Bildnachweis: © Denner | Motiv von "The Socceritos"

Per KI zurückgeholt: Die Stimme von Terence Hills legendärem Synchronsprecher erklingt wieder in neuem Kurzfilm

von Thomas Repenning

Ein ungewöhnliches KI-Experiment sorgt derzeit für Diskussionen in der Synchronbranche: Für den neuen Kurzfilm The Socceritos wurde die Stimme des 2023 verstorbenen Synchronsprechers Thomas Danneberg mithilfe künstlicher Intelligenz rekonstruiert. Danneberg war über Jahrzehnte hinweg die deutsche Stimme von Terence Hill und prägte darüber hinaus Stars wie Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, John Travolta und Dan Aykroyd.

Der rund 16-minütige Kurzfilm entstand im Rahmen einer Werbekampagne des Schweizer Einzelhändlers Denner zur Fußball-WM und versammelt neben Terence Hill auch die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Zeki Amdouni vor der Kamera. Erzählt wird eine augenzwinkernde Geschichte darüber, wie der Fußball angeblich seinen Weg in den Wilden Westen fand.

Familie von Thomas Danneberg gab Zustimmung

Besonders bemerkenswert ist die deutsche Synchronfassung. Statt auf einen neuen Sprecher für Terence Hill zu setzen, entschieden sich die Verantwortlichen dafür, Dannebergs Stimme per KI nachzubilden. Im Abspann wird ausdrücklich erwähnt, dass dies mit Zustimmung seiner Familie geschah.

Außerdem wird dort Tobias Meister als sogenannter Synchron-Guide genannt. Der langjährige Sprecher von Brad Pitt und Kiefer Sutherland könnte bei der Erstellung der Sprachaufnahmen beratend oder aktiv beteiligt gewesen sein. Offizielle Details zum genauen Verfahren wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht.

KI-Synchronisation bleibt umstritten

Der Einsatz künstlicher Intelligenz bei Synchronstimmen wird innerhalb der Branche zunehmend kontrovers diskutiert. Viele Sprecherinnen und Sprecher befürchten langfristig, durch KI ersetzt zu werden. Gleichzeitig werfen Projekte wie The Socceritos Fragen nach Urheberrechten, Vergütung und dem Umgang mit dem künstlerischen Erbe verstorbener Stimmen auf.

Während einige Fans die Rückkehr von Dannebergs markanter Stimme begrüßen, fällt die Resonanz auf die technische Umsetzung gemischt aus. Kritiker bemängeln, dass die KI-Version nicht die Ausdrucksstärke und das schauspielerische Feingefühl erreicht, für die Danneberg über Jahrzehnte geschätzt wurde.

Ein Blick in die Zukunft der Synchronisation?

Auch wenn The Socceritos lediglich ein Werbekurzfilm ist, könnte das Projekt einen Vorgeschmack auf zukünftige Entwicklungen liefern. Die Technik macht es inzwischen möglich, Stimmen nachzubilden oder Schauspieler ihre Rollen in verschiedenen Sprachen mit der eigenen Stimme sprechen zu lassen.

Ob sich solche Verfahren langfristig durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Die Diskussion darüber, welche Rolle menschliche Synchronkunst in Zeiten künstlicher Intelligenz künftig spielen wird, hat mit diesem Projekt jedenfalls neue Nahrung erhalten.

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