Dass Supergirl hinter den Erwartungen zurückblieb, könnte seine Ursachen weit vor dem Kinostart gehabt haben. Ein neuer Bericht von The Hollywood Reporter liefert nun zahlreiche Details über eine offenbar problematische Produktion, die von kreativen Meinungsverschiedenheiten, mehreren Umbauten in der Postproduktion und ungewöhnlichen Entscheidungen innerhalb der DC Studios geprägt gewesen sein soll. Besonders DC-Chef James Gunn rückt dabei in den Mittelpunkt.
Interne Machtprobe um die endgültige Fassung des Films
Nach Informationen des Branchenmagazins sollen Regisseur Craig Gillespie und James Gunn schon Monate nach Abschluss der Dreharbeiten unterschiedliche Vorstellungen davon entwickelt haben, wie Supergirl letztlich aussehen sollte. Statt sich auf eine gemeinsame Richtung zu einigen, sei es intern sogar zu einem ungewöhnlichen Vorgehen gekommen: DC Studios ließ offenbar zwei verschiedene Fassungen des Films testen – eine unter Gillespies Verantwortung und eine, die Gunn nach umfangreichen Änderungen selbst betreute.
Der Eingriff soll weit über gewöhnliche Studio-Notizen hinausgegangen sein. Gunn habe die Arbeiten an der Postproduktion maßgeblich übernommen, nachdem frühe Testvorführungen nicht die erhofften Reaktionen hervorgerufen hätten. Anschließend wurde mit Jeremy Slater (Mortal Kombat 2) ein weiterer Drehbuchautor hinzugezogen, zusätzliche Szenen entstanden während mehrtägiger Nachdrehs, zudem wechselten sowohl der Editor als auch mehrfach die musikalische Besetzung. Laut dem Bericht verschlechterten sich die Ergebnisse der Testscreenings trotz der zahlreichen Anpassungen jedoch kontinuierlich.
Hinter den Kulissen soll es erhebliche Spannungen gegeben haben
Mehrere mit der Produktion vertraute Personen schildern gegenüber The Hollywood Reporter, dass sich die kreativen Vorstellungen von Gunn und Gillespie kaum miteinander vereinbaren ließen. Ein Insider beschreibt die häufig verwendete Formulierung, beide seien lediglich „kreativ nicht auf einer Linie“ gewesen, sogar als beschönigend. Unterschiede habe es insbesondere bei der Gewichtung der Figuren gegeben:
Gillespies ursprünglicher Schnitt soll rund elf Minuten länger gewesen sein und dem von Matthias Schoenaerts gespielten Bösewicht Krem deutlich mehr Präsenz eingeräumt haben. Für die Kinoauswertung entschied sich das Studio letztlich jedoch für die von Gunn bevorzugte Version, die unter anderem auch eine von ihm ausgewählte Musikeinlage im Finale enthält.
Die neuen Enthüllungen zeichnen das Bild einer Produktion, die bereits lange vor ihrer Veröffentlichung mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Gleichzeitig dürfte der Bericht die Diskussion darüber neu entfachen, wie groß Gunns kreativer Einfluss innerhalb der DC Studios tatsächlich ist. Schließlich hatte der Filmemacher wiederholt betont, den Regisseur*innen seines neuen DC Universe möglichst große Freiheiten einräumen zu wollen – die nun bekannt gewordenen Abläufe zeichnen jedoch ein deutlich komplexeres Bild.