7.0

MB-Kritik

The Social Reckoning 2026

Drama, Thriller, Biography – United States

7.0

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Mikey Madison
Jeremy Allen White
Jeremy Strong
Wunmi Mosaku
Betty Gilpin
Billy Magnussen
Bill Burr
Gbenga Akinnagbe
Anna Lambe
Aidan Laprete
Kelley Pereira
Nelson Franklin
Portia Doubleday
Patrick Fischler
Joseph Brooks
Sierra Capri

Inhalt

Als Begleitwerk zum Erfolgsfilm "The Social Network" basiert Sorkins Originaldrehbuch auf den Ereignissen, die zu der schockierenden Enthüllungsreihe „The Facebook Files“ des *Wall Street Journal* führten. Der Film ist inspiriert von der wahren Geschichte der jungen Facebook-Ingenieurin Frances Haugen (Madison), die sich die Unterstützung des *Wall-Street-Journal*-Reporters Jeff Horwitz (White) sichert und sich auf eine gefährliche Reise begibt, an deren Ende die streng gehüteten Geheimnisse des sozialen Netzwerks aufgedeckt werden.

Kritik

Wer sich nach The Social Network auf eine direkte Fortsetzung eingestellt hat, dürfte bei The Social Reckoning zunächst überrascht sein. Aaron Sorkin kehrt zwar zu Facebook zurück, interessiert sich diesmal aber weniger für die Entstehung des sozialen Netzwerks als für das, was aus ihm geworden ist. Im Mittelpunkt stehen ein mächtiger Konzern und die Menschen, die versuchen, dessen Einfluss sichtbar zu machen. Das ist eine kluge Entscheidung, denn gegen David Finchers Film hätte ein klassisches Sequel kaum gewinnen können. Sorkin sucht deshalb gar nicht erst den direkten Vergleich, sondern erzählt eine eigene Geschichte über Facebook und seine Folgen.


Zwischen Faktenflut und starken Dialogen
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Dass Sorkin vor allem Drehbuchautor ist, merkt man dem Film in nahezu jeder Szene an. Seine Figuren reden viel, doch meistens besitzen die Gespräche einen angenehmen Rhythmus. Selbst komplizierte Zusammenhänge werden verständlich vermittelt, ohne dass der Film seine Figuren ständig zu bloßen Stichwortgebern degradiert. Ganz ohne Anstrengung geht es allerdings nicht. Zahlreiche Abkürzungen, Projekte und Fachbegriffe werden beinahe im Minutentakt genannt. Mitunter ist ein Gespräch vorbei, bevor vollständig klar geworden ist, worum es eigentlich ging. Wer sich bereits intensiver mit den Facebook-Files beschäftigt hat, dürfte hier einen kleinen Vorteil haben.


Zum Glück wirkt The Social Reckoning trotz seiner Informationsdichte nie wie ein zweistündiger Vortrag. Sorkins Gespräche haben Witz und Tempo, besonders wenn unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Die Konfrontationen zwischen Bill Burr und Jeremy Strong gehören entsprechend zu den unterhaltsamsten Passagen. Gleichzeitig hält der Film seine Figuren häufig auf emotionaler Distanz. Das passt zu seinem journalistischen Ansatz, verhindert aber auch, dass einige von ihnen über ihre Funktion innerhalb der Geschichte hinaus wirklich greifbar werden.


Ein starker Cast mit kleinen Problemen
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Die Besetzung fängt einen Teil dieser Distanz auf. Die bekannten Gesichter spielen ihre Rollen erfreulich unaufdringlich, sodass selten das Gefühl entsteht, hier würden Schauspieler*innen um jeden Preis Aufmerksamkeit suchen. Mikey Madison gibt ihrer Figur angenehme Ecken und Kanten, während Jeremy Allen White zurückgenommen agiert. Gerade diese Zurückhaltung tut ihm gut: Er versucht nicht, aus seiner Rolle eine große Persönlichkeit zu machen, sondern lässt sie wie einen Menschen wirken, der mit einer schwierigen Situation umgehen muss.


