Der sparsame Umgang mit der Blutrünstigkeit und Perversion, für die Klaus Barbie berüchtigt war, entspricht dem inszenatorischen Formalismus László Nemes gediegenen Geschichtskinos. Dessen visuelle Nähe zum Protagonisten überbrückt nie die emotionale Entfremdung eines Charakters ohne menschliche Schwächen und Widersprüche. Dialoge liefern trockene Exposition und Nebenfiguren erfüllen ihre rein funktionale Rolle, ohne dramatische Resonanz zu hinterlassen. Als Personifikationen moralischer Integrität und unmenschlicher Verrohung bleiben die zentralen Antagonisten ähnlich verflacht wie der zeitpolitische Kontext. Abstrahierte Angst trifft auf ästhetisierte Apotheose.