MB-Kritik

No Hard Feelings 2026

Zu Feng
Wang Ju
Huang Xiaolei
Zhang Zixian
Zhang Baiqiao
Huang Ziqi
Tong Linkai

Inhalt

Ein einsamer Mann mit heimlichen Potenzproblemen verliebt sich in dieTelefon-Verkäuferin eines exklusiven Potenzmittels. Doch er hat keine Ahnung, wer die rätselhafte Frau hinter der verlockenden Stimme ist. 

Kritik

Wäre Sleepless in Seattle nicht ein viel besserer Film, wenn   Charakter statt mit dem Tod seiner Frau mit Impotenz zu kämpfen gehabt hätte, und s Charaktere nicht Reporterin gewesen wäre, sondern die Angestellte einer profithungrigen Potenzmittel-Firma und wenn die beiden sich nicht über eine Radio-Show begegnet wären, sondern eine Kundenservice-Hotline? Alle, die meinen, diese Fragen stelle sich jemand, kennen offenbar nicht Liu Sichuans Spielfilm-Debüt. Die frivole Partnerschafts-Posse ersetzt Liebe mit Libido nach genau dieser Prämisse. 

Letzte gibt dem großstädtischen Angestellten Li Song (Zu Feng, Xing He Ru Meng) eine Partnerin mit Geld, gutem Aussehen und Leidenschaft, die in beider Beziehung allerdings auf der Strecke bleibt. Sexualität vermeidet Song aufgrund seiner Impotenz, die er mit allerlei Ausflüchten vor seiner Freundin geheim hält. Die Beziehung leidet unter seiner wiederholten Abweisung und sein Ego unter der chronischen Kondition, doch Abhilfe bringen weder westliche Import-Pillen noch eine Selbsthilfe-Gruppe für Leidensgenossen. Einer von denen empfiehlt dem Protagonisten eine kostspielige koreanische Website, deren Angestellte ihn proaktiv kontaktiert. 

Die Verkaufstaktik der jungen Yin (Wang Ju, Blossoms) aus Verständnis, verführerischem Tonfall und Versprechungen zeigt ihre Wirkung bei Song und bald darauf auch die Tabletten. Beschwingt vom Resultat will er das Versäumte mit seiner Freundin nachholen, doch Yins Stimme geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er ahnt nicht, dass ihre koreanische Kunden-Persona fake ist und sie tatsächlich ebenfalls eine Chinesin aus der selben Stadt. So seicht und vorhersehbar das satirische Szenario klingt, gibt es doch Ansätze zeitkritischen Potenzials. 

Der omnipräsente Leistungsdruck Chinas urbaner Mittelschicht erstreckt sich bis auf die intimsten Lebensseiten. Dort führen sich mittelalte Männer eingeschüchtert von beruflich und finanziell erfolgreicheren Frauen, die aktiv ihre sexuellen Bedürfnisse äußern. Impotenz markiert die Versagensängste einer zwischen Tradition und Moderne verlorenen Männergeneration, die ihren etablierten Staus einbüßt und den postmodernen urbanen Anforderungen nicht gewachsen ist. Die durchaus interessanten sozialpsychologischen Symptome und patriarchalische Psychosomatik erweisen sich indes als Tabu-Themen, vor denen der banale Beziehungsklamauk in seichte Sex-Witzchen flüchtet. 

Fazit

Die psychologischen, ökonomischen und physischen Herausforderungen einer dem eigenen Fortschritt hinterherhinkenden Gesellschaft liefern eine vielversprechende Grundlage, die Liu Shichuans schematische Sittenkomödie allerdings kaum zu nutzen weiß. Zwar rührt der poltrige Plot immer mal wieder an interessante Aspekte wie den Kontrast zwischen technologischer Vernetzung und der unerfüllten Sehnsucht nach zwischenmenschlicher Bindung im zeitgenössischen China, doch die spürbaren inszenatorischen Hemmungen wagen sich nicht daran. Mit ihrem Spott über Isolation und Intimität bleibt die sexistische Story bei aller aufgesetzten Frivolität reichlich bieder. 

Autor: Lida Bach
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