Bildnachweis: © HBO | Promobild zu "Westworld" Staffel 3

"Westworld" - Staffel 3 - Kritik

von Christoph Uitz

Inhalt

Im Gegensatz zu ihren beiden Vorgänger-Staffeln spielt sich die Handlung der dritten Season von Westworld – bis auf eine kleine Ausnahme – ausschließlich außerhalb des wohlbekannten Parkbereiches ab. Wie bereits am Ende von Staffel 2 angeteasert hat Dolores ihre Ketten gesprengt und sich auf einen schwer durchschaubaren Rachefeldzug in der realen Welt begeben. Neben bereits hinlänglich bekannten Wegbegleitern und Feinden, sind in dieser Staffel auch der psychisch schwer angeschlagene Ex-Soldat Caleb Nichols (Aaron Paul) und der diabolische Engerraund Serac (Vincent Cassel) mit von der Partie.

Kritik

Die Handlungsprämisse der dritten Season von Westworld bewegt sich – ohne an dieser Stelle zu viel zu spoilern – spürbar von den Themen künstliche Intelligenz und Sinn des eigenen Daseins in Richtung freier Wille versus staatlich gelenkte Zukunftsplanung. Mit der prinzipiellen Abkehr vom gewohnten Park-Setting und der Einbettung der Handlung in die (futuristische) Realität, treten zwangsläufig auch die liebgewonnenen Hosts in den Hintergrund und geben den menschlichen Akteuren eine größere Bühne. Das eröffnet zwar neue Wege, kostet die Serie jedoch auch Innovationspotential und rückt das Gesamtkonzept spürbar in Richtung ähnlich gelagerter (0815-)Produktionen.

Auch die dritte Staffel von Jonathan Nolans und Lisa Joys Hitserie besticht durch eine sensationelle Optik und ausgefallene Ideen. Doch mehr noch als in Staffel zwei verlieren die Serienschöpfer den Fokus – auf eine Handvoll einzigartiger Charaktere und eine starke Grundprämisse – aus den Augen und verlaufen sich in einem Labyrinth aus zeitgeistgeschwängertem Einheitsbrei. Beginnend mit einem Rachefeldzug entwickelt sich die Geschichte, unterbrochen von Rückblenden, Selbstfindungsdialogen und einem lediglich digital existierenden Parkbereich, in Richtung Revolte gegen einen orwellschen Überwachungsstaat mit ausgeklügeltem Menschensteuerungsprogramm. Leider wird hier der Eindruck erweckt, dass schlichtweg zu viele Ideen in die 8 Episoden umfassende Staffel gepackt worden sind und dadurch nicht alle Fäden zufriedenstellend entwirrt werden konnten. Etliche Handlungsstränge entpuppen sich bei näherer Betrachtung sogar als nicht notwendiges Füllmaterial, das die Grundstory lediglich in die Länge zieht. Auch die halbgare, weil konsequenzlose Rückkehr zum Parkkonzept (Stichwort: Warworld) ist ernüchternd.

Glänzen kann die Staffel vor allem in seinen nachdenklichen Momenten. Wenn der Mann in Schwarz in der Folge The Mother Of Exiles mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert wird, ist das beeindruckend und bietet einen Ed Harris at his prime. Es sind Momente wie dieser, die den geneigten Zuschauer bei der Stange halten und von einer Folge zur Nächsten mitfiebern lassen. Auch die Actionszenen, die digitalen Effekte, die Performances des gesamten Casts und der Score sind beeindruckend. Die (missbräuchliche) Verwendung des Gig-Economy Gedankens in Form einer Art Crime-App ist ebenfalls ausgesprochen interessant.

Aber – und dieses aber entfaltet bei näherer Betrachtung eine immense negative Strahlkraft – jenen einen Punkt, in dem vor allem Staffel 1 aber auch Staffel 2 so glänzen konnten, lässt Staffel 3 komplett vermissen: ein überraschendes und gleichsam logisches Ende zu präsentieren. Denn, nach dem westworldtypisch behäbigen, weil ultrakomplexen, Staffelstart und dem gewohnt sensationellen Mittelteil fällt Season 3 in ein nicht zu leugnendes Qualitätstief. Es entstehen Handlungslöcher, durch die man einen sprichwörtlichen Bus manövrieren könnte, es wird unnötig stark auf pathetische Dialoge gesetzt und es wird ein ebenso vorhersehbares wie unbefriedigendes Ende präsentiert, das sich diese Serie wirklich nicht verdient hat.

Technischer Part

Die Blu-ray von Warner besticht durch eine tadellose Bild- und eine herausragende Tonqualität. Als Bonus-Features gibt es – über alle drei Blu-rays verteilt – eine Vielzahl an interessanten Featurettes über die verschiedenen Episoden, die einzelnen Charaktere und wichtige Ankerpunkte der dritten Staffel, wie Warworld oder die Gig Economy, zu entdecken. Eine rundum gelungene Veröffentlichung.

Fazit

Obwohl sich die dritte Staffel der Sci-Fi-Serie Westworld durch seine mutige Themenauswahl, seine sensationelle Besetzung und die fabelhafte (Cyber-)Optik immer noch gegen ein Gros ähnlich gearteter Produktion mühelos durchsetzen kann, ist ein deutlicher Abstieg auf der Qualitätsleiter zu beobachten. Nach der perfekten ersten und einer immer noch beeindruckenden zweiten Staffel bewegt sich Season drei nur noch im gehobenen Mittelfeld. Wenn man unbedingt ein 10-Punktesystem bemüßigen möchte, wäre es wohl eine solide 7…und das kann wohl nicht im Sinne der Macher einer so ambitionierten Produktion gewesen sein.

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