Leinwandjahr 2023: Die besten Kinostarts des Jahres

von Sebastian Groß

Hier unsere Top Liste der besten deutschen Kinostarts des Jahres, sortiert nach der offiziellen MB-Wertung, bzw. MB-Kritik. Jeder Titel der 2023 in die deutschen Kinos kam und min. um 8 Punkte Wertung von uns erhielt, wurde in die Liste aufgenommen.

Welcher Kinofilm war 2023 euer Liebling?

23: The Banshees of Inisherin

8/10

Mit großer Virtuosität entwirft McDonagh hier das kleine Biotop der irischen Küstengemeinde Inisherin, deren Bewohner*innen nicht einfach in ihren Eigenschaften dargestellt, sondern in ihrer Mundart und Lebenshaltung auf solch präzise Weise geschildert werden, dass sie sich in das zentrale Ereignis dieser dunklen Komödie einschreiben. Klug genug, das zentrale Ereignis – das Auseinandergehen einer Freundschaft – niemals zu einem echten Konflikt zu stilisieren, ist sich McDonagh bewusst, dass sich die wahre Tragik seiner Geschichte nicht aus der Bösartigkeit, sondern der Gleichgültigkeit speist.

22: Catch the Killer

8/10

Tristesse und Weltschmerz durchziehen diesen Thriller, der seine Spannung und Intensität nicht aus großen Getöse und Taschenspielertricks bezieht, sondern aus seiner mitreißenden, weil geerdeten Inszenierung.

21: Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben

8/10

[...] Die Balance zwischen augenzwinkernder Selbstironie und emotionaler Wirkung klappt beinahe immer. Storytechnisch wagt der Film leider wenig Neues, setzt aber dafür seine Figuren nahezu liebevoll in Szene – zusammen mit wohldosierten Gags und überzeugenden Effekten macht das erzählerische Schwächen größtenteils wett.

20: Evil Dead Rise

8/10

"Evil Dead Rise" vereint alle Attribute, die man sich von einem neuen Film aus dem Franchise wünscht: Er ist dreckig, bösartig, schaurig, brutal, spannend und äußerst unterhaltsam. Die Einleitung bis zum Fund des Necronomicon mag inszenatorisch etwas over the top geraten sein und wirklich Zeit, die Figuren näher kennenzulernen, bleibt bei dem enormen Tempo an aufkommenden Grausamkeiten auch nicht, doch ist das Meckern auf hohem Niveau. Für Horrorfans sicherlich ein Highlight in diesem Jahr.  

19: Im Taxi mit Madeleine

8/10

Ein nostalgischer Blick auf ein bewegtes Leben einer starken Frau. Die Jugend verfliegt schnell und was bleibt ist nur die Erinnerung daran. "Im Taxi mit Madeleine" plädiert dafür, sich seiner Vergänglichkeit stets bewusst zu sein und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die während einer einzelnen Taxifahrt entstanden ist. Das Drama ist hervorragend inszeniert, emotional, wunderschön, aber auch sehr traurig.

18: The Iron Claw

8/10

In "The Iron Claw" entfaltet sich ein zurückhaltendes Panorama familiärer Tragödien. Sean Durkins feinfühlige Regie und Zac Efrons metamorphische Brillanz verleihen dem Drama über die Macht von Familie und Institutionen eine schmerzliche Authentizität. Ein stiller Schrei, dessen Wirkung intensiver nachhallt, als es auf den ersten Blick scheint.

17: John Wick: Kapitel 4

8/10

In Zeiten, in denen so viele Actionfilme generischen Standard aus dem Computer liefern, ist "John Wick: Kapitel 4" ein echter Segen. Was das Team hier wieder an ausgeklügelten Choreografien und coolen Ideen auftischt, ist schlicht unglaublich gut und wird in nächster Zeit nur schwer getoppt werden können. Und höchst stilvoll in Szene gesetzt ist das Ganze selbstverständlich auch wieder. Dass die Reihe auf inhaltlicher Ebene keine Preise gewinnen wird, ist zu verschmerzen, kurzweilig bleibt der Film aber auch hier.

16: Joyland

8/10

Die staatliche Zensur, die Saim Sadiqs preisgekröntem Spielfilm-Debüt in seinem Heimatland widerfuhr, unterstreicht die politische Relevanz der vielschichtigen Handlung. Deren Mut zeigen nicht drastische Darstellungen, sondern die nuancierte Behandlung gesellschaftlicher Tabuthemen. Die pointierte Inszenierung verleiht den zwischen Komik und Tragik balancierenden Szenen mittels Kostümen, Requisiten und Schauplätzen wie dem titelgebenden Vergnügungspark einen sozialkritischen Subtext [...]

