Den Krieg belässt Andrey Zvyagintsevs pessimistischer Thriller gezielt außerhalb des Sichtfelds, doch seine Konsequenzen und Korrumpierung sind bedrückend präsent. Männer werden zu militärischen Ressourcen, Frauen zu Trophäen in einem Besitzkampf. Der anonyme Schauplatz einer russischen Kleinstadt atmet nicht zufällig die repressive Aura des Stalinismus. Gleich kühl komponierten Tableaus verleihen die Einstellungen jedem Detail moralische Metaphorik. Verborgen in einem Labyrinth aus Bürokratie und Propaganda ist das Monstrum nicht allein der Krieg, sondern der eigene humanistische Integritätsverlust.