Inhalt
Kritik
Die Wände sind gepflasterte mit Postern muskelprotzender Bodybuilder in Mini-Shorts, Hanteln und Maschinen sind in vollem Einsatz und im Hintergrund treiben Bass Beats die Besucherinnen an. Bis der nächste Stromausfall die Musik verstummen lässt und die Klimaanlage gleich mit. „So ist das in Kabul“, kommentiert lakonisch der Trainer, dessen Ankündigung alle Frauen eilig zu den mehrlagigen Sportuniformen ihre Kopfbedeckungen anlegen lässt. Der kleinste Verdacht des Bruchs der drakonischen Vorschriften bedeutete das Aus für den Titelort.
Jener physisch und sinnbildlich winzige Raum, den die Handvoll Charaktere Shahrbanoo Sadats humorvoller Hommage an weibliche Resilienz noch verteidigen konnten, ist ein Fitnesscenter in Kabul. Eine Stunde täglich ist das Studio ausschließlich für Frauen offen. Die knappen Zugangszeiten markieren die verschwindend geringen Freiheiten, die Frauen im Afghanistan unter den Taliban noch bleiben. Umso kostbarerer ist dieser Treffpunkt als Ort des Austauschs, der Solidarität und Gemeinschaft. Hinter ironischem Witz und der warmherzigen Atmosphäre liegt eine bedrückende Realität.
Fazit
Im Titelort Shahrbanoo Sadat hintersinnigen Cinéma vérités verausgaben sich die in Alter und Kondition grundverschiedenen Frauen nicht nur körperlich. Vor allem sammeln Yalda, Karima, Aarzoo, Sarah und Khatereh in Kabuls einzigem Frauen zugänglichen Fitnessstudio Kräfte für die Alltagskämpfe in einem misogynen Regime. Mit charakteristischem Gespür für die politischen Dimensionen alltäglicher Situationen lauscht die Regisseurin den Gesprächen über nörgelnde Schwiegermütter und unrealistische Ansprüche der Ehemänner. Der facettenreiche Einblick in das Leben hinter verschlossenen Türen ist die eigentlich dramaturgische Essenz.