15: Der Killer

8/10

„The Killer“ ist das beste Beispiel für das Werk eines Filmemachers, der einfach mal wieder seinen Spaß haben will. Spannungsgeladen und herrlich elegisch ist diese Rache-Weltreise eines selbstgerechten Profi-Killers ein Unterhaltungsfest für die Sinne, das in jedem Moment voller neuen Ideen steckt.

14: Mission: Impossible - Dead Reckoning

8/10

"Mission: Impossible - Dead Reckoning Teil Eins" schleppt ein paar Schwächen mit sich herum, die aber nur geringfügig ins Gewicht fallen, denn die Produktion weiß, was ihr Publikum fordert: Tolle Action mit Tom Cruise. Genau das wird hier klar, poliert und meist auch durchaus Effizienz geboten. So sehr, dass die Reihe fast schon den Ruf des Unantastbaren innehat. Ob das gut ist, sei dahingestellt. Verdient haben es sich die Macher*innen aber definitiv.

13: Pearl

8/10

Deutlich cleverer als sein Vorgänger wird Ti Wests Spin-Off "Pearl" lediglich die enttäuschen, die sich Splatter und Gorefest wünschen. Stattdessen aber bekommt man ein wundervoll nuanciertes Psychogramm einer Mörderin geboten, welches es dem Publikum nie zu leicht macht und Hauptdarstellerin wie Co-Drehbuchautorin Mia Goth ein grotesk-buntes Podest baut.

12: Rebel - In den Fängen des Terrors

8/10

Emotional packendes Kriegs- und Familiendrama mit beeindruckenden Bildern und kreativen Ideen. Brutal, provokant und zutiefst aufwühlend. Adil El Arbi und Bilall Fallah liefern mit "Rebel - In den Fängen des Terrors" ihren bislang besten Film ab und stellen damit ihr Talent unter Beweis, das neugierig auf künftige Arbeiten macht.

11: Sparta

8/10

Mit "Sparta" ist Ulrich Seidl erneut ein großartiger Film gelungen: Eine Charakter- wie Milieustudie, die trotz sensiblem Thema Ambivalenzen aushält und in einer analytischen Schau in ein gefährliches wie tragisches Schicksal blickt . Am Ende bleibt ein hoffnungsloses Werk, das auf eine kaputte Welt blickt, in dem selbst Beschützerfiguren nur aus den falschen Gründen richtiges tun. Trost spendet der menschliche Blick, der sowohl hier als auch im Vorfilm, minutiös auf dem Innenleben seiner Figuren haftet.

10: Tár

8/10

[...] Jedes Detail der analytischen Inszenierung spiegelt eine Facette der perfiden Protagonistin, deren musische Brillanz sie nicht vor der fatalen Fehleinschätzung ihrer Stellung innerhalb eines rigiden Statussystems bewahrt. Hildur Guðnadóttirs kongenialer Soundtrack erweitert den Deutungsreichtum Todd Fields pessimistischen Dramas von Kunst und Konservativismus, Genie und Grausamkeit, Ichverlust und Identitätspolitik vor dem Hintergrund eines eindrucksvoll recherchierten Milieus.

9: A Thousand and One

8/10

[...] Die Siege, die A.V. Rockwells komplexe Charaktere ihrem antagonistischen Umfeld abringen, reflektieren die institutionalisierte Unterdrückung der Unterschicht und systemischen Rassismus in Form von Inhaftierung, Überwachung und Gentrifizierung. Exzellente Schauspielende, allen voran die bewegende Hauptdarstellerin, und die konfrontative Inszenierung, die Dokumentarismus vor den gängigen Revisionismus stellt, machen das packende Debüt zu einem Zeitbild von seltener Wahrhaftigkeit und Relevanz. 

8: Till - Kampf um die Wahrheit

8/10

[...] Dramaturgisch und emotional liegt der Fokus auf der Hauptfigur, die sich im Moment größter Trauer aus der passiven Opferrolle emanzipiert. Frei von Schnörkel, Sentimentalität und Sensationalismus ist die hervorragend gespielte und historisch differenzierte Würdigung der lange übersehenen Bürgerrechtlerin am effektivsten, wenn sie Humanismus und Unmenschlichkeit in unscheinbaren Alltagsmomenten enthüllt.

