sowie ein Fall, der schlaflose Nächte bedeutet. An Zutaten mangelt es der kanadische Mystery-Miniserie Bellevue von Jane Maggs und Adrienne Mitchell nun wahrlich nicht. Hinzukommt, dass die kanadische Natur wie ein Gemälde im Hintergrund fungiert und so samtgleich eine bedrohliche Kulisse rund um die Kleinstadt aufbaut. Wenn schließlich noch True Blood Star sowie Oscar-Gewinnerin Anna Paquin (beste weibliche Nebenrolle in Das Piano) auftritt, scheint die Mixtur perfekt zu sein. Fast zumindest. Denn so eindringlich der Auftakt auch sein mag, die Kuriositäten und das eigentliche Rätsel geraten im Laufe der insgesamt 8 Folgen mehr und mehr in den Hintergrund. Was bleibt ist eine charmante wie spannende Krimi-Serie, die so aber schon unzählige Male anders erzählt wurde. Und dennoch: Krimi-Fans dürften hier jede Menge Spaß beim Entdecken haben. Dies lohnt sich zudem. Denn CBC hat bereits eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, die weitere dunkle Seiten aufzeigen wird. Seit dem 22.02.2018 ist Bellevue dank Concorde Home Entertainment auf DVD/BD im Handel erhältlich. Wir haben einen genaueren Blick riskiert.

Story

Eine schöne Kleinstadt, in der die Menschen noch aufeinander achten - oder nicht? Als ein Transgender-Teenager aus Bellevue vermisst wird, befasst sich Kommissarin Annie Ryder mit dem Fall. Annie fühlt sich selbst wie ein Außenseiter in ihrer Heimatstadt und die Bewohner des idyllischen Ortes reagieren verschlossen auf alle Ermittlungsversuche. Zudem taucht ein mysteriöser Fremder auf, der mit seinen Rätseln auf eine Verbindung zu einem längst vergessenen Fall hinweist und Annie mit ihren schlimmsten Albträumen konfrontiert.

Schon zu Beginn macht Bellevue einen sehr bekannten Eindruck: Während sich die gutbürgerliche Kulisse entfaltet, gibt es schnell eine Gemeinschaft zu sehen, die angesichts des Endes der Kohleförderung vor dem existentiellen Ruin steht. Missgunst, Hoffnungslosigkeit und Ungewissheit machen sich breit. Doch Bellevue ist noch mehr. Wie schon bei Trapped - Gefangen in Island ist es die Bevölkerung an sich, die ein Deckmantel des Schweigens auf die Handlung legt. Kein Wunder. Während das bisherige scheinbare beschauliche Leben sich in einen Abgrund verwandelt, möchte die Bevölkerung zumindest den Anschein wahren. Und da gerät ein Transgender schnell in den Fokus. Hier folgt dann auch der Auftritt der taffen Ermittlerin Annie Ryder (wirklich gut und energievoll von Anna Paquin gespielt), die durch ihr sehr imposantes Auftreten gerne in ihrer Stadt aneckt. Twin Peaks war hier an vielen Stellen etwas Vorlage, während sich das psychologische Profil inklusive eines kindlichen Traumas ausbreitet. Nun hat Annie selber eine Tochter, einen brisanten Fall und jede Menge unangenehmer Fragen.

Doch hier beginnt Bellevue erst mit seinem Spiel: Wo nach und nach die furchtbare Wahrheit enttarnt wird, gibt es mit ihrer eigenen Vergangenheit einen zweiten Handlungsbogen, der zudem einige Rückblicke spendiert bekommt. Allerdings erweist sich dies für die Serie als schlechte Wahl. Während sich die Handlungsstränge vermischen und der Fall etwas aus dem Fokus gerät, bleibt auch der Zuschauer etwas auf der Strecke. Etwas mehr Konzentration hätte der Geschichte nicht geschadet. Dafür ist aber der Output am Ende gravierend und gut inszeniert – ohne Frage, Bellevue ist spannende Genre-Kost. Dies zusammen mit der sehr dichten Atmosphäre und der durchaus guten Kamera, ergibt dann den angenehmen Rahmen für die Jagd nach der Wahrheit. Letztlich bleibt zwar vieles bekannt, aber gerade Anna Paquin sowie der mysteriöse Ort an sich können vollends überzeugen und bieten gute Genre-Kost für Liebhaber.

Blu-Ray

Die Blu-Ray von Concorde Home Entertainment ist technisch insgesamt auf einem guten Niveau. Das Bild ist kräftig, scharf und kontrastreich. Der Ton – vorliegend in Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1 – ist gut abgemischt und erzeugt einen tollen Raumklang. Auch die deutsche Synchronisation wurde gut umgesetzt, sodass gut gewählt werden kann. An Extras gibt es ein paar interessante Interviews.

Fazit

Ein wirkliches Novum ist Bellevue für das Genre nicht. Und dennoch: Die Mischung aus Mystery, Krimi und geheimnisvoller Kleinstadt weiß zu gefallen. Auch weil Anna Paquin als energievolle Ermittlerin mit dramatischer Vergangenheit überzeugen kann. Dieser Abstecher in die kanadische bröckelnde Kleinstadt-Idylle lohnt sich trotz einiger Schwächen durchaus. Bleibt aber zu hoffen, dass die zweite kommende Staffel etwas mehr Fokus besitzt und sich nochmals in Sachen Dramatik steigern kann. Spätestens 2019 wissen wir mehr.

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