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MB-Kritik

Long Long Night 2026

Adventure, Drama, Animation, Family – South Korea

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Park Ki-wook
Kim Kyu-na
Suzy

Inhalt

Norden, ein weißes Felsennashorn, das in einer Elefantenherde aufwuchs, hat alle Familienmitglieder und Freunde, die er liebte, an die Gier der Menschen verloren. Neben ihm liegt ein verlassenes Ei. Während der langen, langen Nacht der Verzweiflung und Einsamkeit hört Norden nie auf, dieses winzige Ei behutsam zu hüten. Schließlich erblickt das Pinguinbaby „I“ das Licht der Welt. Ein Nashorn und ein Pinguin – zwei grundverschiedene Wesen, ohne zu wissen, wie der jeweils andere in diese Welt gelangt ist.

Kritik

Die Prämisse Youm Kyubocks animierter Adaption des gleichnamigen koreanischen Kinderbuchs, mit dem Autorin Ruri in ihrem Heimatland 2021 einen Bestseller landete, klingt wie der Auftakt eines Witzes: Wo treffen sich der Pinguin und das Nashorn? Antwort: im Zoo. Genauso geht es dem tierischen Hauptcharakter der epischen Abenteuergeschichte. Selbige umspannt über ein Jahrzehnt und einen halben Kontinent umspannt und fühlt sich trotz überschaubaren 99 Minuten Laufzeit noch wesentlich langatmig an. Noch ausufernder sind Pathos und pädagogischer Paternalismus der sentimentalen Saga voll seichter Symbolik. 


Letzte beginnt in der wortwörtlich eingegrenzten Sicherheit eines Naturschutzreservats, wo das weiße Breitlippennashorn Norden (Sprecher: Park Ki-wook) von einer Elefanten-Sippe großgezogen wird. Trotz seiner liebevollen Dickhäuter-Familie sehnt er sich nach Artgenossen, die er in der Weite der Savanne zu finden hofft. Doch die Freiheit birgt auch Gefahren. Wilderer töten Nordens Nashorn-Partnerin und kleine Tochter und sperren ihn in einen Zoo, wo er bald der letzte seiner Art ist. Als ein Kriegsangriff den Zoo verwüstet, Norden mit Brillenpinguin Chico (Gyu Na Kim).


KI statt Kreativität 


Chico vertraut seinem bald besten Freund Norden ein Pinguin-Ei an, das er im Zoo adoptierte. Nach einem weiteren Schicksalsschlag ist Norden Adoptiv-Vater eines Pinguin-Kükens, das er zum Ozean bringen muss. Ein weiter und riskanter Treck … dessen glücklichen Ausgang verrät der rückblickende Erzählerinnen-Kommentar des erwachsenen Pinguins (Bae Su-ji), wobei glücklich relativ ist. Nach Partnerin und Tochter verliert der tierische Protagonist wiederholt einen engen Freund. Chico verliert seinen Lebenspartner beim Angriff auf den Zoo, dessen apokalyptische Szenen mehrere Tierfamilien das Leben kosten. 


Eine Gruppe Wildhund-Welpen wird gar von Norden auf seiner amoklaufartigen Flucht niedergetrampelt. Doch dass deren Mutter Vergeltung sucht, macht sie zur Schurkin, während Nordens Rachegefühle gegenüber den Wilderern als verständlich dargestellt wird. Derlei selektive Doppelmoral ist nur eine der eklatanten Schwächen des rührseligen Road Movies. Dessen trotz ihres naturalistischen Äußeren gänzlich vermenschlichten Tier-Charaktere bleiben eindimensionale Stereotypen; der buchstäblich einzigartige Held, sein plappernder Sidekick, das niedliche Nesthäkchen. Ihre Tragödien und Triumphe bleiben mechanische Manipulation in seelenlosen AI-Hüllen.


Fazit

Dort wo Menschen an die Grenzen ihrer Fähigkeiten stoßen, solle AI übernehmen, sagt Youm Kyubock im Q&A auf dem 31. Busan International Film Festival, wo sein Spielfilm-Debüt im Wettbewerb Weltpremiere feiert. Jene Grenzen in Zeichentalent und Kreativität waren offenbar schnell erreicht, so leblos und artifiziell wirken die Tier-Protagonisten. Ihre hölzernen Dialoge sind zugeschnitten auf die abgedroschene Moral artübergreifender Eintracht, die Nordens Wildhund-Welpen-Massaker beflissen ignoriert. Rührseligkeit wechselt mit Fäkal-Humor und Ekel-Gags, die laut Regisseur für ein Kinderpublikum unverzichtbar seien. Kommerzieller KI-Kitsch zwischen Brutalität und Banalität.

Autor: Lida Bach