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Wir gucken "Game of Thrones": 7.6 Beyond the Wall

von Sandra Scholz

Die vorletzte Folge ein jeder Staffel "Game of Thrones" geizt für gewöhnlich nicht mit großen Schockmomenten. Das ist auch in der siebten Staffel wahr, wobei die Betonung in diesem Fall tatsächlich auf dem Wort "groß" und weniger auf dem Schockmoment als solchen liegt. Die düstere Eröffnung der Folge mit der Fahrt über den Tisch, die im wahrsten Sinne des Wortes nördlich der Wall endet, stimmt jedenfalls auf die Dinge ein, die in den nächsten 70 Minuten passieren.

Bevor wir uns in den Norden begeben, machen wir aber noch einen kleinen Zwischenstopp in Winterfell. Mehr und mehr habe ich das Gefühl, Cerseis Einschätzung des Nordens aus der ersten Staffel hatte mehr als einen Funken Wahrheit in sich. Düstere Gänge, grau in grau liegt Winterfell im Schnee, und im Inneren geht wenig Gutes vor sich. Hier treffen Arya und Sansa aufeinander, entfremdet voneinander und voller Misstrauen. Aryas Erzählung, wie sie mit dem Bogen übte, zaubert noch ein erinnerungsschwangeres Lächeln in unsere Gesichter, doch in der gleichen Sekunde holt sie zum Schlag aus und beschuldigt ihre Schwester, am Tode des Vaters schuld zu sein.

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Sansa appelliert an den logischen Verstand, macht deutlich, dass es in Cerseis Interesse ist, wenn die Schwestern streiten. Doch Arya zeigt sich von ihrer sturen Seite. Beide verstehen nicht, was die andere durchgemacht hat, und es ist zu bezweifeln das sie mit dem Schicksal der jeweils anderen Schwester überhaupt zurechtgekommen wären. Auftritt Lord Baelish, der hier mit Vergnügen weiter Zwietracht säht. Vermutlich versucht er, Sansa so weit zu isolieren, dass sie sich zur Absicherung mehr Macht verschaffen will. Prinzipiell das, was Arya befürchtet, und es würde die beiden Schwestern wohl endgültig entzweien. Mir fällt es allerdings schwer zu glauben, dass Arya wirklich so begriffsstutzig ist. Ich hoffe wirklich, dass sich die Autoren hier mehr dabei gedacht haben, denn das wäre so ziemlich die lahmarschigste Variante der Winterfell-Agenda, die man sich ausdenken könnte.

Vorerst erhält Sansa aber eine Einladung von Cersei nach Kings Landing. Es ist zu vermuten, dass es sich dabei um das Treffen handelt, welches Daenerys und Cersei ausgemacht haben. Sie schickt Brienne als Vertretung, sehr zu deren Widerwillen. Um Arya zu isolieren? Und wird Brienne Jaime wiedersehen? Doch Arya lässt Sansa auch wissen, dass mit ihr zu rechnen ist. Sie bedroht ihre Schwester, als diese ihre Gesichter in einem Beutel unter dem Bett entdeckt. Ich sag das wirklich ungerne über andere Frauen, aber die Lady muss sich dringend mal entspannen. Die Sendung macht keinerlei Hinweise über den Verlauf der Zeit, und es ist nahezu unvorstellbar, dass die beiden Schwestern sich nicht wenigstens mal für eine Stunde hingesetzt haben, um bei einer Tasse Tee Traumata auszutauschen. Die zwei haben sich seit sechs Staffeln nicht gesehen, und dass zwischen beiden in dieser Zeit null Entwicklung stattgefunden haben soll, ist einfach unvorstellbar. Sollte es sich um einen elaborierten Plan handeln, um Littlefinger reinzulegen, ihn zu ermorden und an sein Gesicht zu gelangen, um die Knights of the Vale weiter unter Kontrolle zu halten?

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Nördlich der Wall läuft es auch nicht unbedingt erfreulich. Jon und seine wundervolle Truppe sind unterwegs, und zunächst lässt uns die Folge glauben, wir kriegen jetzt eine ganze Stunde fröhliches Geplauder der einzelnen Figuren. Tormunds poetische Ausführungen zum Thema Brienne stießen jedenfalls wirklich nur beim Hound auf taube Ohren. Die Gruppe wird von einem Zombie-Eisbären attackiert und neben Thoros, der schwere Wunden davonträgt, verabschieden wir uns auch von den ersten Redshirts, die ... ja, keine Ahnung woher sie nun kamen. Nights Watch? Wildlinge? Jedenfalls sterben hier ziemlich viele Figuren, von denen man bisher nichts gesehen hat. Einen Wight fängt die Gruppe ebenfalls, und von hier an geht der Stress erst so richtig los, denn die ganze untote Armee taucht plötzlich auf. Vielleicht hätte man einfach davonreiten können, wenn man von Anfang an Pferde mitgebracht hätte, so wie es Benjen macht, so wie es die Ranger jeweils getan haben. Aber dann hätte man weniger von der Landschaft gesehen, schätze ich.

