Marjane Satrapi ist tot. Die iranisch-französische Autorin, Comiczeichnerin und Regisseurin verstarb am 4. Juni 2026 im Alter von 56 Jahren in Paris. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre autobiografische Graphic Novel Persepolis, mit der sie Millionen Leser*innen ihre Kindheit im Iran und ihr Leben zwischen zwei Kulturen näherbrachte.
Die Künstlerin hinter "Persepolis"
Geboren wurde Satrapi 1969 im Iran. Ihre Jugend war geprägt von der Islamischen Revolution und dem Iran-Irak-Krieg. Als junge Frau zog sie zunächst nach Österreich und später nach Frankreich, wo sie den Großteil ihres Lebens verbrachte. Die Erfahrungen von Heimatverlust, Identität und Freiheit wurden zu den zentralen Themen ihrer Arbeit und machten sie zu einer wichtigen kulturellen Stimme weit über den Iran hinaus.
Ihren größten Erfolg feierte Satrapi mit Persepolis, das ab 2000 erschien. In dem Comic schilderte sie ihre Kindheit und Jugend während der politischen Umbrüche im Iran. Die Geschichte wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und gilt bis heute als eines der bekanntesten Comicwerke der Gegenwart.
Auch mit weiteren Büchern wie Sticken und Huhn mit Pflaumen bewies sie ihr Talent, persönliche Geschichten mit Humor, Emotionen und gesellschaftlichen Beobachtungen zu verbinden. Ihre klaren Schwarz-Weiß-Zeichnungen wurden zu ihrem Markenzeichen und machten ihre Werke auch für Leser*innen zugänglich, die sonst kaum Comics lesen.
Erfolg auf der Leinwand
2007 brachte Satrapi Persepolis gemeinsam mit Vincent Paronnaud als Animationsfilm ins Kino. Der Film gewann bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis der Jury und erhielt eine Oscar-Nominierung als bester Animationsfilm. Dadurch wurde ihre Geschichte auch einem internationalen Kinopublikum bekannt. Gemeinsam mit Paronnaud inszenierte sie auch die Verfilmung ihres Romans Huhn mit Pflaumen (2011).
Später inszenierte sie unter anderem The Voices (2015) mit Ryan Reynolds, Gemma Arterton, Anna Kendrick und Jacki Weaver sowie das Marie-Curie-Biopic Marie Curie - Elemente des Lebens mit Rosamund Pike in der Hauptrolle. Ihre letzte Regiearbeit war die Komödie Paradis Paris (2024) mit Monica Bellucci und André Dussollier.
Für ihr künstlerisches Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter 2024 mit dem renommierten Prinzessin-von-Asturien-Preis. Mit Marjane Satrapi verliert die Kulturwelt eine Künstlerin, die persönliche Erlebnisse in Geschichten verwandelte, die Menschen auf der ganzen Welt berührten. Ihr Werk wird auch in Zukunft viele Leser*innen und Zuschauer*innen begleiten.
Satrapi lebte zuletzt in Paris und besaß die iranische sowie die französische Staatsbürgerschaft. Erst vor rund einem Jahr war ihr Ehemann, der schwedische Schauspieler und Drehbuchautor Mattias Ripa, verstorben. Laut einer Erklärung ihres Umfelds gegenüber der Nachrichtenagentur AFP (via ORF) „starb [Marjane Satrapi] an Trauer, ungefähr ein Jahr nach dem Tod von Mattias Ripa, ihrem Ehemann und der Liebe ihres Lebens“.
Ruhe in Frieden.