Inhalt
Mai und ihr Ehemann Koichi beginnen sich während eines Hotelaufenthalts mit der Familie langsam zu entfremden. Während sie auf die Ergebnisse einer pränatalen Untersuchung warten, prallen Mais wachsende Ängste auf Koichis passives Ausweichverhalten, wodurch sich unterschwellige Spannungen zwischen den Eheleuten zu unerträglichen Konflikten zuspitzen.
Kritik
Kalte Betonwände markieren die das undurchdringliche Schweigen zwischen dem Protagonisten-Paar Takuya Katus (Hotsureru) unterkühlter Beziehungsstudie, die im Wettbewerb des 31. Busan International Film Festivals Weltpremiere feiert. Das funktionalistische Setting eines Spa-Hotels wird zur psychologischen Topographie der unaufhaltsam auseinander driftenden Charaktere. Der scheinbar freudige Anlass ihres gemeinsamen Urlaubs mit ihrer Verwandtschaft steigert subtil die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Erwartungshaltung und verborgenen Konflikten. Als soziologisches Zwischenreich von Heim und Fremdheit verweist der isolierte Schauplatz auf den partnerschaftlichen Übergangsprozess vom Paar zur Familie.
Mai (Haru Kuroki, #Manhole) erwartet ihr erstes Kind und die Testergebnisse der Voruntersuchungen. Während ihre innere Anspannung beständig wächst, wirkt Koichi (Atsushi Hashimoto, Makuko) den Befunden gegenüber seltsam gleichgültig. Er vermeidet ebenso Mai wie jedes Gespräch über die Untersuchungen und sein abweisendes Verhalten. Während der strukturierte Hotel-Alltag sie beständig an ihre Schwangerschaft erinnert, ignoriert ihr Ehemann die sich bereits bezeichnende Veränderung. Toshihiko Kizus konzentrierte Kamera verstärkt den bühnenhafte Aufbau des Szenarios, der Mais psychische Verletzlichkeit hervorhebt: halb bleiernes Gefängnis, halb industrielles Puppenhaus.
Als heimlicher Hauptcharakter führt das Szenenbild mit seinem labyrinthischen Grundriss das in seiner Einsamkeit isolierte Ehepaar beständig zusammen, ohne das eine emotionale Annäherung stattfindet. Verdrängung und ein beklemmendes Klima vager Angst machen die Beziehungsstudie zum klaustrophobischen Kammerspiel. Dessen Plot scheint genauso festgefahren wie die psychologisch unterentwickelten Figuren. Selbst als die Konstellation längst etabliert ist, entwickeln sich die Ereignisse nicht weiter. Geprägt von steinernen und stählernen Grautönen, erscheint das triste Umfeld so gleichförmig wie die reduzierte Story, die sukzessive ins Leere driftet.
Fazit
Streng strukturierte Bildflächen, sterile Räume und sorgfältig gesetzte Figurenpositionen machen die Architektur Kato Takuya zum Ausdruck einer gemeinsamen Entfremdung. Dialoge sind nur leeres Echo in dieser Symbolwelt, aus der die Dramaturgie keinen Ausweg findet. Als die Ursache endlich offenbart, weckt sie ein Arsenal neuer Themen, von denen keines ansatzweise ergründet wird. Patriarchale Besitzansprüche und reaktionäre Moralmaßstäbe implizieren einen internalisierten Normativismus, der ebenso sozialer wie persönlicher Natur sein könnte. Haru Kurokis ungleich stärkeres Schauspiel macht das psychische Ungleichgewicht zur paradoxen Meta-Manifestation existenzialistischer Erosion.