7: The Whale

8/10

Mit "The Whale" hat Darren Aronofsky einen brachial-zärtlichen Tanz zwischen bitterem (Selbst-)Mitleid und schmerzhaft aufrichtigem Humanismus gedreht, der zwar wie immer an Subtilität oder Feingefühl nicht interessiert ist, dafür aber Brendan Fraser in einer unvergesslichen Performance mit dem Publikum auf einen kathartisch-intensiven Passionsweg schickt.

6: Wie wilde Tiere

8/10

Geschickt erforscht "Wie wilde Tiere" die Dualität zweier Lebenswelten, die sich im selben Habitat nicht vereinbaren lassen. Die Charaktere zeichnen sich durch feingeschliffene Nuancen aus, während ihre Motivationen und Konflikte präzise wie eindringlich dargestellt werden. Die zurückhaltende Inszenierung glänzt durch ihre Substanz und die meisterhafte Darstellung von Machtlosigkeit.

5: Godzilla: Minus One

8,5/10

[...] Es geht nie um das Monster an sich, sondern um die Geschichten dahinter, um das Menschliche und in dem Falle hier um Krieg, Verzweiflung, Trauer, Schuld und Sühne. Diese Traumata eines ganzen Landes – versinnbildlicht in Form von Protagonist Ryunosuke Kamiki – sind nicht nur atemberaubend mit anzusehen, sondern sorgen am Ende auch für Gänsehaut. Godzilla selbst wird dabei zum wahren Alptraum hochstilisiert, wo sich intensive wie bedrohliche Action und Fassungslosigkeit abwechseln. Kurzum: Godzilla Minus One ist nicht nur einer der besten Monster-Filme der letzten Jahrzehnte, sondern der beste Godzilla Film der uns nach seinem Start 1954 erreicht hat. Punkt!

4: Saint Omer

8,5/10

In ihrem darstellerisch und dramaturgisch gleichermaßen herausragenden Spielfilmdebüt folgt Alice Diop den Verknüpfungen von Nähe, Ausgrenzung und Dissoziation auf sozialer, familiärer und individueller Ebene. Geprägt von ihrer kathartischen Auseinandersetzung mit dem Prozess der des Mordes angeklagten Fabienne Kabou entsteht ein ebenso intimes wie differenziertes Doppelporträt, dessen Protagonistinnen zugleich vertraut und unbekannt, gegensätzlich und spiegelgleich erscheinen [...]

3: Spider-Man: Across the Spider-Verse

8,5/10

Wenn der Vorgänger die Messlatte bereits so hochgelegt hat, geht es für das heißerwartete Sequel meistens enttäuschend aus. Nicht so bei "Spider-Man: Across the Spider-Verse", der qualitativ kaum abfällt. Die Geschichte mag beim Erstling noch einen Tick besser strukturiert gewesen sein, fällt aber auch hier weitestgehend mitreißend aus und hat jede Menge Herz. Darüber hinaus passt der Humor, der Ideenreichtum ist enorm und die Visualisierung zeigt sich durch und durch atemberaubend.

2: Sonne und Beton

8,5/10

Unglaublich dynamisch wie auch eindringlich setzte Regisseur David Wnendt den Roman von Felix Lobrecht um. „Sonne und Beton“ gehört ganz klar zu den Highlights des modernen deutschen Kinos. Ein Film, der triumphal Sensibilität und Kompromisslosigkeit zusammenführt. Das Ergebnis ist nicht nur eine Milieu-Studie, sondern auch ein Blick auf Söhne und ihre Mütter mitten im Moloch einer Trabantenstadt.

1: All the Beauty and the Bloodshed

9/10

P.A.I.N. wächst vom Namen der von Nan Goldin gegründete Initiative, deren taktischen Triumph gegen den Medikamenten-Monolithen der Sacklers Laura Poitras festhält, zum kongruenten Kernmotiv eines filmischen Vexierbilds. Darin verschmelzen charismatische Charakterstudie und politisches Pamphlet, Trubut und Tribunal zu einer kongenialen Komtemplation systemischer Unterdrückung: von Individualität, Authentizität, den Anderen, Ausgegrenzten, der Äußerung seelischen und körperlichen Leids, von Wahrheit und Rechenschaft. Eine cineastischen Chronik des Überlebenskampfs in einer feindseligen Gesellschaft, ebenso lakonisch wie lyrisch.


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