Jeremy Strong verfolgt als Mark Zuckerberg einen deutlich offensiveren Ansatz. Seine Annäherung an den Facebook-Gründer funktioniert durchaus, wird stellenweise aber so stark ausgestellt, dass die Darstellung selbst zur Attraktion wird. Das kann amüsant sein, lenkt gelegentlich jedoch von der Figur ab. Auch bei den Nebenrollen bleibt etwas liegen. Besonders die beiden Praktikanten der Redaktion hätten eine interessante Perspektive auf die Arbeitsbedingungen hinter der Recherche liefern können. Der Film spricht ihre enorme Belastung zwar an, macht sie aber kaum erfahrbar.


Bodenständig statt Fincher-Kopie
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Visuell macht Sorkin gar nicht erst den Versuch, Finchers Stil zu reproduzieren. The Social Reckoning ist deutlich konventioneller inszeniert und setzt weniger auf formale Präzision oder visuelle Dynamik. Das funktioniert zunächst gut, weil die Geschichte stärker im Berufsalltag ihrer Figuren verankert ist. Die ruhigere Gestaltung passt zu diesem Umfeld und gibt dem Film die Atmosphäre eines klassischen journalistischen Dramas.

Problematischer wird dieser Ansatz dort, wo die Recherche selbst interessant werden könnte. Gerade bei den Facebook-Files wäre es spannend gewesen, stärker mitzuerleben, wie Informationen zusammengetragen, geprüft und schließlich veröffentlicht werden. Stattdessen werden viele Erkenntnisse über Gespräche vermittelt. Der Film bleibt damit häufig auf der Ebene der Erklärung, obwohl das Material durchaus Möglichkeiten für eine spannendere visuelle Umsetzung geboten hätte.


Zwischen Unterhaltung und gesellschaftlicher Tragweite


Besonders auffällig wird das beim Einstieg. Was zunächst beinahe beiläufig beginnt, entwickelt sich zunehmend in eine unangenehme Richtung und macht unmittelbar deutlich, welche Auswirkungen soziale Medien auf Menschen haben können. Für einen Moment scheint der Film genau dort hinzuwollen: zu den konkreten Folgen einer Plattform, die längst weit mehr beeinflusst als die Kommunikation ihrer Nutzer*innen.


Später verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch stärker auf die journalistische Arbeit und die Vorgänge innerhalb des Konzerns. Eine Szene über das Mobbing eines Kindes wirkt dabei eher wie ein zusätzlicher Themenbaustein als wie ein organischer Bestandteil der Handlung. Auch die Menge an Informationen fordert immer wieder Konzentration. Trotzdem verliert der Film nicht seinen Unterhaltungswert. Dafür sorgen die spielfreudige Besetzung und Sorkins Gespür für Dialoge, die selbst trockene Passagen gelegentlich auflockern.


Von The Social Reckoning bleibt somit vor allem der Eindruck eines Films übrig, der bewusst einen anderen Weg einschlägt als sein Vorgänger. Sorkin macht aus Facebook weder eine finstere Tech-Dystopie noch versucht er, The Social Network nachzubauen. Sein Film ist kleiner gedacht, sachlicher erzählt und stärker an der journalistischen Arbeit orientiert. Manchmal wird daraus ein wenig zu viel erklärt und zu wenig gezeigt, manchmal bleiben Figuren hinter ihren Möglichkeiten zurück. Trotzdem findet The Social Reckoning seinen eigenen Ton. Und vielleicht liegt genau darin seine größte Stärke: Der Film muss nicht mit Fincher konkurrieren, um etwas über Facebook zu erzählen, das sich seit dessen Film längst verändert hat.

Fazit

Sorkin bleibt Sorkin: Seine Figuren reden viel, manchmal zu viel, und doch liegt genau darin der Reiz dieses Films. Wo andere Ansätze schnell zur trockenen Konzernchronik verkommen könnten, sorgen seine Dialoge und ein starkes Ensemble dafür, dass ein sperriges Thema erstaunlich leicht durchflutscht. Vielleicht sogar zu leicht: "The Social Reckoning" informiert, unterhält und verdichtet, ohne wirklich drastisch aufzurütteln. Ob das angenehm oder eine vertane Chance ist, muss jeder selbst entscheiden. Empfehlenswert bleibt diese hochkonzentrierte Abhandlung über digitale Macht allemal.

Autor: Sebastian Groß