Gendry wird zurück nach Eastwatch geschickt, bevor alles eskaliert. Seinen Hammer lässt er zurück, was seine Laufgeschwindigkeit signifikant erhöht. Hier macht sich zum ersten Mal innerhalb dieser Episode bemerkbar, dass Zeit keine wirkliche Rolle mehr spielt. Der Junge rennt jedenfalls schneller als Usain Bolt, über eine recht große Distanz. Von Eastwatch aus wird ein Rabe nach Dragonstone geschickt, Daenerys beschließt, mit ihren Drachen in den Norden zu fliegen. Während Jon und seine verbliebenen Männer nördlich der Wall auf einem Felsen im Eis festsitzen und vor sich hinfrieren, vergehen zwei Tage. Dies lässt sich jeweils am Verhalten der Sonne in der Episode ablesen. Distanzmäßig erwähnte Cersei in der ersten Episode, dass die Reise von Kings Landing nach Winterfell einen Monat dauert, wobei niemals klar wurde, ob es sich um die reine Reisezeit gehandelt hat. So oder so, die Dinge gehen extrem schnell, was zwar für satte Action sorgt, aber auch die Willigkeit des Publikums, den Kopf ausgeschaltet zu lassen, recht strapaziert.

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In der Zwischenzeit erfriert Thoros, gerade dann als ich anfing, den alten Säufer zu mögen. Beric muss ab jetzt also aufpassen, denn aktuell ist niemand mehr da, der ihn aus dem Reich der Toten zurückholen kann. Der Hound wirft ein paar Steine auf den See, irgendwas muss man ja gegen die Langeweile unternehmen. Finde ich übrigens sympathisch, nicht jeder in der Gruppe ist ein hochgebildeter Soldat, Steine gegen die Langweile zu werfen ist eine recht normale Reaktion. Die Untoten merken, dass der See nun wieder zugefroren ist, und greifen an.

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Die Kämpfe zwischen den einzelnen Figuren und den Untoten sehen schick aus, zwischenzeitlich wird es für Tormund kurz eng, doch im Großen und Ganzen sind alle Todesopfer irgendwelche namenlosen Leute. Jon fordert zwischenzeitlich zum Rückzug auf, aber wo sollen sie denn auch hin? Es gibt ja nur den kleinen Felsen, auf dem sie bereits stehen. Für einen kurzen Moment sieht es dann aus, als würde Jon sterben, doch Drogon rettet den Tag. Gemeinsam mit seinen Geschwistern zerlegt er die untote Armee in fachgerechte, brennende Einzelteile. Dany landet mit Drogon auf dem Felsen, die Gruppe fängt an, auf den Drachen zu klettern. Im Hintergrund sieht man Viserion seinem Werk nachgehen, wo Rhaegal ist, wird hingegen nicht klar. Hier wacht der Night King endlich aus seiner Lethargie auf, schnappt sich einen Eisspeer und schleudert ihn mit enormer Kraft ... auf Viserion, der immer noch im Hintergrund herumfliegt. Drogon wäre näher an ihm dran gewesen, hätte all seine Feinde auf dem Rücken gehabt, aber naja.

Viserion wird am Flügel beziehungsweise an der Schulter getroffen, und geht rasend schnell zu Boden. Der Blutverlust ist enorm und es sieht so aus, als würde er implodieren. Ob es damit zu tun hat, dass ein Feuerwesen von einer Eiswaffe attackiert wurde? Ist Magie mit im Spiel? Emilia Clarke sieht für einen Augenblick herzzerreißend traurig aus, bevor sie mit ansehen muss, wie Jon von zwei Wights in den See geworfen wird. Das reißt sie aus ihrer Trance heraus und sie fliegt mit Drogon davon, der nächste Eisspeer verfehlt sein Ziel knapp.

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Natürlich passiert Jon aber nichts, denn der King in the North trägt mittlerweile so knapp 30 Lagen Rüstung seitens seiner Notwendigkeit für die weitere Geschichte. Er klettert aus dem See, findet sich mit seinem Schicksal als Untoter Wiedergeborener ab, nur um von Benjen Stark gerettet zu werden. Der hat damit seinen Zweck auch erfüllt, übergibt Jon sein Pferd und schließt mit dieser Welt endlich ab. Jon kann nach Eastwatch zurückreiten, wo Dany schon sehnsüchtig auf ihn wartet. Jon wird in ein Bett auf dem Schiff gepackt, welches nach Kings Landing segelt.

Als er aufwacht, sitzt Dany an seinem Bett, und die beiden haben Gelegenheit, sich unter vier Augen zu unterhalten. Jon versucht, Dany über den Verlust des Drachen zu trösten, was nicht so recht gelingen will. Dany hingegen verspricht ihm, dem Norden im Kampf gegen die White Walker beizustehen, woraufhin Jon ihr endlich gibt, was sie will: Er schwört ihr die Treue. Nebenbei schafft die Serie es, dass ich mir nun ernsthaft Gedanken darum mache, ob ich Tante und Neffe zusammen sehen will. Einerseits sind die beiden sicherlich ein süßes Paar, andererseits Inzest.

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Nördlich der Wall passiert dann exakt das, was abzusehen war. Ich habe zwar keine Ahnung, woher die Walker diese endlos langen Ketten haben, aber vielleicht hatten sie in den Tausenden von Jahren ja genug Langeweile, um zu lernen wie man schmiedet. Irgendwie kriegen sie diese Ketten am im See versunkenen Viserion befestigt, um seine Leiche aus dem Wasser zu ziehen. Hier geht die Episode auf Nummer sicher und wartet bis zur letzten Sekunde, bis sich das Drachenauge öffnet und gruselig bläulich vor sich hinschimmert. Effektiv ist der Moment aber trotzdem, und nun befinden sich Drachen auf beiden Seiten der Wall.

Notizen aus dem Goldenen Buch

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